Interview

Wo es beim DFL-Hygiene-Konzept für Fußballstadien noch hakt

Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) erklärt, warum sie und ihre Kollegen sich aktuell noch gegen Fans in Stadien aussprechen.

Blick auf den Rasen des menschenleeren Weser-Stadions.
Bis wieder Zuschauer im Weser-Stadion zugelassen sind, müssen sich Werder-Fans und Verein noch ein wenig gedulden. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Groß waren die Hoffnungen bei der Deutschen Fußball Liga (DFL), mithilfe eines Hygiene-Konzepts zum Bundesliga-Start im September zumindest einige Zuschauer zurück in die Stadien holen zu können. Die Gesundheitsminister der Länder haben jedoch den DFL-Plänen bei einer Konferenz am Montag eine Abfuhr erteilt. "Tausende Zuschauer in den Stadien – das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", twitterte etwa Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Auch Bremens Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) nahm an der Konferenz teil. Im Anschluss sprach sie mit buten un binnen über die Gründe, weshalb sie und ihre Kollegen die zeitnahe Rückkehr der Zuschauer in die Stadien ablehnen.

Frau Bernhard, was waren die Gründe, weshalb man sich dagegen entschieden hat, Fans wieder in die Stadien zu lassen?
In erster Linie sind das Gründe, die darauf abzielen, das Infektionsgeschehen im Blick zu behalten. In der Bundesrepublik gibt es steigende Zahlen. Wir haben die Reiserückkehrer und wir wollen die Schulen öffnen, auch da ist womöglich eine Zunahme an Infektionen zu erwarten. In dem Kontext als Präzedenzfall ausgerechnet das Fußballstadion wieder zu öffnen, wäre natürlich absolut kontraproduktiv. Der einhellige Satz war: Es passt wirklich nicht in die Zeit und Landschaft.
Waren sich alle Minister und Ministerinnen einig?
Ja, wir hatten eine doch sehr hohe Einmütigkeit. Es gibt immer die gesamte Bundesländer-Abfrage und da gab es niemanden, der das infrage gestellt hat. Ganz im Gegenteil: Es stand ganz klar der Beschluss, dass das bis zum 31. Oktober alles so zu bleiben hat. Wir werden uns das Infektionsgeschehen weiter ansehen und dann wird man das neu einschätzen müssen, aber auf diese Zeitspanne haben wir uns heute verständigt.
Claudia Bernhard
Seit rund einem Jahr ist Claudia Bernhard (Linke) Bremer Gesundheitssenatorin. Bild: Radio Bremen
Lag es denn auch am Konzept der DFL? Oder sagt man: Das ist durchaus ein Konzept, das man im November wieder aus der Schublade ziehen könnte.
Das Konzept wurde durchaus als positiv eingestuft. Allerdings gab es auch Fragen: Wird die Verantwortung an die Gesundheitsämter verschoben? Reicht dieses Konzept wirklich aus? Einer der neuralgischen Punkte ist: Wie erfolgt die Anfahrt und Abfahrt? Das betrifft nicht nur das Spiel als solches, die Menschen müssen ja auch irgendwie zum Stadion und wieder nach Hause kommen. Wie soll man so etwas verantworten und die Abstandsregelungen gewährleisten können? Diese Fragen sind nach wie vor unbeantwortet und werden selbstverständlich auch Ende Oktober wieder aufploppen.
Gibt es dazu schon Lösungsmöglichkeiten?
Bislang noch nicht. Ich bin fest davon überzeugt, dass die interessante Frage sein wird: Was heißt das jetzt für die Schulen? Herbst, Grippewelle et cetera, wie sind die Entwicklungen? Daran werden wir uns langsam heranrobben. Ob im Stadion dann tatsächlich schon wieder 17.000 Zuschauer sein müssen, das möchte ich auch infrage stellen.

Das Interview führte Lea Reinhard. Aufgeschrieben von Helge Hommers.

Gesundheitssenatorin: Darum sollen vorerst keine Fans ins Stadion

Video vom 10. August 2020
Die Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard zu Gast bei buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Lea Reinhard

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. August 2020, 19:30 Uhr