Pizarro und Co. – 40 ist das neue 30

Am Mittwoch wurde Claudio Pizarro 40 Jahre jung, ans Aufhören denkt Werders Stürmer-Ass noch lange nicht. Warum auch? Immer mehr Top-Athleten sind mit Ü40 noch voll dabei.

Pizarro strahlt während einer Pressekonferenz.
Schlitzohr und Strahlemann: Claudio Pizarro sieht man selten ohne ein Lächeln im Gesicht. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Das ein oder andere Ständchen wird Claudio Pizarro gesungen bekommen haben, und auch seine Mitspieler müssen ran. Das ist so üblich bei Werder Bremen. Und schließlich kommt es ja nicht alle Tage vor, dass einer der ihren seinen 40. Geburtstag als Aktiver feiert. Und wer weiß, vielleicht legen seine Bremer Kollegen ja zusammen und schenken Pizarro einen eigenen Schlafcoach. Coach, nicht Couch. So etwas hat der moderne Fußballer von heute, oder zumindest Cristiano Ronaldo.

Pizarro in dynamischer Laufbewegung auf dem Spielfeld.
Weiterhin dynamisch: Claudio Pizarro. Bild: Imago | Team 2

Aber die richtige Regeneration ist ja so wichtig im methusalemschen Sportleralter. Wer heutzutage noch mit 40 Jahren Leistungssport auf höchstem Niveau betreiben will, der schart meist ein ganzes Expertenteam aus Sportmediziner, Physiotherapeut, Mentaltrainer, Ernährungsberater – und womöglich Schlafcoach – um sich. Das hat Pizarro längst kapiert und deshalb ist er nach wie vor Fußballprofi und fitter, als so mancher Altersgenosse.

Als ich 34 oder 35 war, wollte ich einfach weiterspielen und habe gedacht, dass ich alles machen muss, um weiterspielen zu können.

Claudio Pizarro im Werder-Podcast

Und neben Massage, Pflege und gezielten Ruhephasen stellte Pizarro damals seine Ernährung um. "Weizen und Milchprodukte sind nicht so gut für mich", hatte er nach Test bei einem renommierten argentinischen Arzt festgestellt: "Es ist nicht so, dass ich sterben würde, aber mein Körper reagiert nicht so gut, wenn ich das esse." Nun heißt es Dinkel statt Weizen, und vielleicht ist es ein entscheidender Baustein bei der Suche nach der ewigen Sportler-Jugend sein. Ze Roberto war auch so ein Fußballer, der scheinbar nie gealtert ist. Mit dem kickte Pizarro bei Bayern München, und der hat ihn nachhaltig beeindruckt. "Ze Roberto konnte noch bis 42 oder 43 in Brasilien spielen. Der war für mich etwas Besonderes", meinte Pizarro.

Inzwischen sind Top-Athleten mit Ü40 gar keine Ausnahme mehr. Wie Werders Peruaner haben sie alle ihr Erfolgsgeheimnis für eine epische Karriere.

Paolo Maldini (50), Fußballer

Maldini applaudiert nach seinem letzten Spiel den Fans im Stadion.
Nach 24 Profijahren war 2009 Schluss mit Profifußball – mit fast 41 Jahren. Bild: Imago | Buzzi

In Mailand wird er als Sport-Ikone verehrt: Seine 24 Jahre als Profi verbrachte Paolo Maldini ausschließlich beim AC Mailand, war zwölf Jahre lang Kapitän, wurde sieben Mal italienischer Meister, brachte es auf 126 Länderspiele, 161 Europapokalspiele und 1.041 Partien insgesamt – er sah 2.156 Gegenspieler in 90.409 Spielminuten und war einer der besten Verteidiger der Fußball-Historie. Sein Glück: Er verletzte sich nie schwer und lebte professionell. Im Sommer 2009 beendete er kurz vor seinem 41. Geburtstag seine Karriere und nannte auch den Grund für seinen Entschluss.

Ich werde Ende Juni 41 Jahre alt und trage im Beruf kurze Hosen – das sagt alles über meine bizarre Situation aus.

Fußball-Ikone Paolo Maldini

Dirk Nowitzki (40), Basketballer

Nowitzki vor dem Wurf mit dem Ball in Händen über seinem Kopf.
Das "German Wunderkind" verzichtete bei seinem neuen Vertrag sogar auf Gehalt, damit der Klub mehr Geld für andere Spieler übrig hat. Bild: Imago | Zuma Press

Humor hat Dirk Nowitzki, das ist schon mal wichtig. Den Spitznamen "Mumie" hat der 2,13 Meter große Würzburger selbst etabliert und scherzt gerne über sein Alter. Aber: Er spielt nun in seiner 21. Saison bei den Dallas Mavericks, nie hat er in der NBA für einen anderen Klub gespielt. "Die Zeit mit dem Team ist weiterhin ein Riesenspaß für mich", meinte er: "Spiele sind ein Riesenspaß für mich, wenn es losgeht, die Fans da sind und das Haus voll ist." Wie Pizarro kommt auch Nowitzki mit seinen nun 40 Jahren mehr von der Bank, doch er ist weiter dabei. Weiter wichtig. Die Familie ist sein Mittelpunkt, aber Basketball längst kein Hobby geworden.

Ich nehme Basketball noch immer verdammt ernst. Ich trainiere fast jeden Tag. Ich mache fast alles drumherum, um fit zu bleiben. Im Sommer, wenn wir in den Ferien unterwegs sind und ich irgendwo eine Halle finde, trainiere ich. Es ist natürlich eine Herausforderung, sich zu motivieren und jeden Tag in der Halle zu stehen. Ich habe Schmerzen in jedem Gelenk meines Körpers. Aber das ist nach 20 Jahren wohl normal.

Basketball-Profi Dirk Nowitzki im Magazin "Basket"

Birgit Fischer (56), Kanutin

Fischer mit dem Paddel in der Hand im Kanu.
Bei den Spielen in Athen 2004 gewann Birgit Fischer zuletzt Gold – mit 42 Jahren. Bild: Imago | Kosecki

Ihr konnte jahrzehntelang im Kanusport niemand das Wasser reichen. Birgit Fischer zählt zu den Sportphänomenen unserer Zeit, ist eine Athletin der Superlative: acht Gold- und vier Silbermedaillen bei Olympischen Spielen, und die Zeitspanne ist dabei spektakulär – die erste gewann sie 1980 mit 18 Jahren, die letzte 2004 mit 42 Jahren. Und zwischendurch bekam Fischer auch noch zwei Kinder. Aufgehört hat sie noch immer nicht, nur mit dem Leistungssport: Sie betreibt eine Paddel- und Fitnessschule bei Berlin.

Auf jeden Fall wird jeder trainingsältere Sportler sagen, dass er anders trainiert, als seine jüngeren Kollegen. Weil es geht eben gar nicht, dass man weiter fünf, sechs Stunden am Tag trainiert. Die Erholung muss einfach einen größeren Raum einnehmen. Der Körper ruft danach, und man soll und muss diesen inneren Rufen auch folgen, sonst wird man schnell übertrainiert sein oder kaputt gehen.

Birgit Fischer in "Deutschlandfunk Kultur"

Ole Einar Björndalen (44), Biathlet

Björndalen vor dem Start im Biathlon mit seiner Sonnenbrille auf der Stirn.
Aufhören wollte er eigentlich auch mit 44 Jahren noch nicht: Ole Einar Björndalen. Bild: Imago | Camera 4

Zweifellos, der Norweger ist der "König des Biathlon", und in diesem Frühjahr dankte Ole Einar Björndalen mit 44 Jahren ab. Nach 25 Jahren Profisport. Nicht, weil er wollte, sondern weil sein Körper nicht mehr will. Es ist bitter für ihn, den Perfektionisten, Asketen und Detailversessenen. Stets reiste er mit eigenem Staubsauger, um die Keime in Hotel-Teppichen auszumerzen. "Man darf sich auf keinen Fall anstecken", mahnte Björndalen einst in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Alles muss sauber sein. Im letzten Monat vor den Wettkämpfen meide ich Flughäfen. Ich schüttele niemandem die Hand. Wir Langläufer und Biathleten sind wohl ein bisschen krank im Kopf." Sein Spleen brachte ihm allerdings acht Mal Gold und vier Mal Silber bei Olympischen Spielen ein und dazu sechs Gesamtweltcupsiege.

Ich esse alles. Irgendwann kapiert man schon, was man vor einem Wettkampf zu sich nehmen soll und was nicht. Als ich klein war, habe ich einmal vor einem Rennen zwei Tüten Chips gegessen und Cola getrunken. Die erste halbe Stunde war ich ganz vorne, der Rest des Rennens war Scheiße.

Ole Einar Björndalen in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"

Mehr zu diesem Thema:

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Oktober 2018, 18:06 Uhr