Werder rechnet mit Geisterspielen ohne Fan-Auflauf vor dem Stadion

Die erneute Absage eines Spiels vor leeren Rängen halten die Verantwortlichen für unwahrscheinlich. Das Projekt Leistungszentrum steht hingegen mehr als je auf der Kippe.

Die Zuschauerränge im Weser-Stadion sind leer
Ein Geisterspiel im Weser-Stadion? Ein Szenario, das für Werders Verantwortliche mehr als möglich scheint. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

In der Fußball-Bundesliga soll der Ball wegen der Corona-Krise weiter bis Ende April ruhen. So zumindest hat es die Deutsche Fußball Liga (DFL) empfohlen. Dass die 36 Vereine der ersten und zweiten Liga dem Vorschlag zustimmen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Wie es danach weitergeht, weiß hingegen noch niemand. Eine Möglichkeit ist, dass die Liga die Saison vor leeren Zuschauerrängen fortsetzt. Bei Werder geht man inzwischen davon aus, dass es zu solchen Geisterspielen kommen wird – und nicht zu einer Spielabsage wie vor der Heimpartie gegen Bayer Leverkusen.

Im Vorfeld des Spiels, das auf den 16. März terminiert war, hatte der Senat in Person von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) die Austragung untersagt. Der Grund: Man rechnete damit, dass trotz Zuschauerverbots zwischen 2.000 und 3.000 Fans zum Weser-Stadion gekommen wären, um ihr Team von draußen zu unterstützen. Weil schon damals die Verordnung galt, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern zu verbieten, kam es zur Spielabsage. Erst danach entschied die DFL, den gesamten Spieltag auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Verständnis in der Bevölkerung habe sich gewandelt

Eine erneute Spielabsage wegen möglicher Fanansammlungen schlossen sowohl Werders Geschäftsführer Frank Baumann als auch Präsident Hubertus Hess-Grunewald aus. "Der Umgang in der Bevölkerung ist ein anderer geworden", sagte Baumann am Montag. Angesichts der einschneidenden Entwicklung, die die Corona-Krise genommen hat, liege inzwischen ein anderes Verständnis vor. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir diese Situation noch einmal hätten", so Baumann. Auch Hess-Grunewald zeigte sich in einer Telefonkonferenz mit Bremer Medien am Mittwoch optimistisch, dass die Anhänger des Vereins dem Weser-Stadion fernbleiben würden.

Wir glauben, dass wir die Kommunikation mit den Fans so hinbekommen, dass dieser Grund für eine Absage nicht mehr besteht.

Hubertus Hess-Grunewald, Werder-Präsident

Zugleich appellierte er für ein ligaweites Vorgehen, sprich: Entweder finden alle Partien statt oder gar keine. "Wenn man wieder in die Situation käme, spielen zu können, muss man einen einheitlichen Spielbetrieb haben", so Hess-Grunewald.

Was wird aus dem Leistungszentrum?

Indes liegen die Pläne für das geplante Nachwuchs-Leistungszentrum in der Pauliner Marsch aktuell auf Eis. Schuld ist das Corona-Virus, das es dem Verein unmöglich macht, die für den Bau notwendigen Gespräche zu führen. Der Mediator etwa, der zwischen Werder und Anwohnern sowie Beiratsvertretern, die dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen, vermitteln soll, befände sich zwar in Gesprächen, so Hess-Grunewald. Doch nicht alle Anliegen seien per Telefon zu klären.

Finanzierung ist ungeklärt

Ein weiteres Problem stellt die ohnehin fragliche Finanzierung des Projekts dar. Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) signalisierte bereits Ende des vergangen Jahres, dass Werder die Kosten für den Bau allein stemmen müsse. Aktuell lässt sich jedoch nicht abschätzen, welche finanzielle Folgen die Corona-Krise für Werder haben wird. Das ist das eine. Das andere ist der sportliche Aspekt: Die Bremer stecken im Abstiegskampf. Dass sie auch in der kommenden Spielzeit in der ersten Liga auflaufen, ist mehr als ungewiss. Fakt ist daher auch: "Im Falle eines Abstiegs wäre das Projekt deutlich schwieriger zu realisieren", so Hess-Grunewald. Schließlich hätte Werder in diesem Szenario andere Sorgen, als mit den Spitzenklubs der Bundesliga auch zukünftig auf Augenhöhe zu bleiben.

Werder-Kapitän Moisander über Gehaltsverzicht und Corona-Krise

Video vom 24. März 2020
Der Kapitain von Werder Bremen Niklas Moisander bei einer Pressekonferenz im Weserstadion

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 25. März 2020, 18:06 Uhr