Kohfeldt und der ersehnte Bremer Brustlöser

Die Erleichterung war riesig bei den Bremern nach dem 3:2-Sieg über Wolfsburg. Doch Werder-Trainer Kohfeldt mahnte, dass man trotzdem noch nicht aufatmen dürfe.

Florian Kohfeldt nach dem Spiel in inniger Umarmung mit Davy Klaassen inmitten der Werder-Mitspieler.
Gruppenkuscheln in Wolfsburg: Trainer Florian Kohfeldt (Mitte) möchte nach dem Sieg am liebsten die ganze Welt umarmen – nimmt aber erst einmal mit Davy Klaassen vorlieb. Bild: Imago | Jan Huebner

Als in der Wolfsburger Arena am Sonntagabend der Abpfiff ertönte, da konnte Florian Kohfeldt endlich loslassen. Alles rauslassen, alles, was sich in den vergangenen zweieinhalb Monaten in ihm angestaut hatte. Endlich waren er und seine Bremer erlöst, sie hatten tatsächlich gewonnen. Ein Sieg nach acht sieglosen Spielen, der erste seit dem 2:1-Erfolg gegen Union Berlin am 14. September. Eine schier endlose Durststrecke, sie war vorbei.

Und da standen sie nun auf dem Rasen und lagen sich selig in den Armen und wollten mit dem Umarmen gar nicht mehr aufhören. "An der Reaktion der Jungs und auch an meiner Reaktion hat man gesehen, dass die letzten Wochen an uns genagt haben", sagte Kohfeldt später, "dass wir nicht gewonnen haben, dass wir es nicht über die Zeit gebracht haben." 13 Punkte hatte Werder so schon in dieser Saison verspielt – weil sie ihre Führung doch noch aus der Hand gaben.

"Die längsten 15 Minuten meines Lebens"

Milot Rashica und Leonardo Bittencourt brüllen Arm in Arm ihren Jubel heraus.
Jubel zum 2:1 – Milot Rashica (links) freut sich mit Torschütze Leonardo Bittencourt. Bild: Imago | Joachim Sielski

Und fast hätten sie es auch an diesem Abend in Wolfsburg nicht über die Zeit gebracht. In einer Partie, die hin und her wogte, und in der Werder bis zur 73. Minute mit 2:1 geführt hatte – und die in einer wilden Schlussviertelstunde gipfelte. "Das waren die längsten 15 Minuten meines Lebens", stöhnte hinterher Verteidiger Ludwig Augustinsson. Kohfeldt pflichtete ihm bei Sky bei: "Wir haben in den letzten zehn Minuten noch einmal gefühlt 15 Standards gegen uns gehabt." Und gegen Standards, das hat sich längst in der Fußballwelt herumgesprochen, sind sie bei Werder momentan allergisch.

Das 1:1 durch Wout Weghorst war das zwölfte der Saison für die Bremer gewesen, in der Schlussphase aber hielt Werders Wackelabwehr bei Ecken und Freistößen mit Ach und Krach dicht. Den 2:2-Ausgleich hatten die Grün-Weißen mit dem frechen 3:2-Treffer von Milot Rashica in der 83. Minute gekontert und dann bis zum Abpfiff durchgehalten – irgendwie.

Erfolgsrezept: Mut, Aggressivität, Haltung und Glaube

Florian Kohfeldt brüllt und gestikuliert mit beiden Armen an der Seitenlinie.
Kein Spiel für schwache Nerven: Trainer Florian Kohfeldt musste etliche brenzlige Situationen an der Seitenlinie miterleben. Bild: Imago | Jan Huebner

"Es war schon eine Erleichterung, definitiv", sagte Kohfeldt der ARD Sportschau und die war dem 37-Jährigen deutlich anzusehen. Die erste schwierige Phase seiner zweijährigen Amtszeit war nicht spurlos an Werders Coach vorübergegangen, der gerne alles eloquent wegmoderiert. Diese Situation aber "hat an uns gezerrt", musste Kohfeldt eingestehen, "es waren viele Spiele, wo wir mehr verdient hatten und die einem nachhängen."

So hatte Kohfeldt in der Woche nach der Schlappe gegen Schalke auch viel Kopfarbeit mit seinen Spielern absolviert. Mit vier Begriffen, die ihnen der Coach wie Mantras vorsagte: Mut, Aggressivität, Haltung und Glaube. Gegen Wolfsburg hielt Werder die Vorgabe über weite Strecken durch. Doch so befreiend der Sieg auch wirkte, mehr als ein erster Brustlöser war er nicht. "Er war sehr wichtig", meinte Kohfeldt, "aber jetzt ist noch nichts geschafft." Wenn bis Weihnachten die Punkteanzahl mit einer zwei beginnen soll, dann sollte am besten auch gegen Aufsteiger Paderborn am kommenden Sonntag ein Dreier her. Erst dann weiß Kohfeldt, ob er wirklich aufatmen darf.

Kohfeldt und seine "sehr schlaue" Idee

Florian Kohfeldt senkt lächelnd den Kopf bei einer Pressekonferenz.
Bild: Imago | Nordphoto

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: NDR, Die Bundesliga am Sonntag, 1. Dezember 2019, 21:45 Uhr