Warum Werders Klaassen eine kleine Krise hat

Davy Klaassen ist schnell zum Leistungsträger der Bremer geworden, doch momentan steckt auch der Niederländer im Tief. Gegen Düsseldorf soll es wieder aufwärts gehen.

Klaassen nachdenklich bei einer Pressekonferenz vor dem Bildschirm mit der Bundesligatabelle.
Nachdenklich: Davy Klaassen wechselte im Sommer vom FC Everton aus der Premier League zu Werder Bremen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mit der Bremer Polizei hat Davy Klaasen zuletzt keine neue Bekanntschaft mehr gemacht. Die hatte ihn bei seinem ersten Fahrradausflug in der Hansestadt gleich mal angehalten. Denn für den Niederländer war es eben ganz normal, seine Freundin auf dem Fahrrad mitzunehmen. Doch die deutschen Verkehrsregeln sind da wenig humorvoll. "In den Niederlanden ist das normal. Ich wusste nicht, dass man das nicht darf", sagte Werders Neuzugang im Sommer, "aber es ist toll hier, man kann mit dem Fahrrad alles erreichen."

Inzwischen hat sich der 25-jährige Klaassen gut eingelebt in der Fahrradstadt Bremen und Fehler passieren ihm seither nicht mehr im Straßenverkehr, aber dafür zuletzt auf dem Fußballplatz. Dass er mit geschätzten 13,5 Millionen Euro der Rekordtransfer von Werder Bremen ist, ist Klaassen sehr bewusst. Doch er versucht, diese Bürde auszublenden.

"Spiele aktuell nicht, was ich will"

Und sein Einstieg bei Werder verlief beeindruckend, Klaassen fügte sich im zentralen Mittelfeld sofort ein und etablierte sich schnell als einer der Führungsspieler. Seit ein paar Wochen läuft es jedoch bei den Bremern und auch bei Klaassen nicht mehr richtig rund.

Natürlich bin ich unzufrieden. Ich spiele aktuell nicht das, was ich will. Diese Phasen gibt es in einer Saison. Ich arbeite hart daran, das wieder zu ändern.

Werder-Profi Davy Klaassen

Da auch andere Leistungsträger wie Max Kruse, Maximilian Eggestein oder Niklas Moisander derzeit nicht an ihrem oberen Limit spielen können, fällt die Schwächephase der Einzelnen schwerer ins Gewicht. "Wir machen zu viele individuelle Fehler, wodurch wir in letzter Zeit oft Gegentore bekommen haben", analysierte Klaassen, "die ganze Mannschaft muss immer aufmerksam sein, auch bei den Kleinigkeiten auf dem Platz."

Ein Jahr ohne Wettkampfpraxis

In den vergangenen fünf Partien war das nicht immer gelungen, so blieb es einem von 15 möglichen Punkten. Zudem kassierte Werder in dieser Zeit 14 Gegentore. Der Druck ist nun groß vor dem Spiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf am Freitagabend um 20:30 Uhr, um als Neunter der Tabelle nicht den Anschluss nach oben zu verlieren. Doch Klaassen bleibt optimistisch.

Gewinnen wir gegen Düsseldorf, sind wir in der Tabelle gut dabei. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, wir glauben an uns. Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Alle wissen, was am Freitag zu tun ist.

Werder-Profi Davy Klaassen
Klaassen bei Augustinsson huckepack beim Torjubel auf Schalke.
Anfangs obenauf bei Werder: Klaassen (oben) traf in dieser Saison bereits zwei Mal. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Klaassen ist erfahren genug, um zu wissen, wie man mit schwierigen Phasen umgeht. Er hat selbst eine hinter sich. Im Sommer 2017 wechselte er mit großen Ambitionen von Ajax Amsterdam in die Premier League zum FC Everton, doch er merkte schnell, dass er dort nicht hin passte. Als Techniker mit Spielwitz lag ihm das ruppige, körperbetonte Spiel in England nicht. So wurde Klaassen aussortiert und verbrachte fast ein Jahr lang auf der Bank. Werder Bremen soll nun ein Neustart für das Talent sein, hinter dem vor anderthalb Jahren noch halb Europa her war. Und Klaassen ist er bisher geglückt. Dass kleine Einbrüche passieren können, nach einem Jahr ohne jede Wettkampfpraxis, ist so normal, wie das Fahrradfahren zu zweit in Holland. Klaassen wird wieder in Tritt kommen, soviel scheint sicher.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 5. Dezember 2018, 18:06 Uhr