Rashica schwebt jetzt in seiner eigenen Sphäre

Gegen Wolfsburg war Milot Rashica Werders Matchwinner. Der quirlige Linksaußen machte mit seinem Doppelpack den Unterschied bei den Bremern aus. Ist er zu halten?

Milot Rashica genießt mit weit ausgebreiteten Armen, geschlossenen Augen und den Kopf in den Nacken gelegt seinen Treffer.
Ein Spiel vom anderen Stern: Gegen Wolfsburg traf Milot Rashica nicht nur doppelt, sondern verzückte Trainer Florian Kohfeldt auch mit seiner Defensivarbeit. Bild: Imago | Jan Huebner

Ganz genau so hatte er den Schuss gewollt. So frech, so abgezockt, so unhaltbar – genau so. Aus zehn Metern von links genüsslich ins lange Eck geschoben. Eigentlich hat Milot Rashica ja eine Vorliebe für die kurze Ecke in solchen Situationen. Das wussten auch die Wolfsburger und so stellten zwei Verteidiger die vermeintliche Schussbahn zu und Keeper Coen Casteels orientierte sich auch nach links. Aber Rashica schoss einfach nach rechts. Es war das 3:2 für Werder in der 83. Minute. So einfach geht das manchmal im Fußball. Und für Milot Rashica ging am Sonntagabend in der Wolfsburger Arena scheinbar alles ganz einfach.

"Ich bin sehr glücklich über die drei Punkte", freute sich Rashica, "das war ein schweres Spiel für uns. Aber wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können und es nicht verdienen, dort zu stehen, wo wir standen." Dass Werder die Krisenstimmung nach acht Spielen ohne Sieg und Tabellenplatz 14 mit dem Sieg in Wolfsburg und dem Hopser auf Rang zwölf erst einmal verstummen lassen konnte, lag am Sonntagabend vor allem am dem 23 Jahre alten Kosovaren. Dank ihm wissen die Werder-Fans nun, dass offenbar neun Mal Bremer Recht ist.

Schon sechs Tore und drei Assists für Rashica

Milot Rashica symbolisiert nach dem Treffer mit seinen Händen den Adler der albanischen Flagge.
Eine Geste in die Heimat: Milot Rashica deutete nach seinem Tor den Adler an, das Wappentier in der albanischen Flagge. Bild: Imago | Jan Huebner

Schon in der 13. Minute hatte Rashica die Bremer in Führung gebracht, durch einen Handelfmeter. Da Davy Klaassen zuletzt vom Punkt patzte, schnappte sich einfach Rashica den Ball. Er kniete sich hin, schnürte seinen Schuh noch enger, ging zum Elfmeterpunkt und verwandelte ihn eiskalt unten rechts. Zwei Treffer steuerte Rashica in diesem wichtigen Spiel für Werder bei und der quirlige Linksaußen festigte damit seine Rolle als neuer Unterschiedsspieler. In neun Bundesligapartien hat Rashica nun sechs Mal getroffen, brachte es zudem auf drei Assists.

Milot hat das heute gut gemacht, die Defensivleistung war überragend von ihm. Das ist ganz wichtig gewesen. Und dass er diese Tore machen kann, das wissen wir alle. Er ist ein sehr unangenehm zu verteidigender Spieler und ich bin froh, dass ich ihn habe.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der ARD Sportschau

Marktwert liegt schon jetzt bei geschätzten 20 Millionen Euro

Gegen Wolfsburg war Rashica klar der Matchwinner und steigert mit seinen Auftritten seinen Marktwert weiter. Derzeit wird er vom Internetportal "Transfermarkt.de" auf 20 Millionen Euro geschätzt. Ob die Bremer Rashica im Sommer halten können, ist fraglich. Zumal Trainer Florian Kohfeldt durchaus klar ist, dass Rashica sein Potenzial noch gar nicht ausgeschöpft hat.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er noch seine Schwankungen hat. Letzte Woche war es auch nicht so wie heute. Er wird sich noch weiterentwickeln, aber er braucht noch seine Zeit, um konstant zu sein.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt in der ARD Sportschau

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In Gedanken bei den Erdbebenopfern in Albanien

Momentan ist Rashica allerdings im Hier und Jetzt, bei Werder. Und er hofft, dass dieser Sieg ein Wendepunkt gewesen ist. Die Wende zum Guten also. Davon träumen die Menschen in seiner Heimat auch, aber auf ganz andere Weise – nach dem verheerenden Erdbeben. So deutete Rashica nach seinem Elfmetertreffer mit den Händen symbolisch einen Adler an, das Wappentier der albanischen Flagge, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Es ist eine sehr traurige Situation für alle Menschen aus dem Kosovo und aus Albanien. Wir versuchen, uns alle gegenseitig zu helfen, aus dem Kosovo, aus Albanien und von überall. Ich bin sehr stolz auf meine Heimat. Wir stehen alle zusammen, und ich hoffe, die guten Tage werden für uns wiederkommen.

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Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: NDR, Die Bundesliga am Sonntag, 1. Dezember 2019, 21:45 Uhr