Werders Schattenmann

Theodor Gebre Selassie hat gerade sein 200. Bundesligaspiel für Werder gemacht, doch im Mittelpunkt stehen meist andere. Dabei ist der Tscheche "Mr. Zuverlässig".

Gebre Selassie stützt bei einer Pressekonferenz nachdenklich die Hand ans Kinn.
Stille Wasser sind tief: Theodor Gebre Selassie ist kein Lautsprecher, aber für Werder eine wichtige Konstante im Team. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Er hätte der Held des Abends sein können. Werders Retter vor einem mauen Remis gegen Stuttgart, das die Bremer nicht weiterbrachte. Aber als Theodor Gebre Selassie in der 79. Minute im Strafraum hochstieg, nickte der Tscheche den Eckball knapp neben das VfB-Tor. Es blieb beim 1:1. Und Gebre Selassie wurde zum Unglücksraben statt zum Helden.

Gebre Selassie steigt im Spiel gegen Stuttgart im Strafraum zum Kopfball hoch.
Hoch oben, aber mit Pech: Gebre Selassies (2. von links) Kopfball trifft nicht das Stuttgarter Tor. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dabei ist er eigentlich ein Kopfballungeheuer. Elf seiner 17 Treffer, die er während seiner Zeit bei Werder Bremen seit 2012 beisteuerte, erzielte er per Kopf. Doch hauptberuflich ist Gebre Selassie eigentlich nicht fürs Toreschießen engagiert worden, sondern fürs Verteidigen. Und das macht er so konstant und so gut, dass die Partie am Freitagabend bereits sein 200. Bundesliga-Spiel für Werder Bremen war – nicht viele Spieler können so eine Bilanz im Verein vorweisen.

"Macht mich stolz und glücklich"

"Es macht mich persönlich sehr stolz und glücklich, dass ich so eine Zahl erreicht habe", sagte Gebre Selassie. Dass der 32 Jahre alte Tscheche schon so lange bei Werder ist, war erst mit dem Jubiläum so richtig aufgefallen. Denn Gebre Selassie ist kein Lautsprecher. Keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Er fällt nicht auf, aber er ist immer da. Weniger Ausfallzeiten hat wohl kaum ein aktueller Werderaner, und auf Gebre Selassie ist immer Verlass. Er macht seinen Job, aber im Mittelpunkt stehen meist andere.

Für Trainer Florian Kohfeldt war die 200er-Marke aber Grund genug, den stillen Tschechen mal herauszuheben. "Diese Zahl ist ein Zeichen von enorm hoher Konstanz und Qualität", lobte Kohfeldt, "er ist inzwischen ein echter Werderaner." Und hat nun Werderaner überflügelt, die Kultstatus im Verein genießen, wie Tim Wiese (194 Einsätze) oder Wynton Rufer (174). "Theo ist ein sehr unterschätzter Spieler", fügte Kohfeldt noch hinzu, "dabei ist er sehr verlässlich und besitzt trotzdem Offensivqualitäten."

Wie lange noch ein Grün-Weißer?

Gebre Selassie grinst verschmitzt während einer Pressekonferenz.
Bleibt er weiter bei Werder? "Es wird bald ein Zeitpunkt kommen, wenn wir es verkünden." Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Gebre Selassies Vertrag wird sich nach einer bestimmten Anzahl von Einsätzen in dieser Saison automatisch um ein Jahr verlängern. Die dürfte der Tscheche fast erreicht haben, trotzdem ist noch nichts offiziell. Werder will ihn jedoch halten, das steht fest. Robert Bauer sollte ihn auf der rechten Seite eigentlich sukzessive verdrängen, doch inzwischen ist der Verteidiger ausgeliehen und Gebre Selassie immer noch da. Auch Felix Beijmo, der perspektivisch als Nachfolger geholt wurde, braucht noch viel Zeit. Gebre Selassie bleibt also, doch wie lange noch? So lange, dass er Claudio Pizarro mit derzeit 224 Einsätzen für Werder noch überholen kann?

"Ich würde gerne bleiben, aber die Entscheidung liegt nicht bei mir allein", sagte Gebre Selassie, "irgendwann kommt mein Sohn in die Schule und dann müssen wir sehen, ob hier oder in Tschechien." Er schaute etwas wehmütig drein. Schließlich hatte er eine Weile gebraucht, sich in Bremen einzugewöhnen, und nach jahrelangem, zähen Abstiegskampf durfte er endlich eine sorgenfreie Saison genießen. Von Werder wegzugehen, würde ihm schwerfallen. Und den Bremern wird wohl erst nach seinem Abschied wirklich aufgehen, was sie an ihrem "Mr. Zuverlässig" gehabt haben.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Februar 2019, 18:06 Uhr