Fragen & Antworten

So erfolgreich war das Bremer Impfzentrum wirklich

Menschen sitzen im Wartebereich des Impfzentrums in der Messehalle in Bremen
Hier warteten Bremerinnen und Bremer auf ihre Impfung. Bild: DPA | Hauke-Christian Dittrich

Das Impfzentrum in den Bremer Messehallen hat geschlossen. Hunderttausende Bremer wurden hier gegen Corona geimpft. Was gut lief – und was problematisch war.

Es ist gar nicht so lange her: Im Dezember 2020 wurden die ersten Impfungen in dem Bremer Impfzentrum in den Messehallen durchgeführt. Nachdem nach einem Jahr Pandemie ein Impfstoff in Aussicht stand, begannen der Senat mit Wirtschaftsunternehmern der Initiative "Bremen impft", darunter auch dem Bauunternehmer Kurt Zech, zusammenzuarbeiten, um ein gigantisches Zentrum aufzubauen. Es sollte dem Ansturm auf die Corona-Impfungen gewachsen sein und genug logistische Kapazitäten besitzen. Der Plan: Pro Woche zehntausende Menschen in den Hallen des Messezentrums an der Bürgerweide zu impfen. Dafür wurden dann im März 2021 zwei weitere Hallen genutzt und das Bremer Impfzentrum wurde eines der größten Deutschlands.

Und nun schließt es. Über 80 Prozent Erstimpfungen in Bremen sind erreicht, der Ansturm vorbei und weitere Impfungen sollen erstmal mit mobilen Impfteams und Hausärzten durchgeführt werden. Wir haben mit Lukas Fuhrmann, Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, eine Bilanz gezogen.

Wie viele Personen wurden im Impfzentrum geimpft?
In den Hallen wurden insgesamt rund 470.000 Impfungen durchgeführt. Das seien sowohl Erst- als auch Zweitimpfungen und in letzter Zeit auch noch Auffrischimpfungen. Da mehrere Hallen zur Verfügung standen, wurde zwischen Ende März und Anfang August, als besonders viele Bremerinnen und Bremer geimpft werden wollten, neben der Halle 7 auch die Halle 4 und 5 für Impfungen genutzt.

Der Bedarf war über den Zeitraum hinweg sehr unterschiedlich. Das vorhandene Personal sei deshalb immer an die verfügbaren Impfstoffmengen angepasst worden, erklärt Fuhrmann. Anfang August war es dann soweit: Es gab mehr Impfstoffe als Impfwillige.

Vermutlich hätten wir in Bremen schon im April und Mai noch weiter sein können, hätte uns mehr Impfstoff zur Verfügung gestanden. Aber auch so haben wir in Bremen alles rausgeholt, was möglich war.

Claudia Bernhard im Interview.
Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard

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Wie lief die Organisation?
Bremen impfte deutschlandweit am schnellsten, das kann neben der Kapazität des Impfzentrums auch der Organisation zugeschrieben werden: "Wir sind in Bremen sehr erfolgreich einen anderen Weg gegangen als viele andere Bundesländer", so Fuhrmann, "die priorisierten Personengruppen wurden von uns nach und nach eingeladen, und zwar immer dann, wenn auch tatsächlich ausreichend Impfstoff zur Verfügung stand." Dadurch hätten die Impfberechtigten dann innerhalb weniger Tage ihre Impfung erhalten und mussten nicht wochen- oder monatelang warten. Und auch die Buchungsmöglichkeiten waren nicht überlastet. Zuletzt konnten Impfwillige einen Termin schon für den nächsten Tag bekommen.
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Impfzentrum tätig?
Insgesamt haben rund 2.000 Personen das Impfzentrum am Laufen gehalten: von Ärztinnen und Ärzten bis zum Reinigungs- und Sicherheitspersonal. Die Mischung war laut Fuhrmann bunt zusammengesetzt. Bei den Ärzten handelte es sich um pensionierte, aber auch ganz junge Beschäftigte, die beispielsweise in Teilzeit oder Elternzeit waren.
Welche Impfstoffe wurden am meisten verimpft?
Insgesamt sei am häufigsten BionTech verimpft worden, das lag vor allem daran, dass dieser von der Bundesregierung am meisten bestellt wurde. Eine Auswahl für den jeweiligen "Lieblingsimpfstoff" konnten Impfwillige erst in den letzten Wochen treffen, davor musste sich das Impfzentrum nach der Verteilung durch den Bund richten. Als es nach der Bekanntgabe von lebensgefährlichen Reaktionen auf Impfungen mit Astra Zeneca geänderte Empfehlungen für die Anwendung der Impfstoffe gab, tat das dem Tempo in Bremen keinen Abbruch: "Wir konnten hier sehr schnell reagieren, es mussten keine Termine abgesagt oder verschoben werden."
Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Bund?
Gerade zu Beginn verlief die Impfstofflieferung nicht immer wie geplant: "Wir mussten viel umplanen, denn Lieferungen sind geringer als angekündigt oder sogar ganz ausgefallen", sagt Fuhrmann. Das war für die gesamte Organisation eine Herausforderung. Claudia Bernhard lobt hier vor allem die Arbeit des Teams: "Alle haben teils Tag und Nacht gearbeitet. Dank einer grandiosen Steuerung unseres gesamten Projekts durch die Projektleitung und das gesamte Team konnten wir mit allen Unwägbarkeiten umgehen. Gab es neue Rahmenbedingungen, haben wir innerhalb weniger Stunden darauf reagiert."

Nach einiger Zeit habe sich die Situation aber stabilisiert und es konnte der Impfstoff bestellt werden, der benötigt wurde. Die Kosten für das Impfzentrum werden von Bund und Land geteilt. Diese liegen zusammen mit allen Impfzentren, mobilen Teams und Impftrucks in Bremen bei rund 72 Millionen Euro.
Wie geht es nun weiter?
Die Halle 7 des Impfzentrums kann nun wieder regulär von der Messe genutzt werden. Die Beschäftigten kehren teilweise an ihre vorherigen Arbeitsplätze zurück. Einige von ihnen arbeiten aber auch weiter in den Impfstellen, die jetzt über die Stadt verteilt werden, und in mobilen Teams – durch sie werden Bremerinnen und Bremer dann auch in Zukunft abseits vom Hausarzt eine Impfung erhalten können.

Das sagt die Bremer Politik zur Impfpflicht-Forderung für Lehrpersonal

Video vom 1. Oktober 2021
Eine rote Schüssel mit Corona Impfstoffspritzen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Laura Lippert Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier News, 22. Oktober 2021, 6 Uhr