War Carlos Alberto der größte Transfer-Flop aller Zeiten?

Die Älteren werden sich erinnern an "Chaos Carlos" – den größten Fehlgriff der Werder-Historie. Doch für viele ist er sogar der Flop schlechthin in der Bundesliga.

Carlos Alberto mit verschwitztem Gesicht auf dem Spielfeld.
Das größte Missverständnis der Werder-Historie: Carlos Alberto blieb nur ein halbes Jahr an der Weser, kostete 2007 aber eine Rekord-Ablöse von 7,8 Millionen Euro. Bild: DPA | Peter Klaunzer

Niemand hat seinen Namen in Bremen je vergessen: Carlos Alberto. Nun taucht sein Name erneut in einer wenig rühmlichen Liste auf – als größter Transfer-Flop der Bundesliga-Geschichte. Zu diesem kürten ihn die Leser des Magazins "11 Freunde" und das sicherlich nicht zu unrecht.

Er war der erste, aber dicke und unlösliche Fettfleck auf der bis dahin so makellos weißen Weste, die sich Klaus Allofs als Werder-Manager erarbeitet hatte. Sein besonders glückliches Händchen machte ihn zu einem Virtuosen auf dem Fußball-Transfermarkt. Gemeinsam mit Trainer Thomas Schaaf holte Allofs über die Jahre zahlreiche Talente oder auch gestrauchelte Stars an die Weser, die bei Werder zu neuer Pracht erblühten. Doch dann griff Allofs so daneben, wie man nur daneben greifen konnte. Im Jahr 2007, mit Carlos Alberto.

Für eine Ablösesumme von 7,8 Millionen Euro war der Brasilianer gekommen, als bis dahin teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte. Und der damals 22-jährige Carlos Alberto sollte eigentlich der kongeniale Partner von Diego werden, stattdessen wurde er begleitet von Hollywood-würdigen Skandalen der teuerste Fehlgriff in der Historie von Werder Bremen.

Werder zahlte 40.000 Euro pro Minute

Carlos Alberto schaut erstaunt auf dem Spielfeld hinter sich.
Fasste nie Fuß in Bremen: Carlos Alberto wurde bereits nach einem halben Jahr wieder ausgeliehen. Bild: Imago | Team 2

Die Zeitung "Die Welt" errechnete mal, dass jede Minute von Carlos Alberto im Werder-Trikot die Bremer am Ende 40.000 Euro gekostet hatte. Hinzu kamen seltsame Gesundheitsprobleme wie Schlafstörungen, Disziplinlosigkeiten, Gewichtsprobleme, eine Trainingsprügelei und obendrein Verwicklungen in eine Schwarzgeld-Affäre – "Chaos Carlos" brachte Werder nichts als Ärger kam am Ende auf gerade einmal fünf Einsätze. Und weil das teuerste Missverständnis der Bremer Vereinsgeschichte auch noch so viele Skandale mit sich schleppte und viel verbrannte Erde an der Weser hinterließ, wählten ihn nun wohl die Leser des Magazins "11 Freunde" zum größten Transfer-Flop der Bundesliga-Geschichte.

Auch Wiese unter den Top 3 der Transfer-Flops

Keine Frage, die Leser waren sich einig: Sie wählten den Brasilianer mit 32 Prozent der Stimmen aus 30 möglichen Kandidaten klar auf Platz eins. Und auf dem Siegertreppchen findet sich mit Tim Wiese ein weiterer Ex-Werderaner auf Platz drei. Der Torwart wechselte 2012 zur TSG Hoffenheim, landete dort aber schnell in der inzwischen legendären "Trainingsgruppe 2" bei den ausgemusterten Spielern.

Wiese saß seinen lukrativen Vertrag jedoch konsequent aus und stemmte täglich Eisengewichte statt Bälle zu halten. Der extrovertierte Keeper pumpte sich im Hoffenheimer Kraftraum zum Wrestler auf – seine Fußball-Karriere aber hatte sich mit dem Wechsel in den Kraichgau erledigt. Auch Problemspieler Carlos Alberto fand auch in den acht Vereinen nach Werder sein Fußballer-Glück nicht mehr. Im Juni beendete er mit mittlerweile 34 Jahren und einer Fülle von Skandalen seine Profi-Laufbahn.

Beleidigung auf dem Parkplatz: Tim Wiese vor Gericht

Tim Wiese nach der Verhandlung mit seinem Anwalt.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 17. Juli 2019, 23:30 Uhr