Und dann patzte sogar Moisander

Abwehrchef Niklas Moisander sollte Werder nach dem Debakel gegen Bayer wieder Stabilität geben. Doch auch er ließ sich in Mainz von der Verunsicherung anstecken.

Moisander mit gesenktem Kopf und nachdenklichem Blick am Rande des Spielfeldes.
Normalerweise der große Rückhalt der Bremer: Abwehrchef Niklas Moisander. Bild: Imago | Jan Huebner

Noch vor einer Woche war man sich in Bremen einig: Mit Niklas Moisander hätte Werder niemals die sechs Gegentreffer von Bayer Leverkusen kassiert. Ganz fair ist das nicht, dem Finnen diese Rolle des Unüberwindbaren zuzuschreiben. Quasi als eine Art Abwehr-Superheld, ein Retter in höchster Strafraumnot. Das ist jede Menge Druck für nur zwei Schultern.

Aber es ist nicht so, dass der stille Abwehrchef diese Aufgabe in den meisten Spielen für Werder nicht tatsächlich genau so absolviert. Moisander hat der Bremer Defensive eine Stabilität verliehen, die sie seit Jahren nicht gekannt hat. Aus der einstigen "Schießbude der Liga" ist ein sicherer Rückhalt geworden. Und seit Moisander im Sommer 2016 an die Weser wechselte, hat er sich immer mehr den Status der Unverzichtbarkeit erarbeitet: 15 Mal fehlte der Finne in dieser Zeit und die Folge waren zehn Niederlagen bei nur einem Sieg. "Niklas hat einfach eine Qualität, die wir nicht eins zu eins ersetzen können", betonte Trainer Florian Kohfeldt: "Es gibt Spieler, die sind unumstritten gesetzt, dazu gehört Niklas. Er könnte sich auch zwei schwache Spiele erlauben, dann spielt er im dritten wieder."

Moisander tritt ein Luftloch

So waren die Erwartungen enorm hoch, als Moisander wiedergenesen gegen Mainz in die Abwehr zurückkehrte. Doch dann ließ sich der Finne offenbar von der allgemeinen Verunsicherung seiner Mitspieler anstecken und verursachte den 0:1-Rückstand der Bremer. Unglücklicher ging es kaum, als Moisander sich bei einer Flanke verschätzte und in die Luft trat – so konnte der Mainzer Jean-Philippe Mateta in der 25. Minute ungestört einnetzen.

Wir müssen nicht drumherum reden: Den Ball kann er klären. Aber das war schon ungefähr die 20. Flanke, die in unseren Strafraum geflogen ist, und irgendwann rutscht leider mal einer durch.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt wollte seinem Abwehrchef aber keineswegs die Schuld am lange Zeit desolaten Auftritt seiner Mannschaft geben. "Ich nehme Niklas komplett in Schutz. Ich habe auch in vielen Phasen gesehen, dass er unser Spiel beruhigt hat." Moisander hätte schon das Cape eines Superhelden benötigt, um an diesem Abend die 70-minütige konfuse Lethargie seiner Mitspieler im Alleingang aufzubrechen und alle Fehler zu vereiteln. Dass einem der verlässlichsten Bremer so ein Patzer unterläuft, ist bitter. Doch wäre Werder nicht kollektiv so neben der Spur gelaufen, wäre Moisanders Fehler vermutlich gar nicht so ins Gewicht gefallen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesliga, 4. November 2018, 18 Uhr