Stadion mit Benefizspielen abbezahlen – Ist diese Fan-Idee realistisch?

Mehrere Werder-Fangruppen wollen eine Umbenennung des Weser-Stadions verhindern. Ihr Vorschlag: Mit Freundschaftsspielen könne man die Stadion-Kredite finanzieren.

Das Weser-Stadion von oben fotografiert.
Am Weser-Stadion soll bald der Schriftzug des neuen Sponsors Wohninvest angebracht werden. Viele Werderfans sind dagegen. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Der viermalige Deutsche Meister und zweimalige DFB-Pokalsieger 1. FC Kaiserslautern ist vor einigen Wochen finanziell derart klamm gewesen, dass ihm der Zwangsabstieg aus der 3. Liga drohte. Der DFB wollte dem Traditionsklub wegen seiner finanziellen Schieflage die Lizenz für die Liga nicht erteilen.

Glück für die Pfälzer, dass der FC Bayern München sich zu einem sogenannten "Retterspiel" bereit erklärte. Die Idee: Durch die Einnahmen des Freundschaftsspiels im Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg in Kaiserslautern sollte genug Geld in die Kassen kommen, um die Lizenz für die 3. Liga zu ermöglichen. Das ist auch geschehen: 750.000 Euro hat der 1. FC Kaiserslautern laut rp-online.de als Reinerlös aus dem Spiel mitnehmen können. Lizenz gesichert, Klasse gehalten.

Einnahmen aus Ticketverkäufen viel zu gering

Teile der Bremer Fanszene haben dem SV Werder Bremen offenbar vorgeschlagen, eine ähnliche Aktion zu starten, wie aus einer gemeinsamen Erklärung von sieben Ultra-Gruppen hervorgeht (wir berichteten).

Allerdings geht es bei Werder nicht um den Klassenerhalt, sondern um einen Namenserhalt. Denn Werder muss Kredite für den Stadionumbau bezahlen. Kostenpunkt rund drei Millionen Euro jährlich.

Die Einnahmen aus dem "Kartenverkauf für ein fiktives Spiel", so die Ultras, könne der Verein verwenden, um diese Verbindlichkeiten zu bedienen. Dadurch, so das Kalkül der Fans, könnte der Name des Weser-Stadions erhalten bleiben und ein Namenssponsoring des Stadions umgangen werden.

Realistisch ist die dauerhafte Finanzierung von Krediten in dieser Höhe durch Benefizspiele aber nicht. Sogar, wenn Werder wie der FC Kaiserslautern ebenfalls 750.000 Euro dadurch einnehmen würde, wäre das nur ein Viertel der von Werder benötigten Summe. Viel zu wenig, zumal das jedes Jahr wiederholt werden müsste. Der Verein müsste weitere Geldquellen erschließen. Dazu wären Aktionen in einem Ausmaß nötig, wie es sie in Deutschland bisher noch nicht gab.

Größte Finanzierungsaktion nötig

Denn selbst durch die bislang größte kreative Finanzierungsaktion eines bedrohten deutschen Fußballklubs kamen von Anfang Juni bis Ende August 2003 "nur" rund 2,4 Millionen Euro zusammen. Der FC S. Pauli stand damals nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga finanziell vor dem Aus. Auch den Hamburgern sprang der FC Bayern München damals als Retter bei und trat für ein Benefizspiel am Millerntor an. Einnahmen dadurch: rund 270.000 Euro.

Den Großteil seiner rettenden Millionensumme nahm St. Pauli somit nicht durch die Ticketerlöse gegen Bayern ein. Sondern durch den Verkauf von "Retter"-T-Shirts, Spenden der Fans, den Verkauf seines erst zwei Jahre zuvor gekauften Jugendleistungszentrums und durch den Verkauf von mehr als 11.000 Dauerkarten für die Saison in der Dritten Liga. Insgesamt ein riesiger Kraftakt des 29.000 Mitglieder zählenden Vereins.

Sponsoring lohnt sich für den Verein

Einmalig ließe sich eine Aktion wie beim FC St. Pauli vielleicht auch in Bremen stemmen. Die Mitgliederzahlen sind mit rund 37.000 höher als bei St. Pauli, die Identifikation mit dem Klub und vor allem dem Namen Weser-Stadion riesig. Aber, dass sich die Werder-Unterstützer Jahr für Jahr aufs Neue mobilisieren, damit Kredite für einen längst abgeschlossenen Stadionumbau bedient werden können, darf zumindest stark bezweifelt werden. Und darum haben sich die Verantwortlichen bei Werder für ein langfristig sicheres Modell mit dem Sponsor Wohninvest entschieden.

Letztlich kommen die Millionen der Wohninvest auch der sportlichen Zukunft des Vereins zugute, meint der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel.

Die Ultras bemängeln, dass die drei Millionen Euro pro Jahr für das Namensrecht in die Bremer Weser-Stadion GmbH fließen. Damit stehe das Geld nicht unmittelbar für Spielerkäufe zur Verfügung. Aber die Gesellschaft, an der der SV Werder mit 50 Prozent beteiligt ist, hat die Aufgabe, den noch über Jahre laufenden Kapitaldienst für den Stadionumbau durch Kreditfinanzierung zu bedienen – immer noch 70 Millionen Euro an Altlasten.

Rudolf Hickel, Wirtschaftswissenschaftler

Wenn dafür das Geld fehle, so Hickel, dann schlage das auch auf den Verein durch. Durch den jetzigen Verkauf werde am Ende nicht die SVW-Kasse zu dieser Teilfinanzierung herangezogen. Das sei doch eine gute Nachricht.

Neuer Name für das Weser-Stadion

Das Weserstadion.

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  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. Juni 2019, 18:06 Uhr