Nach Union-Vorstoß: So denkt Werder über Zuschauer im Weser-Stadion

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald möchte keine falschen Erwartungen schüren. Er hofft aber, dass zum Bundesliga-Start zumindest ein paar Zuschauer ins Weser-Stadion kommen dürfen.

Werder-Fans feiern und singen vor dem Weser-Stadion.
Nach dem letzten Bundesliga-Spieltag feierten einige Fans vor dem Weser-Stadion. Wann die Werder-Anhänger auch wieder ins Stadion dürfen, ist noch unklar. Bild: Gumzmedia | Rauch/gumzmedia/nordphoto

Groß war die Verwunderung, als Bundesligist Union Berlin vor kurzem ankündigte, zum Start der kommenden Saison seine Fans wieder ins Stadion lassen zu wollen – und das ganz ohne Masken und ohne Abstandsregeln, dafür mit Gesang und gemeinsamem Jubel. Das Konzept der Köpenicker setzt auf Corona-Tests, soll heißen: Jeder der 22.000 Zuschauer – so viele Menschen fasst die Alte Försterei – muss einen negativen Corona-Befund mitbringen, der zudem nicht älter als einen Tag sein darf. Die Kosten für die Tests, so der Plan von Union, trägt der Verein. Sollte der Klub seine Pläne umsetzen dürfen, könnte das Modell auch für die anderen Ligavertreter mehr als nur interessant sein.

Werder ist skeptisch

In der Politik stießen die Berliner mit ihrem Vorhaben auf Ablehnung. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte im "Kölner Stadt-Anzeiger", es sei "nicht der richtige Zeitpunkt, bereits über Lockerungen in den Stadien zu sprechen". Diese kämen zu früh. Ähnlich sieht es der Virologe Ulf Dittmer, der der "WAZ" sagte: "Bevor wir keinen Impfstoff haben, wird es kein volles Stadion geben." Auch bei Werder ist man, gelinde gesagt, zurückhaltend, was die Aussicht auf ein zeitnah wieder ausverkauftes Weser-Stadion betrifft. "Wir wollen keine falschen Erwartungen wecken, indem wir sagen, wir können hier am Freitagabend 42.000 Leute testen lassen, haben dann am Samstagmittag die Ergebnisse und können die auch noch am Einlass kontrollieren", sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald dem "Sportblitz".

Wir müssen das offensiv diskutieren. Wir alle wollen unsere Fans wieder in den Stadien haben. Diese Spiele ohne Zuschauer sind nichts, worauf man sich freut. Deswegen ist es seriös und legitim, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald

Aktuell stellen sich für den Verein jedoch weiterhin noch zu viele Fragen, auf die es bislang keine Antworten gibt. Etwa, wie die vielen Zuschauer überhaupt zum Stadion kommen oder wie man Einlasskontrollen auf Abstand ermöglicht und das Ordnungspersonal schützt. Zudem muss sichergestellt sein, dass eine Nachverfolgung möglich ist, sprich: dass die Zuschauer ihre Kontaktdaten hinterlassen, was einen enormen organisatorischen Aufwand zur Folge hätte.

Stehplätze könnten zu Sitzplätzen werden

Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald spricht bei einer Pressekonferenz.
Hat Hoffnung, dass zum Bundesliga-Start zumindest einige Zuschauer im Weser-Stadion Einlass erhalten: Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Werder erwartet in den kommenden Tagen einen neuen Leitfaden der Deutschen Fußball Liga (DFL), in der sich die DFL zur möglichen Rückkehr von Fans in die Stadien äußern wird. "Wir werden das ganz konkret auf die bremischen Verhältnisse runterbrechen und gemeinsam mit Ordnungs- und Gesundheitsamt gucken, was sich realisieren lässt", so Hess-Grundwald. Schließlich gebe es an jedem Spielort Besonderheiten, die man berücksichtigen müsse. Denkbar sei unter anderem, dass die Stehplätze in der Ostkurve zu Sitzplätzen umgebaut werden, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können.

Nach jetzigem Stand sind laut der gültigen Corona-Verordnung in Bremen Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern noch bis zum 31. Oktober verboten. Von der Vorstellung, nur teilweise Zuschauer ins Weser-Stadion zu lassen, sei Hess-Grunewald zwar "kein Freund". Er glaube aber, dass eine schrittweise Öffnung der richtige Weg sei. Vorausgesetzt, die Infektionszahlen gingen weiter runter. Auf die Frage nach seiner Einschätzung, ob zum Bundesliga-Start am 18. September wenigstens ein paar Zuschauer ins Stadien kommen dürfen, antwortete er: "Da habe ich große Hoffnung und hoffe, dass wir das realisieren können."

Stadionbesuche bald mit Corona-Tests möglich?

Video vom 14. Juli 2020
Die leeren Sitzplätze des Weserstadions, in der Mitte sitzt alleine der Präsident von Werder Bremen Hubertus Hess-Grunewald.
Bild: Radio Bremen

Autoren

  • Ariane Wirth
  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Juli 2020, 18:06 Uhr