Das macht Stadion und Fans von Union Berlin so besonders

In Berlin erwartet Werder Bremen am Samstag kein normales Auswärtsspiel. Bei der Stimmung an der "Alten Försterei" geriet zuletzt gar Lothar Matthäus ins Schwärmen.

Die Mannschaft von Union Berlin feiert nach dem Sieg gegen Dort gemeinsam mit den Fans.
Der Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft ist bei Union Berlin besonders groß. Hier feiern sie gemeinsam den 3:1-Sieg über Borussia Dortmund. Bild: Imago | Matthias Koch

Einen einstigen Weltmeister und Weltfußballer wie Lothar Matthäus haut im Fußball so schnell nichts mehr von den Socken. Doch vor zwei Wochen machte auch Matthäus eine neue Erfahrung. Er war beim Heimspiel von Union Berlin gegen Borussia Dortmund, dabei, das die Berliner überraschend 3:1 gewannen. Für den deutschen Rekord-Nationalspieler war es der erste Besuch im Stadion an der Alten Försterei. Und dieser machte mächtig Eindruck auf ihn.

Mich erinnert das an meine Anfangszeit als Spieler. Der familiäre Zusammenhalt zwischen Fans und Team ist beeindruckend. Wenn man das erste mal dort war, war das im positiven Sinn ein kleines Abenteuer.

Lothar Matthäus in der "Berliner Zeitung"

Fans halfen beim Stadionumbau

Ein kleines Abenteuer wird der Ausflug nach Berlin auch für Werder. Normalerweise sind es die Bremer, bei denen die Atmosphäre im Stadion gelobt wird. Die Stimmung im Weser-Stadion macht häufig Eindruck auf die Gegner. Vor allem, wenn am Osterdeich das berüchtigte Flutlicht eingeschaltet wird. Gesprochen wird in der Bundesliga derzeit allerdings vor allem vom Stadion des Aufsteigers. "Das ist natürlich ein besonderer Bundesliga-Standort", weiß auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt.

Doch was macht das Stadion der Berliner so besonders? Besonders groß ist es ja zumindest nicht. Nach Paderborn (15.000 Plätze) ist es mit 22.467 Plätzen sogar das zweitkleinste in der Bundesliga. Dafür versprüht es aber echten Fußball-Flair. Es entstand nicht am Reißbrett eines Architekten, sondern besitzt seinen eigenen, alten Charme. Die Tradition ist dort noch spürbar. Der von Matthäus angesprochene Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft zeigte sich dabei auch beim Umbau vor elf Jahren, als die Anhänger kräftig mit anpackten.

Verrückt, was einige auf sich genommen haben, um ihrem Verein zu helfen. Manche haben Jahresurlaub genommen, andere haben sich sogar krankschreiben lassen, um beim Bau dabei zu sein. Ich nenne also besser keine Namen.

Union Berlins Vereinslegende Thorsten Mattuschka 2013 im Interview mit "11Freunde"

Mehr als 80 Prozent Stehplätze

Fans, die beim Stadionumbau helfen, sind dabei ohne Zweifel schon eine Besonderheit. Besonders ist an der Alten Försterei aber auch die Anzahl von 18.395 Stehplätzen. Das entspricht einer Quote von 81,88 Prozent. Zum Vergleich: Das Weser-Stadion verfügt bei einer Kapazität von 42.100 Plätzen über 10.600 Sitzplätze – eine Quote von 25,18 Prozent.

Stadionvergleich Union Berlin – Werder Bremen
Das Stadion an der Alten Försterei verfügt aber 18.395 Stehplätze. Die Quote liegt damit bei 81,88 Prozent. Bild: Imago | Camera 4, Christoph Worsch

Tolle Geste für verstorbene Fans

Jahrelang hofften die Berliner Fans dabei, den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Nachdem sie oft knapp scheiterten, ging in diesem Jahr der große Traum in Erfüllung. Erstmals steht "Eisern Union" in der 1. Liga. Dies sorgte für Jubelstürme bei den Fans, die allerdings auch nicht die vergaßen, die ihr Leben lang mit dem Klub gefiebert haben, den Aufstieg aber nicht mehr miterleben konnten.

Union Berlin Fans halten Bilder von verstorbenen Fans hoch.
Tolle Geste: Vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel der Vereinsgeschichte gegen RB Leipzig hielten die Fans Bilder von verstorbenen Union-Fans hoch. Bild: Imago | Matthias Koch

Vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel des Klubs überhaupt hielten die Anhänger des Klubs deshalb Bilder von verstorbenen Union-Fans hoch. So sollten auch diese den Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte miterleben. "Zusammenhalt" ist bei den Berlinern eben mehr als nur ein Wort. Auch dies macht sie zu einem Zugewinn für die Bundesliga – und zu etwas Besonderem.

Werder vor Union Berlin: So geschwächt ist die Mannschaft wirklich

Werder-Spieler stehen beim Training um Florian Kohfeldt herum, der etwas erklärt.
Bild: Imago | Nordphoto

Mehr zum Thema:

Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. September 2019, 18:06 Uhr