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Verbotene Glücksspielwerbung: Auch Werder hatte Ärger

Wegen unerlaubter Glücksspielwerbung sind mehrere Vereine der 1. und 2. Fußball-Bundesliga ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Auch Werder Bremen war dabei.

Während der Halbzeitpause prangt ein Plakat des Casino Bremen im Tor des Weser-Stadions.
Glücksspielwerbung inzwischen salonfähig: 16 von 18 Fußball-Bundesligisten haben Sportwett-Anbieter als Partner. Bild: Imago | Team 2

Nach Informationen der ARD-Radio-Recherche Sport haben Aufsichtsbehörden wegen unerlaubter Glücksspielwerbung unter anderem gegen Borussia Dortmund, Werder Bremen, den 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf ordnungsbehördliche Verfahren eingeleitet, genauso wie gegen den Sportwett-Anbieter Betway.

Sie sind allgegenwärtig: Im Fernsehen, im Internet oder auch in der Fußball-Bundesliga – 16 von 18 Erstligisten haben inzwischen einen privaten Sportwett-Anbieter als Partner. Für die Werbung erhalten die Vereine oft Millionen. Knapp 60 Millionen kassieren die Profi-Vereine und Verbände von den Wettanbietern.

Anbieter haben verbotene Online-Casinos im Angebot

In der Brille eines Mannes spiegeln sich die Symbole eines Spielautomaten.
Laut Experten haben Bundesliga-Vereine durch ihre Werbepartnerschaften die Sportwettenanbieter salonfähig gemacht. Bild: DPA | Markus Scholz

Doch die Anbieter, die im Ausland sitzen, haben fast alle nicht nur Sportwetten im Angebot, sondern häufig auch Online-Casinos wie Roulette und Black Jack – und das ist nach der deutschen Rechtssprechung verboten. Tipico gibt das auch offen zu und teilt mit, es sei eine "branchenweit übliche Ergänzung zum Sportwetten-Angebot, um der Nachfrage der Kunden nach einem möglichst umfangreichen Angebot nachzukommen".

Aber gerade wegen der Online-Casinos sind nun auch sieben Klubs der 1. und 2. Bundesliga ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat in Absprachen mit zwölf anderen Bundesländern ordnungsbehördliche Verfahren eingeleitet – unter anderem gegen Borussia Dortmund, den 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen. Die Grün-Weißen haben bereits reagiert.

Wir wurden von der zuständigen Glücksspielbehörde wegen der konkreten Darstellung der Werbung für unseren Sportwetten-Partner kontaktiert. Daraufhin haben wir die Darstellung angepasst. Unser Engagement bezieht sich grundsätzlich nur auf das Sportwetten-Segment unseres Partners. Das ist nicht illegal.

Michael Rudolph, Sprecher von Werder Bremen

Werder hatte "konstruktiven Austausch" mit der Behörde

Nahaufnahme eines Werder-Trikotärmels mit dem chinesischen Wettanbieter-Logo Tou Tou.
Werders zweiter Sportwettenpartner Tou Tou steht nicht im Visier der Behörden. Bild: Imago | Nordphoto

Werder Bremen hat mit dem chinesischen Wettanbieter Tou Tou noch einen zweiten Anbieter als Partner – nach Aussage der Bezirksregierung Düsseldorf gibt es diesem Fall jedoch keinen Handlungsbedarf, "da die Internetpräsenz dieses Wettanbieters in Deutschland nicht zu erreichen ist".

Werder Bremen erklärte zudem, der Verein würde zur Einordnung von Sportwetten und zum Thema Sportwettmanipulation "regelmäßig Schulungen in unseren Jugendmannschaften und mit unserem Profiteam" durchführen. Werder bestätigte weiter, es habe einen konstruktiven Austausch mit der Behörde gegeben, "über unterschiedliche Nuancen in der Rechtsauffassung". Für die Bezirksregierung Düsseldorf ist die Lage allerdings eindeutig.

Die Vereine, denen häufig nicht bewusst ist, dass sie durch ihre Werbemaßnahmen auch die illegalen Online-Casino-Angebote der Sportwettveranstalter bewerben, werden im Rahmen des Verfahrens über die vorliegenden Verstöße informiert und aufgefordert, diese abzustellen.

Stellungnahme der Bezirksregierung Düsseldorf

Das bedeutet im Klartext: Entweder werben die Vereine gar nicht mehr für die Unternehmen – was aufgrund der hohen Einnahmen und laufenden Verträge wohl ausgeschlossen ist – oder aber sie halten sich an gewisse Vorgaben der Behörden. Zum Beispiel müssen Internet-Links zu den Anbietern mit illegalen Glücksspielen entfernt werden. Lenken die Vereine nicht ein, dann wird laut der Bezirksregierung Düsseldorf "der Erlass einer Untersagungsverfügung geprüft. Untersagungsverfügungen können mittels Zwangsgeld durchgesetzt werden".

Auch Köln und Düsseldorf lenkten bereits ein

Die Werbung könnte also verboten werden – oder die Vereine würden zur Kasse gebeten. Das war aber noch nicht nötig. Laut der Behörde hat der Austausch mit den Vereinen bisher zu "konstruktiven Ergebnissen" geführt. Inzwischen ist Bewegung in die Sache gekommen: Der 1. FC Köln erklärte gegenüber der ARD, dass die Werbung angepasst werde. Fortuna Düsseldorf sagte, dass das Verfahren inzwischen eingestellt wurde.

Etwas einfacher dürfte das Vorgehen gegen illegale Angebote der großen Sportwettanbieter vom kommenden Jahr an werden. Dann soll der neue Glückspieländerungs-Staatsvertrag in Kraft treten. Geplant ist auch eine zentrale Aufsichtsbehörde in Hessen.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Vier, Vier beginnt, 9. Oktober 2019, 8:40 Uhr