Trotz Klaassen-Abgang bleibt Kohfeldt seiner Werder-Philosophie treu

Mit den bisherigen Ergebnissen ist der Bremer Trainer zufrieden, mit dem dabei gezeigten Fußball eher weniger. Das will Kohfeldt ändern.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt lächelt.
Hat angesichts von sechs Punkten aus drei Bundesliga-Spielen gut lachen: Werder-Coach Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Turbulent endete für Werder die vergangene Saison, turbulent endete auch die Transferphase in der vergangenen Woche: Vize-Kapitän Davy Klaassen verließ den Verein, der gefühlt schon beschlossene Wechsel von Milot Rashica blieb aus, die Verpflichtung des dringend benötigten neuen Sechsers fiel ins Wasser. Entsprechend war es für Werder-Trainer Florian Kohfeldt ein nervenaufreibender letzter Transfertag, der zugleich auch sein Geburtstag war. Obwohl die Bremer sich nicht verstärken konnten, der Kader sogar schwächer geworden ist, bleibt Kohfeldt weiter optimistisch – auch weil ihn der Relegations-Klassenerhalt vom Vorjahr abgehärtet hat. "Es ist nicht zu vergleichen mit dem, was wir letzte Saison erlebt haben", sagte der 38-Jährige in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Wer Heidenheim überlebt hat, den kann so etwas nicht mehr schockieren. Klar, wir hatten andere sportliche Ziele, aber ich glaube weiter an diese Mannschaft.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Auch wenn er den Abgang des Führungsspielers Klaassen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich bedauert, bleibt Kohfeldt seinen Prinzipien treu: Der Werder-Trainer will, dass seine Spieler mutigen und attraktiven Ballbesitzfußball zeigen. "Wir müssen uns jetzt die Automatismen wieder erarbeiten", sagte der Werder-Trainer. Dass die Bremer in den ersten vier Partien der Saison zwar drei Siege einfuhren, aber spielerisch nur bedingt überzeugten, ist Kohfeldt durchaus bewusst. Denn auch wenn die Ergebnisse stimmten, zeigte sein Team noch nicht das Auftreten, das er sich von ihm erhofft.

Wir wollen auch gerne wieder anderen Fußball spielen. Wir müssen aber alle lernen, dass wir eine andere Erwartungshaltung haben müssen. Dafür wäre es wichtig, weiter zu punkten.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Die nächste Chance auf weitere Zähler haben die Grün-Weißen am Samstag (15.30 Uhr) in Freiburg. Die Breisgauer starteten mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage sowie einem knappen 2:1-Pokalerfolg gegen Drittligist Waldhof Mannheim eher mittelmäßig in die neue Saison. Wenn man gegen Freiburg den ein oder anderen Punkt holen würde, wäre das eine Bestätigung der bisherigen Erfolge, sagte Kohfeldt. Wichtig sei vor allem, die Mentalität mitzunehmen, die man in den letzten Spielen gezeigt habe. Denn keiner werde erwarten, dass seine Mannen "traumhaften Kombinationsfußball" an den Tag legen werden. Doch der Glaube, in jedem Spiel punkten zu können, wachse mit jedem Sieg, weshalb ein erneuter Dreier nicht nur mit Blick auf die Tabelle mehr als positive Folgen haben würde.

Für das Team beginne eine "neue Periode"

Anstatt in Europa mitzumischen – so wie es vor der vergangenen Saison geplant war – muss Kohfeldt mit seinen überwiegend jungen Schützlingen nun den Neuanfang wagen. "Wir sind am Beginn des Aufbaus einer neuen Mannschaft. Eine neue Periode hat begonnen", so der Werder-Coach. Im Hinblick auf die Aufgabe, die damit einhergeht, verspüre er einen "Riesenreiz". Schließlich sei das Potenzial, mit seiner Mannschaft etwas entwickeln zu können, in jeden Fall vorhanden. Und dass seine Spieler gemeinsam mit ihm diesen Weg beschreiten werden, daran hege er keinen Zweifel. Eine Prognose, wann sie seine Spiel-Philosophie umsetzen könnten – ob schon in Freiburg, in den nächsten Wochen oder Monaten – wollte Kohfeldt aber nicht geben. Sollte seine Mannschaft aber in dieser Saison "ihren Fußball wiederfinden", wäre das seiner Ansicht nach ein Erfolg.

So bereitet sich Werder auf das Freiburg-Spiel vor

Video vom 15. Oktober 2020
Mehrere Werder-Spieler und Florian Kohfeldt auf dem Weg zum Training.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mehr zum Thema:

Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 15. Oktober 2020, 18:06 Uhr