Das war los beim Werder-Empfang auf dem Freimarkt

Platz drei nach acht Spieltagen und sogar vor den Bayern: Werder hat endlich mal wieder etwas zu feiern auf dem Freimarkt.

Die beiden Werder-Spieler Martin Harnik und Max Kruse vor einer grünen Stellwand im Partnerlook.

Volle Hütte im Hansezelt: Werder hatte zum Sponsoren- und VIP-Abend geladen und rund 320 Gäste sind gekommen, darunter auch Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Doch die meisten Fans, die sich neben dem abgesteckten Werder-Bereich tummelten, wollten vor allem die Spieler und das Trainerteam sehen – doch von der Mannschaft waren nur vier Spieler dabei. Max Kruse, Martin Harnik, Theo Gebre Selassie und Fin Bartels vertraten das Team beim Smalltalk mit Sponsoren und Gästen, aber alle vier sind echte Freimarkt-Fans. "Die Spieler haben heute trainiert und regeneriert. Von daher war es kein Termin für die gesamte Mannschaft. Aber die, die da sind, haben sich freiwillig gemeldet", erklärt Trainer Florian Kohfeldt.

Mit dabei Verteidiger Gebre Selassie und der geht auf Nummer sicher: "Ich bin extra mit dem Auto gekommen. Ich weiß, dass es sonst gefährlich werden kann." Am Donnerstag hat Werder frei und der Tscheche will dann gleich mit seiner Familie wiederkommen.

Ich liebe das komplette Freimarkts-Programm. Ich fahre Karussell, sündige gern mal mit Schmalzkuchen und gebrannten Mandeln und ein Bier darf es auch mal sein.

Martin Harnik, Stürmer Werder Bremen

Harnik, der seine Volksfest-Qualitäten ja schon mit Tanzeinlagen auf dem Fußballplatz unter Beweis gestellt hat, fühlt sich auf dem Freimarkt richtig wohl. Wenn er Zeit hat, nehme er alles mit: Fahrgeschäfte, Schmalzkuchen und auch mal ein Bier. Dieses Mal aber nicht: "Ich komme gerade aus einer Muskelverletzung, da werde ich sicher langsam machen mit dem Alkohol", sagt Harnik. Und sowieso: Professionalität ist offenbar das Mantra des Abends. Keiner will Werders guten Lauf durch laxe Freimarkt-Abende gefährden. "In so einer Phase will man nichts schleifen lassen, weil man so gierig auf den Erfolg ist", erklärt Fin Bartels, der genau wie seine Kollegen auch mit dem Auto gekommen ist.

Geschäftsabend statt Schunkelrunde

Früher kam noch die ganze Werder-Mannschaft ins Bayernzelt, neue Spieler mussten auf der Bühne singen, der Kontakt zu den Fans war etwas näher. Marco Bode, heute Vorsitzender des Aufsichtsrates, kennt das Programm. "Um ehrlich zu sein, war das schon sehr anstrengend als Spieler, man wurde ständig rumgeschubst", erinnert sich Bode: "Heute ist das gezwungenermaßen anders, weil die Aufmerksamkeit einfach viel größer ist. Für Fußball-Teams auf Volksfesten sind Foto-Handys keine gute Erfindung."

Mal lange aufbleiben und feiern ist kein Problem. Aber wir gehen feiern, wenn es was zu feiern gibt.

Florian Kohfeldt, Trainer Werder Bremen

Und auch privat wird die Mannschaft in diesem Jahr wohl nicht zusammen auf den Freimarkt gehen. Der Spielplan macht mit der Partie am Sonntag und der folgenden englischen Woche mit dem Pokalspiel am Mittwoch einen Strich durch die Rechnung. "Vielleicht klappt es ja spontan", meint Kapitän Max Kruse. Er selbst ist auf jeden Fall Freimarkts-Fan. Sein Lieblingskarussell: der "Commander".

Trainer Kohfeldt hält es eher mit der Achterbahn – aber nur in einem Freizeitpark. "Bei den Achterbahnen auf einem Volksfest habe ich einfach ein ungutes Gefühl, wenn die immer auf- und abgebaut werden. Obwohl die bestimmt total sicher sind", so Kohfeldt. Auch sein Co-Trainer Tim Borowski weiß genau, was er will und was nicht. "Ich bin gerne mit der Familie hier und fahre auch diverse Fahrgeschäfte – aber nicht die Wilde Maus."

Mit dem derzeitigen Tabellenstand und der Euphorie werde ich ein Bierchen mehr trinken und mit dem Taxi nach Hause fahren. Das ist der Plan.

Jürgen L. Born, ehemaliger Werder-Boss

Guter Lauf, gute Stimmung, doch alle Werder-Verantwortlichen betonen trotz Feierlaune: Bloß nicht abheben. "Ich werde jetzt sicher nicht die Sau rauslassen. Wir haben noch nichts erreicht", sagt Bode. "Jetzt wollen wir weitermachen, das spüre ich auch in der Kabine. Die Jungs freuen sich, wenn die Woche zu Ende ist, ein Spiel kommt und es weitergeht", betont Kohfeldt. Dass eine Fußball-Saison auch eine Achterbahnfahrt sein kann, weiß Kapitän Kruse. "Das sind Momentaufnahmen, genau wie es letztes Jahr eine Momentaufnahme war. Schauen wir mal, wie lange wir da oben stehen." Doch immerhin: Für den Moment können Werder-Fans mal richtig genießen und beim Freimarkt feiern statt Frust schieben.

  • Maike Albrecht

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 24. Oktober 2018, 18:06 Uhr