"Wer zufrieden ist, kriegt ein Problem mit mir"

Werder ist der Gewinner des Spieltags, das Momentum im Abstiegskampf liegt bei den Bremern. Doch Trainer Florian Kohfeldt mahnt vor zu viel Selbstzufriedenheit.

Florian Kohfeldt feuert seine Mannschaft lautstark von der Seitenlinie an.
Will die Anspannung hoch halten: Trainer Florian Kohfeldt möchte nicht, dass sich nach dem guten Rückrundenauftakt Zufriedenheit bei seiner Mannschaft einschleicht. Bild: Imago | DeFodi

Florian Kohfeldt hörte am Sonntagabend aufmerksam zu, als sein Wolfsburger Kollege Martin Schmidt auf dem Podium in den Katakomben des Bremer Weser-Stadions angespannt nach Erklärungen für die 1:3-Niederlage gegen Werder suchte. Dass jeder wisse, was die Stunde geschlagen hat, sagte Schmidt. "Es steht fünf vor zwölf – oder sogar drei oder zwei vor zwölf."

Werder-Spieler umarmen Florian Kainz nach seinem Treffer.
Kainz für alle, alle für Kainz: Die Werder-Profis umarmen Torschütze Florian Kainz. Bild: Andreas Gumz

Der VfL Wolfsburg steht als 13. zwei Plätze vor den Bremern in der Tabelle mit nun einem Punkt Vorsprung – und doch sind die "Wölfe" seit Sonntag endgültig im Krisenmodus angekommen. Werder hat die Niedersachsen mitten in den Abstiegskampf gezogen, Trainer Schmidt und Manager Olaf Rebbe sind angezählt. "Der Abgrund rückt näher" titelte die "Wolfsburger Allgemeine" am Montag, und die Schlagzeile hätte auch auf die drei Schlusslichter der Liga zutreffen können. Denn Köln, Hamburg und Mainz verloren allesamt am Wochenende und verschärften damit ihre eigene Krise.

Kohfeldt hält die Anspannung hoch

Kohfeldt und seine Mannschaft sind dagegen die Gewinner des Spieltages. Und obwohl die Bremer mit nun 23 Punkten weiterhin auf Rang 15 stehen, gibt es an der Weser keine Krisenstimmung. Keine Trainerdiskussion – im Gegenteil. Und der Stimmung im Weser-Stadion nach zu urteilen, ist Werder längst aus dem Gröbsten raus. Doch davon will Kohfeldt nichts hören.

Mit 23 Punkten steigen wir ab. Wir dürfen das null Komma null in Selbstzufriedenheit ausarten lassen. Wir müssen hart weiterarbeiten. Wer jetzt zufrieden ist, kriegt ein Problem mit mir.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt ist es ernst. Sich kurz zu freuen über den Heimsieg ist in Ordnung, aber ab Mittwoch geht die Vorbereitung auf die Auswärtspartie in Freiburg los. Und spätestens dann muss die Anspannung wieder da sein, das fordert Kohfeldt. Das Momentum im Abstiegskampf liegt klar auf Seiten der Bremer, doch auch darauf will sich Kohfeldt nicht verlassen. "Es kann sich alles so schnell wieder drehen", sagte er, "mit acht Punkten aus fünf Spielen haben wir uns eine gute Basis geschaffen. Wir sagen, das ist okay und jetzt: weitermachen."

Werders Vorteile: Offensivfußball und harmonisches Kollektiv

Die Werder-Mannschaft hüpft und tanzt nach dem Sieg aufgereiht vor der Ostkurve.
Partystimmung nach dem Sieg: Die Werder-Profis feiern vor der Ostkurve mit den Fans. Bild: Andreas Gumz

Es sind die Wochen der Wahrheit für Werder, und in den kommenden Partien gegen Freiburg, Hamburg, Mönchengladbach und Köln wird sich bis zum 12. März entscheiden, ob der Befreiungsschlag endgültig gelungen ist. Die Bremer sind im Vorteil: Werder tritt derzeit als harmonisches Kollektiv auf mit sehr flexibel einsetzbaren Spielern. Alle ziehen an einem Strang. Zudem spielen die Hanseaten nicht wie ein typischer Absteiger, sondern sie zeigen aggressiven Offensivfußball. "Das war zunächst auch der Situation geschuldet", sagt Kohfeldt, "wir hatten fünf Punkte nach zehn Spieltagen, wir müssen gewinnen. Und mit dieser Spielweise erhöht man die Wahrscheinlichkeit auf Siege. Außerdem haben wir eine hohe spielerische Qualität." Allen voran nannte Kohfeldt dabei exemplarisch Stürmer Max Kruse, Werders Lebensversicherung.

Und die Bremer spielen immer auf Sieg, das ist Kohfeldts Mantra. Sie versuchen eher zu gewinnen, als nicht zu verlieren. Auch damit stechen sie unter den Abstiegskandidaten heraus. Kohfeldt glaubt fest daran, dass ihr Weg zum Klassenerhalt führen wird, doch dieser Weg sei eben noch weit. Daher warnt er seine Mannschaft vor Zufriedenheit. "Nach dem Spiel hatte ich nicht das Gefühl, dass ich es den Jungs noch mal sagen muss", meinte Kohfeldt: "Aber ich werde es ihr trotzdem noch mal sagen." Dem Zufall überlässt Florian Kohfeldt nichts.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesligashow, 11. Februar 2018, 18 Uhr