Darum schaut die Tischtennis-Welt jetzt auf Werder Bremen

Dem Bremer Bundesligisten ist mit dem Vizeweltmeister Mattias Falck ein echter Coup gelungen. Der pendelt allerdings mit dem Auto aus Schweden.

Werder Bremens Tischtennisproft Mattias Falck bei einem Match.

Manchmal gehört auch im Profisport ein bisschen Glück dazu. Als Werder Bremen im Januar den Vertrag mit Mattias Falck für die neue Saison abschloss, da war der 27 Jahre Schwede noch die Nummer 13 der Tischtennis-Weltrangliste. Ein guter Spieler und bis dahin besonders im Doppel erfolgreich. Mit der WM in Budapest im April begann für Falck jedoch eine ganz neue Zeitrechnung. Als erster Europäer seit Werner Schlager im Jahr 2003 war er in ein WM-Finale eingezogen. Dass er dort dem chinesischen Ausnahmespieler Ma Long mit 1:4 unterlag, war im Grunde eine Randnotiz – denn Tischtennis-Vizeweltmeister zu sein ist für einen Europäer so wie ein Sechser im Lotto. Eigentlich passiert es nie.

Umso furioser war dann der Empfang für Falck, als er in seine Heimatstadt Halmstad zurückkehrte, ein hübsches 60.000-Einwohner-Städtchen in Südschweden. 8.000 Menschen feierten ihren neuen Tischtennis-Helden. Der letzte schwedische Weltmeister war 1997 Jan-Ove Waldner, Falcks großes Idol seiner Kindheit. Nun wird er selbst von seinen Landsleuten verehrt, Schweden schwelgt im Tischtennis-Fieber. Kein Wunder also, dass Falck für sein Engagement in der Bundesliga nicht umziehen will. Lieber pendelt er an Spieltags-Wochenenden mit dem Auto die 600 Kilometer nach Bremen. "Ich mag es einfach in Schweden, lebe seit neun Jahren in Halmstad und fühle mich einfach wohl dort", meinte Falck. Dass er dort in einer Gruppe mit hochklassigen Sparringspartnern trainieren kann, ist ihm genauso wichtig.

Aus Mattias Karlsson wurde Mattias Falck

Tischtennisspieler Mattias Falck tief in den Knien bei einem Vorhandschlag.
Bei einer Körpergröße von 1,88 Meter muss Mattias Falck immer besonders tief in die Knie gehen. Bild: Imago | Bildbyran

Auch seine Frau Julia lebt mit ihm in Halmstad, Falck heiratete im vergangenen Sommer seine Jugendliebe und nahm ihren Namen an. Bis dahin war er in der Tischtennis-Szene als Mattias Karlsson bekannt und feierte viele Erfolge an der Seite seines Trauzeugen Kristian Karlsson – nicht verwandt oder verschwägert. Nun hat er sich auf das Abenteuer Werder Bremen eingelassen, das nach dem Wechsel von Bastian Steger zum TSV Bad Königshofen Tabula rasa gemacht hat.

Teamchef Sascha Greber weiß, dass sein Verein Falck wohl nicht bekommen hätte, wäre er schon Vizeweltmeister gewesen. So aber war er beim Neustart ihr Ass im Ärmel. Seine erste Bundesliga-Partie für Werder gegen Jülich konnte er souverän für sich entscheiden. "Mattias hat die Fähigkeit, in unserer neuen Mannschaft ein Führungsspieler zu sein", sagte Greber dem "Weser-Kurier": "Auch mit seiner Ruhe und Zurückhaltung bringt er ganz viel Qualität mit." Nicht zu vergessen der Imagegewinn für Werder Bremen.

"Ich hoffe, wir kommen in unter die besten Vier"

Mattias Falck hält strahlend seine WM-Silbermedaille in die Kamera.
Stolz wie Oskar: Mattias Falck mit seiner WM-Silbermedaille. Bild: Imago | Bildbyran

Mit Kirill Gerassimenko und Marcelo Aguirre (beide vom TTC Zugbrücke Grenzau) hat Greber noch zwei weitere Zugänge geholt hat. Nur Hunor Szöcs ist aus dem alten Quartett geblieben. Der Star der Bremer wird jedoch ganz klar Falck sein. "Ich habe viele positive Dinge über Werder Bremen gehört", sagte er: "Und obwohl die Bundesliga sehr stark ist, hoffe ich, dass wir am Ende unter die besten Vier kommen. Es reizt mich, hier zu spielen." Zuletzt spielte Falck für die AS Pontoise-Cergy TT und stand mit den Franzosen 2017 im Halbfinale der Champions League. Falck ist auch in anderer Hinsicht ein besonderer Spieler, denn bei seinem Schläger setzt er auch eine ungewöhnliche Eigenheit.

Ich spiele auf der Vorhandseite mit kurzen Noppen, dadurch habe ich etwas weniger Spin und kann besser schmettern. Es ist ein bisschen altmodisch und ich bin wohl der einzige Spieler in den Top 200, der so spielt – ich sehe das als Vorteil für mich.

Werders Tischtennis-Vizeweltmeister Mattias Falck

Seinen persönlichen Glücksmoment hatte Falck bereits nach der WM, denn nun wird er als Siebter so hoch wie nie in der Weltrangliste geführt – als bester Europäer. "Ich bin sehr glücklich, dass ich es geschafft habe und nun auch zum ersten Mal vor Timo Boll stehe. Das ist ein toller Erfolg für mich." Werder Bremen wird hoffen, dass in dieser Saison noch weitere folgen werden.

Mehr zum Thema:

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. August 2019, 18:06 Uhr