Neuer Stadionname: Ultras greifen Werders Führung an

Das Weser-Stadion wird voraussichtlich bald Wohninvest Weserstadion heißen. Sieben Ultra-Gruppen kritisieren das und werfen Werder Unehrlichkeit vor.

Werderfans schwenken Fahnen in der Ostkurve des Weser-Stadions
Das Herz der Bremer Ultrasszene: Die Ostkurve im Weser-Stadion. Bild: Imago | Kokenge

Die Ultra-Gruppen Caillera Ultras, Infamous Youth, UltrA-Team Bremen, L’Intesa Verde, Ultra‘ Boys, Wanderers Bremen und HB Crew haben den geplanten Verkauf der Namensrechte des Weser-Stadions an den Immobilieninvestor Wohninvest kritisiert. In einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung rufen die Fangruppen den Verein nachdrücklich dazu auf, den Verkauf der Namensrechte an die Firma aus der Nähe von Stuttgart noch einmal zu überdenken.

Es sei im heutigen Fußball klar, dass "der Versuch, höhere Einnahmen zu erzielen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, lediglich eine logische Schlussfolgerung darstellt." Ein Partner wie Wohninvest jedoch, so die Fans in der Erklärung, passe nicht zum Image und der Philosophie des Vereins. Durch den Deal mit einem Immobilien-Unternehmen habe die "soziale Verantwortung des Vereins das Nachsehen und mal wieder stellt ein Sponsoring-Vertrag die Doppelmoral der Geschäftsführung unter Beweis", heißt es.

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Zudem habe sich die Vereinsführung kreativen Ideen der Fans für die Finanzierung der Stadionkredite gegenüber nicht ausreichend offen gezeigt. Mehr noch: "Der Verein glänzte gegenüber seinen Fans vor allem durch intransparentes und unehrliches Handeln", so die harsche Kritik der Ultras.

Obwohl die Vereinsführung angekündigt habe, die Fangruppen zu möglichen Vertragspartnern und -verhandlungen auf dem Laufenden zu halten, sei der Fanbeirat erst auf Nachfrage am Montag, 27. Mai, über die angeblich schon seit Ostern laufenden Gespräche zwischen Werder und dem Sponsor informiert worden.

Bei Werder äußerte sich Michael Rudolph, Leiter Kommunikation, zu dem Thema: "Die Ultra-Gruppierungen haben uns ihre Gedanken ebenfalls mitgeteilt. Wir sind mit unserer aktiven Fanszene in einem regelmäßigen Austausch. Wir haben sie in den vergangenen Tagen über den Stand der Dinge unterrichtet und werden diesen Dialog auch weiterhin auf direktem Wege fortsetzen."

Kritik auch an Bremer Regierung

Die Ultras zielen in ihrer Erklärung aber nicht nur auf die Werder-Verantwortlichen. Auch die Stadt Bremen sehen sie in der Verantwortung, da diese zur Hälfte an der Betreibergesellschaft des Weser-Stadions (BWS) beteiligt ist. Und dorthin fließen die Millionenzahlungen des Stadionsponsors in Zukunft.

Laut den Ultras ziehe sich die Bremer Regierung "aus der Affäre und überlässt dem SV Werder die zu zahlende Summe." Obwohl sich die Stadt immer wieder gern mit "mit ihrem sportlichen Aushängeschild brüstet."

Fangruppen als Datenleck?

In die Öffentlichkeit gelangte die Information über eine möglichen Partnerschaft von Werder und Wohninvest kurz nachdem die Fangruppen von den Verhandlungen erfuhren. Auf dem Internetportal "indymedia.org" war zwei Tage nach dem Gespräch zwischen Werder und seinen Fans ein Text zu lesen, in dem die Autoren den geplanten Verkauf der Namensrechte kritisierten. Dazu posteten sie ein Foto, welches offenbar im Weser-Stadion aufgenommen worden war und ein Plakat mit dem Schriftzug "Nein zu Wohninvest - Für immer Weserstadion " zeigte.

Autor

  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 31. Juni 2019, 18:06 Uhr