Werder träumt von Europa: Realistisch oder bloß Luftschloss?

In der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstag gegen Hannover verkündeten die Bremer erstmals ihre Saisonziele: Sie trauen sich zu, die Europa-League zu erreichen.

Die Fußballtabelle der Bundesliga

1 Thema des Tages

Lange hatte sich Werder damit Zeit gelassen, um kund zu tun, was sie in dieser Bundesliga-Saison am liebsten erreichen möchten. Nun also verkündeten sie ihr Ziel, zwei Tage, bevor es gegen Hannover 96 ernst wird: Werder will nach Europa. Das klingt sehr ambitioniert für den Tabellenelften der vergangenen Saison und ist es auch. Doch für Trainer Florian Kohfeldt ist die Devise klar: "Es ist schöner, nach etwas zu streben, als etwas zu verwalten. In den letzten Jahren hat der Anreiz gefehlt und an weichen Zielen kann man sich nicht festhalten." Soll heißen, lieber die Ziele etwas höher stecken, als immer nur zu denken: 'Egal, bloß nicht absteigen!'

Kohfeldt ist klar, wie schnell dieses hehre Vorhaben nach billiger Effekthascherei aussehen kann, sollten die ersten fünf Spiele gleich daneben gehen. Aber erstmal sei das eben ein Gefühl, sagt Kohfeldt. Ein Gefühl, dass der Kader stark genug ist, um es im Idealfall nach Europa zu schaffen. "Wir wollen da sein, wenn die anderen schwächeln", betont der Trainer und weiß dabei seine Spieler als Verbündete hinter sich. Sie alle haben genug vom Abstiegskampf, wollen endlich international mitmischen. Und dafür müssen sie sich auf dem Feld zerreißen. "Wollen hat mit Willen zu tun", betont Kohfeldt, "mit unbedingtem Willen." Und ob seine Spieler den über die kommenden 34 Spieltage hinweg in jedem Spiel haben, müssen sie jetzt unter Beweis stellen. "Wir werden natürlich nicht 34 Spieltage Hurra-Fußball spielen", bremst Kohfeldt. Aber seine Spieler dürfen eben nie zufrieden sein, dabei soll der große Traum von Europa helfen.

2 Personalie des Tages

Allzu viele Fragezeichen dürfte es in Kohfeldts Startaufstellung zum Saisonbeginn nicht mehr geben. Einzig auf den Flügeln, da "hat sich noch keiner festgespielt", sagt der Trainer. Ob Milot Rashica oder Florian Kainz ist noch offen, nur Martin Harnik ist zumindest gegen seinen Ex-Klub Hannover keine Option. Der ist noch angeschlagen und nicht einsatzbereit. Aber spätestens gegen Frankfurt wieder ein Konkurrent für die Flügelposition. Und was ist mit Claudio Pizarro? "Es ist nahezu sicher, dass Claudio im Kader stehen wird", sagt Kohfeldt. Ob, wann und wie lange der Routinier dann ran darf, entscheidet sich dann vor der Partie. Das sei von Anfang an mit Pizarro so besprochen worden, sagt Kohfeldt.

3 Zitat des Tages

Wenn wir Luftschlösser bauen würden, wäre es gefährlich. Die können wir nicht erfüllen. Aber wir haben eine gewisse Qualität in der Mannschaft, die unter gewissen Umständen dieses Ziel von Europa erreichen kann.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Unser Fazit

Es war viel von Träumen und Sehnsüchten die Rede, von Ambitionen und mutigen Zielen – und irgendwie nachvollziehbar war das ja auch nach fünf Jahren als Dauergast im Tabellenkeller. Da soll Fußball endlich mal wieder Spaß machen. Und erfolgreich sein. Doch bei aller Träumerei von Europa bleibt trotzdem die Frage, wie realistisch das für Werder wirklich ist. Und ob die Euphorieblase nicht schnell wieder zerplatzen könnte. Das könnte sie wohl, mit einem schwachen Saisonstart. Aber für Werder spricht: Kohfeldt ist kein Träumer. Er ist ehrgeizig und realistisch, und er weiß, wie man Spieler zu großen Leistungen motiviert – mit großen Zielen. Und dass die für Kohfeldt nicht in Luftschlössern dahinschweben, beweist er allein schon durch sein Vokabular. Bei ihm heißt der Traum von Europa so: Erreichungsziel.

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 23. August 2018, 18:06 Uhr