Kainz für alle, alle für Kainz

Mit zwei wichtigen Treffern wurde Werders Florian Kainz zum Mann des Abends beim 3:1-Sieg über Wolfsburg. Doch der wahre Gewinner war das Bremer Kollektiv.

Florian Kainz wird von seinen Mitspielern Zlatko Junuzovic und Ludwig Augsutinsson nach seinem Tor beglückwünscht.
Doppeltorschütze: Florian Kainz (Mitte) wird von Zlatko Junuzovic, der ihm das Tor perfekt auflegte und Ludwig Augustinsson, der das 1:0 erzielte, für seinen Treffer zum 2:0 gefeiert – das 3:1 steuerte Kainz danach in der 72. Minute bei. Bild: Andreas Gumz

Eine ganze Weile war vergangen nach dem Abpfiff, da stand Florian Kainz in den Katakomben des Weser-Stadions, umringt von einer Traube Journalisten. Sonderlich behagt es dem 25 Jahre alten Österreicher eigentlich nicht, so im Mittelpunkt des Medieninteresses zu stehen. Aber gestern machte es ihm nicht so viel aus, über sich zu sprechen. Schließlich war er der Mann des Abends. Und das war er lange nicht gewesen. Zwei wichtige und dabei noch sehenswerte Tore hatte Kainz zum 3:1-Erfolg der Bremer über den VfL Wolfsburg beigetragen und sagte: "Das zweite Tor war eines der schönsten Tore meiner Karriere, so richtig schön geschlenzt."

Kainz lächelte, wenn auch etwas schüchtern. So richtig behagte es ihm doch nicht, sich selbst so sehr in den Vordergrund zu rücken. "Es war ein gelungener Abend für mich persönlich – und für die Mannschaft." Die Mannschaft, das war das entscheidende Stichwort. Kainz als Teil des Kollektivs, so hieß Werders Schlüssel zum Erfolg. Denn dass den Bremern mit nun 23 Punkten und Rang 15 in der Tabelle ein deutlicher Aufschwung im Abstiegskampf gelungen ist, macht Trainer Florian Kohfeldt daran fest, dass sich jeder seiner Spieler der Sache unterordnet. Dem Ziel, die Klasse zu halten.

"Keiner ist beleidigt, wenn er mal nicht spielt"

Florian Kohfeldt nimmt Doppeltorschütze Florian Kainz nach dem Sieg in den Arm und tätschelt ihm die Wange.
Wangentätscheln für den Mann des Abends: Trainer Kohfeldt (links) freute sich über Kainz' gute Leistung. Bild: Imago | DeFodi

"Florian Kainz steht sinnbildlich für eine Entwicklung", erklärte Kohfeldt. Er hätte auch sagen können: für seinen Werder-Weg. "Die Jungs identifizieren sich damit, wie wir Fußball spielen. Das sieht man. Jeder ordnet sich dem Kollektiv unter. Keiner ist beleidigt, wenn er mal nicht spielt." Und das gelte auch für die Leistungsträger. Kapitän Zlatko Junuzovic hatte im DFB-Pokal unter der Woche nicht von Beginn an gespielt, gegen Wolfsburg war Thomas Delaney erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt worden. Kainz ist auch kein Stammspieler auf der linken Seite.

Kainz hat heute vielleicht sein bestes Spiel gemacht, das ich je von ihm gesehen habe in Bremen. Ein Robert Bauer kommt rein und erfüllt ohne eine Miene zu verziehen seine Aufgaben. Ich versuche immer die Entscheidung im Sinne des Erfolgs zu treffen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt möchte mündige Spieler

Und die Mannschaft zieht dabei mit. Auch weil Kohfeldt und sein Trainerteam viel mit den Spielern kommuniziert, sie immer mit einbindet. Jedem Spieler das Gefühl gibt, wichtig zu sein und zu Einsätzen zu kommen. Den Weg gibt Kohfeldt klar vor, das sagt er deutlich. Aber jeder Spieler soll sich mit einbringen, jeder soll Verständnis für diese Art zu spielen entwickeln. Jeder soll seinen Werder-Weg verstehen.

Ich hoffe, wir kriegen die Spieler dahin, dass der Spieler nicht von A nach B läuft, nur weil ich es ihm sage. Sondern dass er versteht, warum er von A nach B laufen soll. Dann hat man eine viel größere Chance im Spiel zu wechseln, weil jeder weiß, was er tut. Das hat gar nicht so viel mit mir zu tun, die steuern sich selber als Gruppe. Das ist der Verdienst der Jungs.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Mündige Spieler möchte Kohfeldt also, und wie es scheint, hat er sie bekommen. Es wäre leicht für Kainz gewesen, nach seinem starken Auftritt gegen Wolfsburg Ansprüche anzumelden. Sein Treffer zum 3:1 hatte schließlich verhindert, dass die Schlussphase noch zu einer Zitterpartie für die Bremer geworden wäre.

Einer für alle, alle für einen

Max Kruse und Ludwig Augustinsson feiern mit Florian Kainz, der mit ausgebreiteten Armen seinen Treffer genießt.
Ein Abend zum Genießen: Kainz (Mitte) lässt sich von Kruse (links) und Augustinsson für seine ersten beiden Saisontore feiern. Bild: Imago | Nordphoto

Kainz hätte einen Stammplatz fordern können, sich vielleicht auch darüber beklagen können, dass er gegen Wolfsburg erst zum dritten Mal in dieser Saison die vollen 90 Minuten für Werder in der Liga auf dem Platz stand. Stattdessen aber sagte Kainz: "Ich bin mit meinen Einsatzzeiten schon zufrieden, aber nicht mit meiner Tor- und Assistquote. Daher ist es schön, dass ich mich heute belohnen konnte." Dass sich mit dem wiedererstarkten Aron Johannsson und dem Neuzugang Milot Rashica nun noch mehr Konkurrenz auf der linken Seite tummelt, stört Kainz auch nicht. "Wir sind sehr flexibel und das macht uns zurzeit stark, weil wir einen guten Konkurrenzkampf haben und jeder spielen kann."

Einer für alle, alle für einen. Momentan scheint es das Erfolgsrezept der Bremer zu sein. Und vielleicht wird es der Schlüssel zum Klassenerhalt.

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesligashow, 11. Februar 2018, 18 Uhr