Exklusiv

Werder-Trainer Kohfeldt: "Ich bin hier – und ich bleibe hier"

Europa knapp verpasst, den Kapitän verloren, aber viel Respekt in der Liga gewonnen – Trainer Florian Kohfeldt schaut mit gemischten Gefühlen auf die Saison zurück.

Florian Kohfeldt im Interview mit buten un binnen.

Kohfeldt über...

... sein Saisonfazit als Tabellenachter

"Es ist jetzt nicht so, dass ich aus der Saison rausgehe und sage: 'Ach, es war doch alles super.' Wir mussten nicht nach Europa, aber wir wollten nach Europa. Wir haben es nicht geschafft. Eine leichte Enttäuschung ist definitiv da. Aber die reine Punkteausbeute mit 53 Punkten ist sehr, sehr ordentlich. Das zeugt von einer Konstanz, die wir immer wieder gebracht haben."

... sein persönliches Highlight

"Mein persönliches Saison-Highlight war das Pokal-Achtelfinale in Dortmund. Das war schon wahnsinnig gut. Nicht nur vom Ergebnis und der Emotion her, das war spielerisch und spiel-taktisch als Mannschaft richtig stark."

... den bittersten und intimsten Moment

"Es gab bittere Momente: Wie das Spiel gegen Nürnberg zu Hause (Werder kassierte in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich, Anm. d. Red.). Es gab aber auch sehr intime Momente, in denen ich gelernt habe, wie meine Mannschaft wirklich tickt, wie sie miteinander umgeht. Nach dem Pokal-Halbfinale gegen München hatten wir in der Kabine einen wirklich intimen Moment. Da habe ich viel Stolz gespürt, diese Mannschaft zu trainieren und ein Teil davon zu sein."

... die Überraschung der Saison

"'Pizza, das muss ich schon sagen. Das war so nicht abzusehen, dass Claudio (Pizarro, Anm. d. Red.) noch mal in dieser Größenordnung diese sportliche Bedeutung einnimmt."

... den Abgang von Max Kruse

Max ist in einer Situation zu Werder Bremen gekommen, in der kein Spieler seiner Qualität hierhin gekommen wäre, wenn er nicht eine große Verbindung zu diesem Verein gehabt hätte. Er war ein Topspieler in der Bundesliga, und Werder Bremen war so ziemlich das komplette Gegenteil von einem Topverein. Er ist hierher gekommen, das ist ein großes Kompliment an ihn und rückblickend auch eins an Frank Baumann und Viktor Skripnik, dass sie ihn damals überzeugen konnten. Und dann hat Max drei Jahre geliefert, komplett. Er hat sich nie weggeduckt, war immer da.

Natürlich ist Max auch ein Typ, der Begleiterscheinungen hat, die nicht für alle angenehm sind. Sei es, ob seine Medienarbeit der eines Kapitäns entsprochen hat, oder ob er derjenige ist, der jede Woche einen Mannschaftsabend veranstaltet – das sind alles Dinge, die lasse ich mal dahingestellt. Aber für mich war er zu jeder Zeit eine große Vertrauensperson. Und er war immer ehrlich zu mir, zu allen anderen auch. Am Ende hat er einen Vertrag nicht verlängert. Er ist nicht weggegangen mit einer dreijährigen Restvertragslaufzeit. Er hat für sich entschieden, noch mal etwas Neues zu machen. Welche Gründe das sind, ist mir total egal, denn sie sind legitim. Und deshalb kann ich mich nur bedanken, für die Zusammenarbeit und für das, was er für Werder Bremen geleistet hat.

... lebenslang grün-weiß

Es wäre sehr unseriös, wenn ich sagen würde: Ich bleibe mein Leben lang bei Werder Bremen. Aber es macht momentan so viel Spaß mit den handelnden Personen zu arbeiten, mit der Mannschaft zu arbeiten. Ich glaube auch noch nicht, dass wir an unserer Grenze sind. Wir werden irgendwann eine natürlich Grenze haben. Aber ich glaube, wir sind noch ein bisschen davon entfernt. Was meine Person angeht: Ich bin hier – und ich bleibe auch hier.

Mehr zum Thema:

  • Jan-Dirk Bruns

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Mai 2019, 18:06 Uhr