Plötzlich Chef: Aber Zenkovic bleibt wohl Werders Übergangslösung

Werders Interimstrainer Danijel Zenkovic steht mit verschränkten Armen an der Seitenlinie  und bläst die Backen auf.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Von jetzt auf gleich musste Danijel Zenkovic am Samstag die Trainerrolle von Markus Anfang übernehmen. Doch von Dauer wird diese neue Aufgabe wahrscheinlich nicht sein.

Die Nacht war kurz für Danijel Zenkovic, extrem kurz sogar. Nur eine Stunde Schlaf bekam er. Doch das machte nichts, denn das Adrenalin dürfte ordentlich gepumpt haben, als Werders Co-Trainer am Freitagabend erfuhr, dass er 24 Stunden später als Chefcoach an der Seitenlinie im Weser-Stadion stehen sollte.

Ich habe das Spiel bis um fünf Uhr morgens vorbereitet und war um acht Uhr dann schon wieder am Stadion und habe Gespräche geführt. Es war ein extrem intensiver Tag.

Werder-Interimstrainer Danijel Zenkovic

Und das dürfte wohl noch leicht untertrieben sein. Plötzlich Chef, von jetzt auf gleich. Zumindest hätte der 34 Jahre alte Österreicher, der von Ex-Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach Bremen geholt worden war, jeden für verrückt erklärt, der ihm das am Donnerstag prophezeiht hätte. "Da hätte ich gesagt: 'Der hat was an der Waffel'", meinte Zenkovic bei Bremen Eins.

"Es war viel Markus Anfang auf dem Platz"

Doch der Österreicher ging mit großer Demut an die Aufgabe, viel Zeit blieb ihm allerdings nicht. Die Trainingswoche unter Markus Anfang war ja bereits gelaufen, die Taktik und Spielidee besprochen. Große Veränderungen machten keinen Sinn.

Im Endeffekt haben wir am Schluss nur noch eine Video-Analyse gehabt. Deswegen war natürlich sehr viel Markus Anfang auf dem Platz.

Werder-Interimstrainer Danijel Zenkovic

Zenkovic hatte jedoch einen Rat von Werders Mentalcoach zum Motto dieses schwierigen Spiels gegen Schalke 04 gemacht: "Im Chaos die Ruhe bewahren." Er ließ das 3-5-2-System spielen, holte sich während der Partie immer wieder Spieler zum kurzen Gespräch an die Seitenlinie. Zu seinem Vorgänger Anfang hatte er vorab keinen Kontakt mehr gehabt.

Ole Werner ist der Top-Kandidat

Nach dem 1:1 lobte Zenkovic im schon unter Anfang obligatorischen Spielerkreis an der Mittellinie seine Mannschaft, "ich habe ihnen gratuliert für ihre Leistung". Direkt nach dem Abpfiff war Zenkovic selbst noch ganz aufgedreht und beschrieb die Erfahrung als "einfach geil, ein sensationelles Gefühl".

Doch zu gewöhnen braucht sich Zenkovic an die Chefrolle bei Werder nicht, er bleibt bei den Grün-Weißen wohl eine Übergangslösung. Sportchef Frank Baumann hat mit der Trainersuche längst begonnen. Ole Werner soll momentan die besten Karten haben. Der 33-Jährige war bis Ende September Trainer bei Werders Ligakonkurrenten Holstein Kiel.

Es bleibt abzuwarten, wie der neue Coach dann sein Trainerteam aufstellt. Ex-Trainer Anfang hatte für Zenkovic eigentlich keine wirkliche Verwendung und es war zuletzt nicht klar, wie dessen Rolle bei Werder aussehen würde. Doch so schnell können sich die Dinge ändern – und auch wieder zurück.

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Bild: Imago | Hübner

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 20. November 2021, 22:45 Uhr