Der ewige Pizarro

Dieser Bundesliga-Oldie ist schlicht ein Phänomen: Claudio Pizarro kam spät, doch er weckte Werders müde Lebensgeister gegen Wolfsburg eindrucksvoll auf.

Pizarro steht nach dem Spiel umringt von Mitspieler und lacht sich kaputt.
Auch Claudio Pizarros (Mitte) gute Laune ist ansteckend – nach seinem Auftritt hatte der Oldie allen Grund, sich zu freuen. Bild: Imago | Nordphoto

Claudio Pizarro sprintete los, und mit jedem Meter, den er sich von der Eckfahne vor der Westkurve Werders Ersatzbank näherte, explodierte der Jubel auf den Rängen immer mehr. Die 40.000 Zuschauer waren längst von ihren Sitzen aufgesprungen und skandierten frenetische "Pizarro-oh-oh!"-Gesänge für ihren Liebling. "Ich muss den Zuschauern ein großes Lob aussprechen", meinte Werder-Coach Florian Kohfeldt später, "sie haben den Effekt noch verstärkt. Da läuft einer zur Bank und 40.000 erheben sich. Ich glaube, eigentlich wollten sich die Wolfsburger mit erheben, weil sie es einfach geil finden, dass er noch Fußball spielt. Aber das dürfen sie ja nicht."

Von wegen Gnadenbrot für einen Oldie

Pizarro grinst als Einziger breit auf der Ersatzbank neben seinen Mitspielern.
Sogar auf der Ersatzbank immer bester Laune: Claudio Pizarro (2. von rechts). Bild: Imago | Nordphoto

Es war die 75. Minute am Freitagabend im Weser-Stadion und Werder führte zwar mit 1:0, doch die Wolfsburger drängten auf dem Ausgleich. Und dann stand er an der Seitenlinie, Claudio Pizarro. Am Mittwoch 40 Jahre alt geworden und mit einer Aura, wie man sie selten in der Bundesliga findet. Der tosende Lärm auf den Rängen, mit dem Pizarro den Rasen betrat, hatte genau die erhoffte Wirkung. Der Oldie brachte sofort Ruhe in die verunsicherte Bremer Mannschaft, die das Gegentor fürchtete. Und mehr noch sorgte Pizarro für frischen Schwung, und beeindruckte mit seiner Spritzigkeit sogar Eurosports TV-Experte Matthias Sammer.

Man denkt, der ist 40 und bekommt ein Gnadenbrot. Das ist das blanke Gegenteil. Das war richtig gut und beweglich. Er hat die Mannschaft von hinten nach vorne getragen. Das war ganz stark.

Matthias Sammer über Claudio Pizarro

Zucker-Pass auf Johannes Eggestein

Für Kohfeldt war am Freitag wieder einer dieser Momente, in denen er den Pizarro-Effekt brauchte. Und der wirkt ohnehin am besten, wenn der Peruaner von der Bank kommt, mit der geballten Zuschauer-Power im Rücken. "Wenn man jemand wie Claudio einwechseln kann, dann ist das ein Privileg", schwärmte der Werder-Trainer: "Claudio trifft keine falschen Entscheidungen und er reißt hinter sich Räume auf. Heute hat er ihn für Jojo freigemacht."

Der Pass, mit dem Pizarro in der 86. Minute das 2:0 von Johannes Eggestein auflegte, war so etwas wie die feine Zimt-Schicht auf seinem Pisco Sour. Die spritzig perlenden 15 Minuten mit Pizarro weckten Werders Lebensgeister und hatten großen Anteil daran, dass Werder nicht nur den Sieg einfuhr, sondern auch erstmals in dieser Saison zu null spielte. Er ist einfach ein Phänomen, dieser Claudio Pizarro.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesliga, 6. Oktober 2018, 20 Uhr