Gelbe Karten für Trainer? Kohfeldt ist dagegen

Die Fifa testet gerade Regeländerungen. Eine davon: Eine Gelbe Karte für Trainer, die sich daneben benehmen. Werder-Coach Kohfeldt hält das für "sehr grenzwertig".

Kohfeldt in lebhafter Diskussion mit dem Schiedsrichter, der ihn auf die Tribüne schickt.
Einmal eskalierte es: Zum Rückrundenstart gegen Frankfurt wurde Werder-Coach Florian Kohfeldt (Mitte) vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt. Bild: Imago | Osnapix

Diese Szene ist vielen noch im Gedächtnis geblieben: Werder spielte zu Beginn der Rückrunde gegen Eintracht Frankfurt und in der Nachspielzeit wurde es ziemlich hitzig an der Seitenlinie. Trainer Florian Kohfeldt hatte reklamiert und wurde dann von Schiedsrichter Markus Schmidt wegen ungebührlichen Verhaltens auf die Tribüne geschickt.

Kohfeldt tritt an der Seitenlinie vor Wut ein Loch in die Luft.
Immer mit Leidenschaft dabei: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kohfeldt verstand die Welt nicht mehr und beharrte darauf, kein böses Wort zum Unparteiischen gesagt zu haben. Doch dort genau liegt das Problem: Die Schiedsrichter haben bisher nur eine einzige Möglichkeit, einen Trainer zu sanktionieren – mit dem Tribünenverweis. Das will der Fußball Weltverband Fifa nun ändern.

Es wird getestet, Gelbe Karten für Trainer einzuführen. Bei drei Gelben Karten würde es sogar eine Sperre nach sich ziehen. "Durch die Gelbe Karte bekommt der Trainer die Information, dass er sich zusammenreißen muss, sonst ist er beim nächsten Mal fällig", erklärte Fifa-Vizegeneralsekretär Zvonimir Boban der "Sport Bild". Bei Kohfeldt stößt der Plan jedoch auf Ablehnung.

Ich halte die Sache insgesamt für sehr grenzwertig. Es wird wiederum das Verhältnis Trainer-Schiedsrichter belasten. Man kann einen Trainer nicht mit einem Spieler vergleichen und das gleiche Strafmaß geben.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Kohfeldt ist beim DFL-Workshop dabei

Und schließlich seien es doch gerade die Leidenschaft, die einen Trainer am Spielfeldrand ausmacht, findet Kohfeldt: "Man muss sehr sensibel unterscheiden: Was ist eine Emotion Richtung Spiel und was geht in Richtung Schiedsrichter? Das wird unheimlich schwer zu trennen sein. Deshalb ist es eine Regelung, die für mich auf den ersten Blick keinen Sinn macht."

Am 5. August findet ein Workshop mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) statt und Kohfeldt wird mit Sportchef Frank Baumann daran teilnehmen. Das sei ihnen wichtig, betonte der Werder-Coach. Denn ein gutes Verhältnis zu den Schiedsrichtern sei in ihrem ureigensten Interesse. "Aber alles über Sanktionen zu machen, ist nicht der richtige Weg."

"Dann wäre ich nicht mehr ich"

Kohfeldt musste zu diesem Thema nun selbst über sich lesen, dass "ich einer der drei gefährdetsten bin". Mit dem Frankfurt-Spiel sei ein Bild von ihm entstanden, das so nicht mehr stimme: "Spätestens seit März haben sich die Schiedsrichter mit kaum einem Trainer besser verstanden als mit mir." Kohfeldt ist einer, der an der Seitenlinie 90 Minuten lang unter Strom steht, der immer interagiert, der mitlebt und mitleidet und daran will er auch nichts ändern, sollte die Regeländerung tatsächlich kommen.

Mein Verhalten gegenüber den Schiedsrichtern war völlig in Ordnung. Und ich werde mir auf gar keinen Fall die Emotionen Richtung Mannschaft nehmen lassen – sonst wäre ich nicht mehr ich.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Juli 2019, 18:06 Uhr