Pizarro, Werders Mr. Zuverlässig

Zum zweiten Mal liefert Werder Bremen ein schwaches Spiel ab, doch einer liefert beide Male: Claudio Pizarro. Der 40-jährige Peruaner wird immer wichtiger.

Pizarro schnappt sich strahlend den Ball nach seinem Treffer gegen Mainz und lässt sich von Johannes Eggestein abklatschen.
Kongeniales Duo beim 1:2-Treffer: Johannes Eggestein (Mitte) bediente Claudio Pizarro mit dem perfekten Pass von rechts vors Tor – Pizarro brauchte nur abzustauben. Bild: DPA | Torsten Silz

Kürzlich sprach Claudio Pizarro in einem Interview mit dem "DFL-Magazin" darüber, wie wichtig für ihn der Spaß am Fußball sei und wie viel Spaß er auch mit nun 40 Jahren immer noch daran hat. Nur deshalb ist Pizarro zu Werder Bremen zurückgekehrt. Nicht als Pausenclown, der die jungen Spieler bespaßt. Er wollte spielen. Aus Lust und Spaß – und weil er es einfach immer noch kann. Wie gut, zeigt Pizarro jedes Mal, wenn Florian Kohfeldt ihn aufs Feld schickt. Ob im tiefen Boden im Pokalspiel gegen Flensburg, um die Gegenspieler zu binden. Oder in der Schlussphase bei einem Heimspiel, um mit dem ohrenbetäubenden Jubel der Werder-Fans für ihn den Gegner restlos zu verunsichern – auf den Oldie ist immer Verlass. Pizarro ist derzeit Werders Mr. Zuverlässig.

Pizarro gestikuliert mit ausgestrecktem Arm und gibt seinen Mitspielern lautstark Anweisungen.
Gibt auf dem Platz immer den Ton an: Claudio Pizarro. Bild: Imago | Nordphoto

Gegen Leverkusen traf Pizarro zum ersten Mal in dieser Saison und das war eigentlich eine große Sache. Aber er konnte sich über diesen Erfolg nur insgeheim freuen, wegen des Gesamt-Debakels. Gegen Mainz nun war es ähnlich. Als scheinbar gar nichts mehr ging, wurde Pizarro gemeinsam mit Johannes Eggestein eingewechselt. Und Pizarro kam, stand richtig und versenkte den Ball. Mit dem 1:2-Anschlusstreffer in der 78. Minute schienen seine Teamkollegen endlich aufzuwachen und zu denken: 'Da geht vielleicht ja doch noch etwas.' Pizarro hätte gerne das zweite und sicher das dritte Tor nachgelegt, doch im Fußball sind Soli eher selten. Er kann nicht einfach wie Roger Federer ein Ass schlagen, wenn er es braucht. Ohne Vorlage geht auf dem Rasen meist nichts. Und auch, wenn sich in Bremen und umzu hartnäckig das Gerücht hält – zaubern kann Pizarro leider wirklich nicht.

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Und so blieb es erneut dabei: Pizarro gelang mit seinem Treffer gegen Mainz ein weiterer Meilenstein seiner ohnehin schon illustren Karriere. Als einziger Ü40-Profi hat er zum zweiten Mal in der Bundesliga getroffen. Und doch war ihm auch am Sonntagabend nicht danach, die Korken knallen zu lassen. Schließlich war es der nächste Rückschlag auf Werders Weg nach Europa innerhalb von einer Woche. Anstatt die Tage runterzuzählen, bis er den Ex-Werderaner Mirko Votava als ältesten Torschützen der Bundesliga abgelöst haben könnte, muss Pizarro nun Krisengespräche führen.

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"Sie waren frischer, haben Zweikämpfe gewonnen. Wir haben keine Zweikämpfe gewonnen und keinen Fußball gespielt", monierte Pizarro. Und einem wie ihm tut es weh, so etwas sagen zu müssen. "Es ist eine schwierige Situation", fügte er hinzu: "Wir hatten am Anfang eine sehr gute Phase, da haben wir viele Spiele gewonnen und sehr gut gespielt." Und noch will Pizarro daran glauben, dass Werder schnell in die Spur finden kann. "Solche Sachen passieren. Jetzt müssen wir versuchen, dass es kein richtiges Tief wird, sondern das nächste Spiel zu gewinnen." Und dann macht das Toreschießen sicherlich auch wieder mehr Spaß.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesliga, 4. November 2018, 18 Uhr