So will Werder den Ticketverkauf auf dem Schwarzmarkt stoppen

Zum Heimspiel am Samstag wird am Weser-Stadion eine "Ticketrücknahmebox" eingerichtet. Mit dieser möchte der Klub die ursprünglichen Käufer der Tickets finden – und bestrafen.

Vor dem Weser-Stadion hält ein Fans ein Pappschild hoch mit der Aufschrift "Suche Karte".
Werder Bremen möchte den florierenden Schwarzmarkt um die Tickets für die Heimspiele im Weser-Stadion bekämpfen. Bild: Imago | Christoph Worsch

Wenn Werder im Weser-Stadion spielt, floriert auch der Schwarzmarkt in Bremen. Findige Geschäftemacher haben die Heimspiele der Bremer längst als Geschäftsmodell für sich entdeckt. Sie kaufen die Eintrittskarten direkt von Werder, haben aber gar nicht das Ziel, das Spiel auch zu besuchen. Stattdessen verkaufen sie die Karten mit einem ordentlichen Gewinnaufschlag weiter. Zumeist geschieht dies auf Online-Plattformen wie eBay oder Viagogo. Direkt am Spieltag werden aber auch zahlreiche Karten zu überteuerten Preisen am Osterdeich verkauft. Mit Konsequenzen haben die Händler dabei bisher in den seltensten Fällen zu rechnen.

Rücknahmebox gegen den Schwarzmarkt

Auf einem Bildschirm im Weser-Stadion steht "Zeig dem Ticket-Schwarzmarkt die Rote Karte".
Werder startet seine Aktion gegen den Schwarzmarkthandel beim Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin am Samstag. Bild: Imago | Nordphoto

Das möchte Werder jetzt ändern. Der Klub hat die Initiative "Zeig dem Ticket-Schwarzmarkt die Rote Karte" ins Leben gerufen und wird ab dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag um 15:30 Uhr das Konzept der "Ticketrücknahmebox" anbieten. Hierbei handelt es sich um einen Briefkasten direkt am Ticket-Center des Weser-Stadions. Haben Fans Eintrittskarten zu überteuerten Preisen auf dem Schwarzmarkt gekauft, können sie ihre Karte dort nach den Spielen einwerfen – auch anonym.

Außerdem können die Karten auch in die Boxen der Werder-Volunteers geworfen werden. Diese halten sich an Tor 11 und an Tor 2/2a parat. Unterhalb der Woche können die Eintrittskarten zugleich im Ticket-Center abgeben werden. Wer mag, ergänzt zugleich, wo und zu welchem Preis er die Karte gekauft hat. Werder wird nach eigenen Angaben dann überprüfen, wer die Karte ursprünglich erworben hat und den Käufer anschließend abmahnen und vom weiteren Ticketverkauf ausschließen.

Tickets dürfen mit bis zu 15 Prozent Aufschlag verkauft werden

Nahansicht auf die Bremer Ostkurve im Weser-Stadion, in der Fans dicht gedrängt ihre Werder-Schals hochhalten.
Werder Bremen lebt von der guten Stimmung im Weser-Stadion – Tickets für Topspiele sind daher begehrt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Wie der Klub auf Nachfrage von buten un binnen erklärt, kann eine Strafe von bis zu fünf Jahren ausgesprochen werden. Dies werde aber nicht sofort, sondern erst nach mehrfachem Missbrauch oder einem besonders dreisten Vorgehen in Erwägung gezogen. Wer erwischt wird, müsse mit einer Geldstrafe und einer Unterlassungserklärung rechnen. Wer fälschlicherweise verdächtigt wird, könne in einer Stellungnahme reagieren. Werder wird dabei von Rechtsanwalt Ulf Haumann aus Dortmund vertreten. Das Problem der Sache ist aber, dass es in Deutschland kein Gesetz gibt, das den Ticketweiterverkauf klar regelt.

Denn der Weiterverkauf von Tickets mit Gewinnzuschlag ist nicht komplett verboten. Laut Werder dürfen die Verkäufer einen Zuschlag von bis zu 15 Prozent fordern, um Portokosten oder den Bearbeitungsaufwand auszugleichen. Der FC Augsburg hat die Aktion gegen den Schwarzmarkthandel bereits im März beim Spiel gegen Borussia Dortmund durchgeführt. Im Nachgang des Spieltages wurden bei den Augsburgern 50 Schwarzmarkt-Tickets abgegeben.

Internet bietet den Verkäufern Anonymität

Besonders im Internet wächst das Problem mit dem Ticketverkauf stetig, geschätzt werden bis zu zehn Prozent der Karten bei Topspielen mindestens einmal wiederverkauft. Dabei bietet das Internet große Anonymität. Beim Verkauf muss weder Name noch Wohnort oder der Originalpreis der Karte angegeben werden. Das macht es den Klubs und ihren Anwälten so schwer, dagegen vorzugehen.

Sein Ticket auf dem Schwarzmarkt oder über Internetplattformen zu kaufen, ist allerdings riskant. Der Käufer muss damit rechnen, dass er mit seiner Karte nicht ins Stadion kommt, weil sie gesperrt oder doppelt verkauft wurde oder schlicht gefälscht ist. Viele Bundesliga-Klubs bieten daher eigene Ticketbörsen auf ihren Webseiten an.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 20. September 2019, 23:30 Uhr