Werders Krisen-Camp: Jetzt greifen die Bremer zum HSV-Erfolgsrezept

Der Bremer Nord-Rivale kennt sich mit Kurz-Trainingslagern bestens aus – und rettete sich so einige Male vor dem Abstieg. Das soll auch bei Werder wieder klappen.

HSV-Spieler bejubeln 2017 den Klassenerhalt.
Der HSV hat am letzten Spieltag der Saison 2016/17 den Klassenerhalt geschafft. Vorher hatten die Hamburger zwei Krisen-Camps in Rotenburg/Wümme absolviert. Bild: Imago | Matthias Koch

Am 15. April 2015 stand Fußball-Deutschland Kopf. Zum einen, weil Jürgen Klopp an diesem Tag nach sieben Jahren seinen Abschied vom BVB verkündete. Zum anderen, weil wenige Stunden zuvor der arg abstiegsgefährdete HSV Bruno Labbadia als Cheftrainer zurückgeholt hatte. Vier Punkte Rückstand auf Rang 15 hatten die Hamburger nach dem 28. Spieltag bereits. Über den Umweg Relegation schafften sie trotzdem noch den Klassenerhalt. Ein Erfolgsrezept damals: die Kurz-Traininingslager. Auf dieses Mittel setzt in dieser Woche auch Werder.

Franco di Santo feiert 2015 sein Siegtor gegen den HSV.
Beim Nordderby im April 2015 gegen den HSV erzielte Franco di Santo den Bremer Siegtreffer. Für den damaligen HSV-Coach Bruno Labbadia war es damals das erste Spiel. Bild: Imago | Sven Simon

Direkt nach Labbadias Ankunft reisten die Hamburger 2015 in ein Kurz-Trainingslager nach Rotenburg/Wümme. "Es gibt keine Zeit. Wir haben gesagt: Leinen los. Barrieren müssen sofort umgestoßen werden", sagte Labbadia damals. Ähnlich klang es am Donnerstag auch bei Florian Kohfeldt. "Wir wollen damit sehr klar signalisieren, dass wir auf nichts warten wollen", begründete er Werders Entscheidung für das Kurz-Trainingslager vor dem Leipzig-Spiel am Samstag (15:30 Uhr). Aus der Sicht von Labbadia und dem HSV war das nächste Spiel seinerzeit ausgerechnet das Nordderby. Und der große Trainingslager-Effekt blieb zunächst aus. Die Hamburger spielten zwar ordentlich, verloren in Bremen durch ein Elfmetertor von Franco di Santo aber trotzdem mit 0:1.

Krisen-Camp rettete den HSV stets vor dem Abstieg

Besser lief es am Saisonende. Vor dem letzten Saisonspiel gegen Schalke 04 reisten die Rothosen in die altehrwürdige Sportschule Malente in Schleswig Holstein. Wie Kohfeldt aktuell in Leipzig wollte Labbadia dort das Miteinander fördern. "Wir wollen nicht, dass die Jungs auf ihren Zimmern sitzen und mit ihren Kopfhörern Musik hören. Wir wollen was zusammen machen", erklärte Labbadia damals. Durch einen 2:0-Sieg gegen die Schalker rettete sich der HSV in die Relegation. "Malente war unsere Burg", lobte Labbadia anschließend. Und auch vor dem Relegations-Duell mit dem Karlsruher SC bemühten die Hamburger den "Geist von Malente". Mit Erfolg. Am Ende blieben sie in der Bundesliga.

HSV-Spieler trainieren 2016 in Malente.
In der Idylle Schleswig-Holsteins bereitete der HSV sich 2016 im Abstiegskampf auf die entscheidenden Duelle vor. Bild: Imago | Eibner

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Hamburger zu diesem Mittel griffen. Auch Labbadias Nachfolger Markus Gisdol griff zwei Jahre später gleich zweimal zum Krisen-Camp und fuhr beide Male mit der Mannschaft nach Rotenburg/Wümme. Erneut reichte es am Ende. Am letzten Spieltag machte der HSV gegen den VfL Wolfsburg den Klassenerhalt klar. Ein Jahr später klappte es nicht mehr. Der HSV ließ es schleifen mit den Kurz-Trainingslagern. Unter Kurzzeit-Trainer Bernd Hollerbach probierten sie es nur äußerst halbherzig. Im Februar 2018 nächtigte die Mannschaft einige Male im einstigen Teamhotel "Treudelberg" im Hamburger Norden, trainierte aber weiterhin ganz normal im Volkspark. Das war zu wenig – am Ende stieg der HSV ab.

Schon Magath setzte auf ein Kurz-Trainingslager

Auf das einstige HSV-Erfolgsrezept setzen jetzt auch die Bremer. "Wieder" muss man sagen, denn ganz neu ist der Kniff mit den Kurz-Trainingslagern auch an der Weser nicht. Zuletzt setzte Alexander Nouri auf sie. In seinen 13 Monaten als Werder-Coach fuhr er zweimal in ein Kurz-Trainingslager. Und bereits im Abstiegskampf 1999 absolvierten die Bremer ein solches unter Felix Magath in Verden.

Daran erinnerte sich 2016 im Kampf um den Klassenerhalt wohl auch Viktor Skripnik. Zunächst ging es vor dem 6:2-Kantersieg gegen den VfB Stuttgart für einige Tage ebenfalls nach Verden. Vor dem 0:0 gegen den 1. FC Köln fuhren die Bremer frühzeitig in die Domstadt. Am Ende packte Werder in einem Herzschlagfinale am letzten Spieltag durch einen 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt den Klassenerhalt. Die Kurz-Trainingslager hatten also ihren Zweck erfüllt. Auf diesen Effekt wird auch Kohfeldt hoffen, der schon bei der Rettung 2016 als Co-Trainer von Skripnik dabei war.

Werder reist ins Kurz-Trainingslager nach Leipzig

Die Werderprofis Ömer Toprak und Maximilian Eggestein auf dem Trainingsplatz mit Trainer Florian Kohfeldt.

Mehr zum Thema:

Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 12. Februar 2020, 18:06 Uhr