Video-Chef Drees: Werders 1. Elfmeter war eine Fehlentscheidung

Die Partie zwischen Union Berlin und Werder erhitzt die Gemüter – besonders die drei Elfmeter und die Rolle des Videoassisten. Jochen Drees klärt die Szenen nun auf.

Davy Klaassen hebt nach dem vermeintlichen Foul von Torwart Rafal Gikiewicz ab.
Werders "Fliegender Holländer": Davy Klaassen hob nach der leichten Berührung von Union-Torwart Rafal Gikiewicz ab. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es war bereits ein arbeitsreicher Spieltag für die Videoschiedsrichter und kaum eine Partie sorgte dabei für so viel Gesprächsbedarf wie jene zwischen Union Berlin und Werder Bremen. Drei Mal hatte Schiedsrichter Tobias Welz am Samstagnachmittag auf Elfmeter entschieden – einmal lag er dabei aber falsch, wie Jochen Drees am Sonntag mitteilte. Drees ist der Projektleiter für den Bereich Video-Assistent beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Die Entscheidung, beim Zweikampf zwischen Werders Davy Klaassen und Union-Torwart Rafal Gikiewicz in der zweiten Spielminute auf Strafstoß zu entscheiden, sei "regeltechnisch falsch gewesen", so Drees auf der DFB-Webseite. Schiedsrichter Welz hatte seinen Strafstoßpfiff auf Hinweis von Video-Referee Bastian Dankert am Spielfeldrand nochmals selbst am Monitor überprüft, blieb aber bei seiner Entscheidung. Der Videoassistent war laut Drees zum Urteil gekommen, dass "der leichte Kontakt am Bein des Bremer Spielers nicht ursächlich für den Fall des Spielers war". Mehr als Welz hinzuweisen, sich die TV-Bilder anzuschauen, darf der Videoassistent jedoch nicht.

Nach Ansicht der Bilder am Monitor in der Review-Area blieb der Schiedsrichter allerdings bei seiner ursprünglichen Entscheidung, da nur er selbst die endgültige Entscheidung in einem solchen Prozess trifft. Regeltechnisch ist die Entscheidung, in dieser Situation einen Strafstoß zu geben, aus unserer Sicht aber falsch.

Jochen Drees über die strittige Elfmeterentscheidung nach Foul an Davy Klaassen

Beim Handspiel von Groß lag Welz richtig

Davy Klaassen diskutiert nach der Elfmeterentscheidung mit Union-Keeper Rafal Gikiewicz.
Gesprächsbedarf: Davy Klaassen (rechts) spricht mit Union-Torwart Rafal Gikiewicz über dessen Foulspiel. Bild: DPA | Eibner/Uwe Koch

Mit Unverständnis hatte auch Union-Coach Urs Fischer die Entscheidung von Welz beobachtet. "Ich weiß nicht, was er da gesehen hat", meinte der Schweizer, "und wenn du den Videoschiedsrichter schon zur Verfügung hast, dann frage ich mich wirklich, warum sich der Schiedsrichter die Bilder nochmal anschaut. Das verstehe ich nicht."

Die beiden weiteren Elfmeter im Stadion An der Alten Försterei seien korrekt gewesen, sagte Drees. In der zwölften Spielminute hatte der Videoassistent Welz den Hinweis auf ein absichtliches Handspiel von Werders Verteidiger Christian Groß gegeben, der nach einem Eckball "den Ball an den auf Schulterhöhe gehaltenen Arm bekam". Auch, dass Welz auf Strafstoß entschied, als in der 54. Minute am Trikot von Theodor Gebre Selassie gezogen wurde, sei richtig gewesen.

Diese Situation wurde durch das Schiedsrichter-Team auf dem Feld entschieden. Der Video-Assistent konnte dieses Vergehen nach Sichtung der vorliegenden Kamerabilder bestätigen und die Entscheidung des Schiedsrichter-Teams unterstützen. Somit waren auch hier sowohl die Entscheidung des Schiedsrichters als auch das Verhalten des Video-Assistenten korrekt.

Jochen Drees, Projektleiter für den Bereich Video-Assistent beim DFB, über das Foul an Gebre Selassie

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 15. September 2019, 19:30 Uhr