Werders Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen

Nach der neunten Pleite im zehnten Spiel ist Werder fast am Tiefpunkt angelangt. Die nächsten beiden Partien werden nun die Schicksalsspiele um den Klassenerhalt.

Niklas Moisander, Davy Klaassen und Ludwig Augustinsson mit enttäuschten Mienen, als sie sich mit der Mannschaft bei den Fans bedanken.
Grün-Weiße mit Schwarzer Serie: Werder kassierte gegen Dortmund die sechste Heimniederlage in Folge – so schlecht waren die Bremer noch nie im Weser-Stadion. Bild: Imago | Nordphoto

Ein bisschen klang Frank Baumann tatsächlich wie eine Schallplatte, die einen Sprung hat. Gerade hatte Werders Sportchef wieder verkündet, dass Florian Kohfeldt als Trainer nicht zur Debatte steht. So, wie es Baumann inzwischen nach jedem Spieltag tut. Doch was sich anfühlt, als sei man in der Dauerschleife des Murmeltiertags gefangen, wird nicht bis in alle Ewigkeit so weitergehen können.

Nicht, wenn die Schwarze Serie dieser miserablen Saison weiter anhält. Die 0:2-Niederlage gegen Dortmund am Samstag war die neunte Pleite im zehnten Spiel, das sechste verlorene Heimspiel in Folge und damit Bremer Negativrekord, zudem sind inzwischen mehr als zwölf Stunden ohne selbsterzieltes Tor vergangen. Dafür kassierte Werder 53 Gegentore und dabei das 16. nach einem Standard. Kohfeldt weiß um den Ernst der Situation nach 22 Spieltagen, gibt sich aber weiter kämpferisch.

Wir haben elf Spiele – es ist wenig, aber das ist noch ein Drittel der Saison. Es ist nicht vorbei. Es ist dramatisch, aber definitiv nicht vorbei.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Schicksalsspiele gegen Frankfurt und Hertha

Doch Werders Wettlauf gegen die Zeit hat nach der Dortmund-Schlappe definitiv begonnen. Die beiden anstehenden Liga-Partien gegen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC Berlin dürften Schicksalsspiele werden – für die Mannschaft und den Trainer. Fünf Punkte fehlen Werder bereits auf einen Nichtabstiegsplatz, sollte Mainz am Sonntagabend gegen Wolfsburg gewinnen, wären es sogar acht Punkte. Holt Werder in den nächsten beiden Partien keine Punkte, ist der Abstieg wohl kaum noch abzuwenden.

Jetzt stehen Wochen an, die sehr entscheidend sein werden. Frankfurt und Hertha sind Spiele, da müssen wir punkten, um realistische Chancen zu haben, in der Klasse zu bleiben. Da gibt es keine Ausreden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Ein Pokal-Spiel zur Unzeit?

Dass am 4. März noch das Pokal-Viertelfinale in Frankfurt in diese Schicksalswoche eingeschoben ist, sieht Kohfeldt dabei nicht als möglichen Störfaktor, im Gegenteil. "Ich freue mich sehr darauf, dafür machen wir das doch", meinte der Coach, "Pokal-Viertelfinale in Frankfurt ist jetzt nicht das Schlechteste. Als Gift für meine Spieler würde ich das nicht bezeichnen."

Er wolle unbedingt ins Halbfinale einziehen, betonte Kohfeldt: "Ich will aber genauso beide Bundesligaspiele unbedingt gewinnen – das wird 'ne Woche." Eine, in der die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen muss. Gegen Dortmund waren in der Defensive Verbesserungen sichtbar, doch insgesamt blieben die Bremer wieder zu harmlos und knickten nach dem Rückstand ein.

"Niemand glaubt mehr an uns – aber wir tun es"

Niklas Moisander steht konsterniert mit den Händen in den Hüften da, während die Dortmunder Spieler hinter ihm jubeln.
Ratlos gegen den BVB: Werder-Kapitän Niklas Moisander musste die nächste Niederlage hinnehmen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kohfeldt aber hat weiterhin Hoffnung, stellte er doch fest, dass "die Trainingsqualität der letzten Wochen deutlich besser geworden ist" und die Automatismen sich wieder einspielen. Nun müsste seine Mannschaft das nur noch im Wettkampf dauerhaft umsetzen, doch daran glaubt der Coach: "Das ist mein Hauptoptimismus, warum die nächsten Wochen besser werden können."

Die Zeiten des Konjunktivs sind allerdings vorbei, Werder kann sich ein "Schaun' mer mal" nicht mehr leisten. Die Werder-Profis müssen liefern und es wird nun darauf ankommen, wie stressresistent jeder einzelne in dieser Schicksalswoche ist. Zumindest Kapitän Niklas Moisander zeigte sich fast schon trotzig-kämpferisch: "Niemand glaubt mehr an uns, aber wir tun es. Es ist noch alles möglich."

Neuer Werder-Song: In der tiefsten Krise hilft nur noch Humor

Video vom 21. Februar 2020
Jan Delay trägt eine dunkle Sonnenbrille und eine schwarze Baselball-Kappe und hält einen Werderschal und ein Mikrofon in den Händen.
Bild: Wumms

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 22. Februar 2020, 19:30 Uhr