Die große Ratlosigkeit um Werders Verletzungsserie

Die Verletztenliste bei Werder Bremen ist lang. Kommt ein Spieler zurück, verletzt sich ein anderer. Eine Erklärung für die Situation hat niemand. Ist das noch Pech?

Die gesamte Mannschaft von Werder Bremen. Verletzte Spieler sind verdunkelt.

Es gibt Situationen, da denkt man, es kann kaum mehr schlimmer kommen. Und dann? Kommt es doch schlimmer. Werders Verletztenserie derzeit ist so eine Situation. Acht Spieler werden definitiv wegen Verletzungen fehlen im nächsten Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig (Samstag, 18:30 Uhr). Die Einsätze der frisch genesenen Philipp Bargfrede und Milot Rashica sind zudem sehr fraglich, genauso wie der von Maximilian Eggestein. Elf Spieler könnten also im schlimmsten Fall verletzt ausfallen – eine ganze Bundesligamannschaft. Und bis zum Spieltag sind es noch zwei Tage. Da kann es sogar noch schlimmer kommen. Im Netz nimmt man es weitgehend mit Humor. Was soll man auch sonst machen?

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Aber so lustig die Kommentare im Netz zur Situation bei Werder auch sind. Im Verein herrscht Ratlosigkeit und Frust. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass einer der Leistungsträger ausfällt. Eine Erklärung scheint dafür aber niemand zu haben. Sportchef Frank Baumann jedenfalls weiß nicht, woher die außergewöhnlich hohe Zahl an verletzten Spielern in seinem Kader rührt.

Wir arbeiten weiterhin jeden einzelnen Fall intensiv auf, um zu sehen, ob es Zusammenhänge gibt. Aber jeder einzelne Fall liegt anders, es ist für uns kein Muster zu erkennen.

Werder-Sportchef Frank Baumann im Sportmagazin "Kicker"

Was aber auffällt: Die hohe Zahl der Verletzungen fällt zusammen mit der Verpflichtung eines neuen Mannschaftsarztes zu Beginn der Saison: Dr. Benjamin Schnee. Ist das reiner Zufall, oder steckt doch mehr dahinter? Nein, sagt Florian Kohfeldt. Seine Experten berieten ihn natürlich. Aber die Entscheidungen über Trainingssteuerung und Spieleinsätze treffe immer er selbst, nicht die medizinische Abteilung. Der Trainer stellte sich vor den neuen Arzt und wirkte über die Frage wenig amüsiert.

Kritik an der medizinischen Abteilung liegt mir sehr fern.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Auch andere Bundesligaklubs schon betroffen

Zu erklären ist die Serie auch von außen kaum. Und selbst einer, der mit ganz frischem Blick auf die Vorgänge bei den Werder-Profis schaut und ganz nah am Geschehen ist, weiß keinen Rat: Verteidiger Michael Lang. Der Neuzugang aus Mönchengladbach kam erst vor rund drei Wochen nach Bremen. Auch er kann sich die unglaubliche Verletztenserie bei seinem neuen Arbeitgeber nicht erklären. Ihm sei nichts Ungewöhnliches an der Arbeit bei Werder aufgefallen. Die Arbeit sei professionell und unterscheide sich nicht groß von der bei anderen Teams. "Das muss wirklich Pech sein", sagt der Schweizer Nationalspieler. Ganz ähnlich sieht es sein Kollege Philipp Bargfrede: "Es ist einfach Wahnsinn! Ich kann mir das nicht erklären", sagte er dem Internetportal "deichstube.de".

Beispiellos ist die momentane Situation von Werder in der Bundesliga übrigens nicht. Auch andere Vereine mussten schon mit ungewöhnlich vielen Ausfällen kämpfen. So fielen bei Borussia Dortmund in der Saison 2013/2014 – nach dem verlorenen Champions-League-Finale – etliche Spieler der Reihe nach aus. Ein Trost und vielleicht ein wenig Hoffnung für alle Werder-Fans: Dortmund wurde in der Saison noch Vize-Meister.

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Autor

  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 18. September 2019, 18:06 Uhr