Kohfeldt und die Suche nach dem einen vermaledeiten Punkt

Am Ende scheiterte Werders Traum von Europa an einem Punkt und drei Toren. Trainer Kohfeldt wird diese Zahl bis in den Urlaub verfolgen, doch er nimmt sie als Ansporn.

Florian Kohfeldt steht nachdenklich an der Seitenlinie mit den vollbesetzten Tribünen in der Unschärfe im Hintergrund.
Der Sucher: Werder-Trainer Florian Kohfeldt sucht nicht den einen, fehlenden Punkt, sondern Dinge, die systematisch bei seiner Mannschaft nicht geklappt hatten. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ein bisschen musste sich Florian Kohfeldt am Montagabend dann doch revidieren. Nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Leipzig hatte der Werder-Coach noch gemeint: "Ich habe nicht das Gefühl, dass die Saison jetzt vorbei sein muss für mich – ich hätte noch weitermachen können." Vor allem, weil es ihm "unfassbar viel Spaß" gemacht habe in seiner ersten kompletten Saison als Bundesligatrainer. Aber nach dem zweiten Testspiel gegen den VfL Oldenburg und einem gefühlt zweistündigen Autogramm-und-Selfie-Marathon "zwischen Kabine und Mannschaftsbus" musste Kohfeldt dann doch eingestehen, "dass es jetzt auch mal gut ist".

Sonne, Strand, mit der Familie abschalten – das ist der Plan, aber so richtig wird das für den Analytiker Kohfeldt nicht funktionieren, das weiß er jetzt schon. Zu knapp war das Saisonfinale für Werder Bremen ausgegangen, nur ein einziger Punkt und drei Tore hatten für die Europa League gefehlt. Ein vermaledeiter Punkt.

Ich werde mich mit Sicherheit das ein oder andere Mal auf der Liege dabei ertappen, dass mir eine Situation durch den Kopf geht, wo genau so ein Punkt verloren ging.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

"Das bringt mich nicht weiter"

Milot Rashica legt nach verpasster Torchance enttäuscht den Kopf in den Nacken und schließt die Augen.
Das tat weh: Auch Milot Rashica verpasste mitunter Torchancen, die Werder am Ende wichtige Punkte kostete. Bild: Imago | Osnapix

Das Spiel gegen Stuttgart würde ihm einfallen, als beim Stand von 1:1 der Ball noch auf der Linie geklärt wurde. Oder gegen Dortmund, wo Werder die Chance hatte, das Spiel noch zu drehen. Oder das Hinspiel in Hoffenheim, als Milot Rashica frei vor dem Tor den Siegtreffer verpasste. All diese Szenen würde Kohfeldt noch einmal im Kopf durchspielen, doch er weiß auch: "Die bringen mich nicht weiter". Gegen Mannschaften, die hinter Werder stehen, wie Hannover, Stuttgart oder Nürnberg, hatte man eben diese Punkte liegen gelassen. Doch Kohfeldt ist das zu einfach. An einzelnen Ergebnissen sei es nicht festzumachen, dass die Bremer das große Ziel Europa so knapp verpasst hatten. "Ich muss mich auf die Suche machen nach Dingen, die systematisch nicht so geklappt haben", erklärte der Trainer: "Das ist wichtig. Nur so verbessern wir unser Spiel immer weiter." Die schwache Ausbeute bei Standards ist so eine Schwachstelle.

Am Ende war es aber eben ein vermaledeiter Punkt. Und die Erkenntnis sei schon ein bisschen bitter für ihn, gab Kohfeldt zu, denn in den vergangenen sechs Jahren hatten 53 Punkte stets für die Europa League gereicht. Nur dieses Mal eben nicht. Er ist dennoch stolz auf seine Mannschaft, denn "53 Punkte sind schon ein Brett". "Wir bewegen uns langsam auf einem Niveau, auf dem wir keine Quantensprünge mehr erwarten dürfen." Sie hätten in dieser Saison besseren und in der Summe auch erfolgreicheren Fußball gespielt. Auf diesem Niveau will Kohfeldt aufbauen, um "den nächsten Schritt" zu erreichen. Keinen Quantensprung, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Damit der nächste Sommerurlaub dann ohne den leidigen Spruch von Lothar Matthäus im Kopf stattfindet: wäre, wäre, Fahrradkette...

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 18. Mai 2019, 18 Uhr