Was brachte Werders Trainingslager in Südafrika?

Werders Mannschaft wächst in Südafrika weiter zusammen. Sportlich hinkt das Trainingslager aber deutlich den Erwartungen hinterher. Was lief gut, und was nicht?

"moin Southafrica" ist auf einer Werbetafel des Trainingslagers von Werder Bremen zu lesen.

Bald geht es zurück ins kalte Bremen. Zum ersten Mal wagte Werder ein Trainingslager im fernen Südafrika, genauer gesagt in Randburg. Die vorläufige Bilanz kann getrost als zwiegespalten bezeichnet werden. Vieles lief gut unter Afrikas Sonne, aber nicht alles.

Die Trainingslager-Tops

Das Miteinander in der Mannschaft wurde gestärkt, auch durch ein abwechslungsreiches Programm. Schöne Hochglanz-Bilder wurden produziert. So besuchten die Profis den "Lion & Safari Park" in Johannesburg. Mit lässigen Sonnenbrillen saßen Sebastian Langkamp und Martin Harnik in ihren Bussen und genossen den Anblick der Tiere aus unmittelbarer Nähe: Löwen, Zebras, Gnus, Giraffen und sogar das südafrikanische Nationaltier, die Springbock-Antilope. Keine Frage: Eine willkommene Abwechslung zu den altehrwürdigen Bremer Stadtmusikanten.

Auch der Besuch eines Armenviertels stand auf dem Programm. Im Township spielten die Bremer gemeinsam Fußball und alberten herum.

"Es wird so viel gelacht. Mit so einfachen Dingen machen wir die Kids hier glücklich. Das war ein toller Tag."

Ludwig Augustinsson
Claudio Pizarro spielt beim Besuch im Armutsviertel mit zwei Mädchen Fußball und lacht dabei.
Das bereitet ihm sichtbar Freude: Claudio Pizarro spielt beim Besuch im Township mit zwei Mädchen Fußball. Bild: Imago/Nordphoto

Zeitgleich machte der Besuch nachdenklich. Ein Kontrast zum Luxusleben, das Fußballprofis in Deutschland führen. Auch diese Erfahrung schweißt das Team zusammen. "Das sind alles Erfahrungen, die wahrscheinlich in anderen Trainingslagern so in der Art und Weise nicht stattgefunden hätten", meinte Maximilian Eggestein.

Fest steht: Es passt in der Mannschaft. In Sachen Teambuilding darf das Trainingslager als voller Erfolg verbucht werden. Die Spieler wohnen nicht zu zweit auf Doppelzimmern, sondern zu viert in Appartment-WGs. Eine Idee, die gewissermaßen an das Campo Bahia der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien erinnert. Von diesem Wir-Gefühl profitierte dieses Mal auch Werder.

Gestärkte Gemeinschaft, dazu tolle Eindrücke vom Gastgeberland: Zumindest in dieser Hinsicht ist das Trainingslager für Werder ein Erfolg.

Die Trainingslager-Flops

Doch allein mit guter Stimmung gewinnt man keine Spiele. Also, wie steht es um den sportlichen Nutzen der Reise nach Südafrika? Aus dieser Perspektive ist die Sinnhaftigkeit der Reise fragwürdig. Die Bremer erhielten finanzielle Unterstützung von der DFL, um in Südafrika Werbung für die Bundesliga zu machen. Doch Werder ist in Südafrika allein auf weiter Flur.

Beim letzten Winter-Trainingslager in Alicante (Spanien) konnte die Kohfeldt-Elf noch gegen den (damaligen) niederländischen Erstligisten Twente Enschede testen. Zugleich war ein Testspiel gegen den belgischen Erstligisten Royal Antwerpen vereinbart, das Werder seinerzeit allerdings kurzfristig aus Verletzungsgründen absagen musste. Derart hochkarätige Gegner werden in Randburg vergebens gesucht. Stattdessen spielt Werder gegen Kaizer Chiefs und Bidvest Wits, zwei Erstligisten aus Südafrika. Mannschaften, die – bei allem Respekt – eher Sparringspartner als eine ernsthafte sportliche Herausforderung darstellen.

Florian Kohlfeldt lacht beim Werder-Trainingslager in Südafrika.
Mittlerweile kann er wieder lachen. Nachdem das Testspiel gegen die Kaizer Chiefs aufgrund des Starkregens abgebrochen werden musste, war Florian Kohfeldt allerdings "super sauer". Bild: Imago/Nordphoto

Das erste Testspiel fiel dabei zugleich sprichwörtlich ins Wasser. "Super sauer", sei er, sagte Florian Kohfeldt am Sonntag. Viermal 25 Minuten sollte gespielt werden, doch nach 50 Minuten war aufgrund des sintflutartigen Regens in Johannesburg bereits Schluss. Sportliche Erkenntnisse gab es somit keine. Den Vergleich mit den Bidvest Wits am Freitag zog Werder jetzt bereits auf 13:00 Uhr (deutscher Zeit, 14:00 Uhr Ortszeit in Südafrika) vor, um nicht erneut Opfer der Wetterkapriolen zu werden. Dabei ist in Südafrika aktuell Sommer. Werder hatte gehofft, deshalb besseres Wetter vorzufinden als im winterlichen Europa. Schon jetzt lässt sich feststellen, dass sich diese Hoffnung keineswegs erfüllt hat.

Am Dienstag musste Werder zudem aufgrund der schlechten Platzbedingungen das Trainingsgelände des Randburg AFC verlassen und auf den Trainingsplatz der Bidvest Wits ausweichen.

Die Bedingungen sind absolut zufriedenstellend, optimal sind sie vielleicht nicht.

Werders Sportchef Frank Baumann
Pfützen auf Werders Trainingsplatz im Südafrika-Trainingslager.
Keine idealen Bedingungen: Pfützen zieren den Trainingsplatz der Randburg AFC. Werder musste daher auf das Trainingsgelände der Bidvest Wits ausweichen. Bild: gumzmedia | Andreas Gumz

Zwar relativiert Baumann direkt, dass er "optimale" Bedingungen in seinem Fußballerleben in einem Wintertrainingslager noch nie erlebt habe, doch lässt die Wortwahl durchaus aufhorchen. Loben die Verantwortlichen anderer Vereine die Bedingungen in ihren Trainingslagern oftmals über den grünen Klee, bezeichnet auch Kohfeldt Werders-Trainingsplatz in einem Interview lediglich als "völlig in Ordnung" und blickt durchaus "zweigeteilt" auf die bisherige Zeit in Südafrika zurück.

Und verwundern kann dies letztlich nicht. Schließlich ist Werder weit geflogen, die Bedingungen werden der langen Reise aber nicht gerecht. Sollte am Freitag das zweite Testspiel abgesagt oder abgebrochen werden müssen, dann wird es nur ein Fazit geben können: Das Trainingslager wäre aus sportlicher Sicht ein Reinfall.

Mehr zu diesem Thema:

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Januar 2019, 18:06 Uhr