Auch Werders Selke ist betroffen: "Jeder Rassist ist einer zu viel"

Werder-Stürmer Davie Selke hat Rassismus selbst erlebt. Seine Haltung ist klar: Sollte er im Fußballstadion verbale Anfeindungen erleben, würde er den Platz verlassen.

Davie Selke mit erster Miene von schräg hinten aufgenommen auf dem Spielfeld gegen Dortmund.
Kennt rassistische Anfeindung: Davie Selkes Vater Teddy stammt aus Äthiopien. Bild: Imago | Noah Wedel

Wie es ist, rassistisch angefeindet zu werden, weiß Davie Selke sehr genau. Werders Stürmer wurde in der Nähe von Stuttgart geboren, hat äthiopische und tschechische Wurzeln. "Meine halbe Familie ist dunkelhäutig. Rassismus darf keinen Platz haben", sagte der 25-Jährige der "Sport-Bild". Doch er hat ihn selbst am eigenen Leib erfahren. Mit 15 Jahren spielte Selke in der Jugend der TSG Hoffenheim und war mit zwei Freunden bei einem Stadtfest in der Nähe unterwegs.

Wir wussten nicht, dass dort auch Nazis feiern. Sie haben uns sehr deutlich gemacht, dass wir nicht erwünscht sind. Wenn wir nicht so schnell gelaufen wären, wäre es nicht nur bei Beleidigungen geblieben.

Werder-Profi Davie Selke in der "Sport-Bild"

Selke würde den Platz verlassen

Screenshot: Davie Selkes Post auf Instagram: Wir stehen alle hinter dir, Bruder!
Bild: instagram.com/davieselke/

Dass dieser Vorfall bereits zehn Jahre her ist, hat an der Situation jedoch nichts verändert. Im Gegenteil. "Die Ereignisse in diese Richtung nehmen zu", betonte Selke, der die Berichte über die rassistisch-motivierten Morde von Hanau vor einer Woche genau verfolgt hat. Dieses Ereignis ist "unglaublich schlimm" für Selke, doch auch die verbalen Anfeindungen will der Werder-Stürmer nicht hinnehmen. Sein ehemaliger Teamkollege Jordan Torunarigha von Hertha BSC Berlin war in der Partie auf Schalke Opfer rassistischer Beleidigungen geworden. Selke hatte sich sofort über Instagram mit ihm solidarisiert. Danach wurde der Würzburger Leroy Kwadwo in Münster die Zielscheibe von Rassismus. Selke weiß, wie er sich verhalten würde, wenn ihm etwas Derartiges in einem Fußballstadion passieren sollte.

Wenn ich Opfer von Rassismus werde, gehe ich direkt in die Kabine. Wenn man weiterspielt, setzt man doch das Signal, dass es normal ist, was da passiert. Es ist aber nicht normal. Man sollte aufhören zu spielen, bis der Täter das Stadion verlassen hat.

Werder-Stürmer Davie Selke in der "Sport-Bild"

Lob von Werder-Sportchef Baumann: "Ein Typ wie Davie tut uns sehr gut"

Video vom 17. Februar 2020
Davie Selke im Fokus der Fotografen, wie er in Leipzig vor der Ersatzbank an der Bande lehnt.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 26. Februar 2020, 23:30 Uhr