Pizarro, Werders phänomenaler Dauerbrenner

Gegen Freiburg traf er zwar nicht selbst, doch irgendwie war Claudio Pizarro Werders Matchwinner. Lob gab es von allen Seiten für den Oldie – der sich unverzichtbar macht.

Pizarro bejubelt ausgelassen und kämpferisch die Führung gegen Freiburg.
Drei Torchancen und die Mitspieler mitgerissen: Claudio Pizarros Einwechslung gegen Freiburg hatte sich bezahlt gemacht. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Sich selbst zu loben, das ist nicht so Claudio Pizarros Ding. Also ließ er am Samstag nach dem Abpfiff im Weser-Stadion erst einmal andere reden. Davy Klaassen zum Beispiel. "Das ganze Stadion brennt, wenn Claudio reinkommt", schwärmte der Niederländer bei Sky. Und Pizarro, der neben ihm stand, grinste verschmitzt. "Er gibt uns ein gewisses Vertrauen", fügte Klaassen hinzu: "Er ist einfach super wichtig für uns."

Wie wichtig, demonstrierte der 40 Jahre alte Peruaner in den 30 Minuten, die er gegen Freiburg mitspielte. Wobei ein Claudio Pizarro nicht nur mitspielt, er gibt den Ton an. Sofort gestikulierte er seinen Mitspielern, gab taktische Anweisungen und riss mit seiner Energie jeden mit – ob auf dem Rasen oder auf der Tribüne.

Claudio ist ein wahnsinniges Phänomen. Wenn er eingewechselt wird, verändert er die Statik des Spiels. Ihn einzuwechseln, verändert alles.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei Sky über Claudio Pizarro

Drei Torchancen, aber kein Glück

Pizarro fixiert im Spiel gegen Freiburg mit weit aufgerissenen Augen im Zweikampf den Ball.
Voller Fokus auf den Ball: Claudio Pizarro ist immer zu 100 Prozent bei der Sache. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Als Pizarro in der 63. Minute für Yuya Osako reinkam, da stand es noch 0:0 und das Spiel auf der Kippe. Und die Bremer Profis wurden langsam unruhig. "Zum Glück haben wir ja diesen jungen Peruaner auf der Bank sitzen", meinte Kohfeldt mit einem Augenzwinkern: "Den haben wir gebracht, dann hatten wir wieder mehr Ruhe auf dem Platz." Für die Freiburger wurde es dagegen zunehmend unruhig. Denn Pizarro wirbelte über die Flügel, als sei er gerade einem Jungbrunnen entstiegen. Und er bereitete die Torchance, die Klaassen in der 76. Minute zur 1:0-Führung verwandelte, mit der Eröffnungsflanke in den Strafraum quasi vor. "Wir brauchten Claudio, um vorne mehr flanken zu können und eine weitere Anspielstation zu haben", lobte Maximilian Eggestein.

Pizarro hätte auch selbst Treffer beisteuern können zu Werders 2:1-Sieg – zwei Chancen vereitelte der Freiburger Keeper Alexander Schwolow mit starken Paraden, bei der dritten spitzelte Pizarro den Ball um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. "Claudio hatte drei gefährliche Chancen", resümierte Eggestein: "Mit ein bisschen mehr Glück macht er da die Tore. Er hat eine unglaubliche Präsenz, und die Zuschauer gehen da noch einmal ganz anders mit. Das bringt einen schon weiter."

Sieg mit Hilfe der Pizarro-Aura

Dieses Mal war es also die Pizarro-Aura, die Werder zum Sieg verhalf. Und auf seine Art war das Schlitzohr an diesem Nachmittag der Matchwinner für die Bremer. "Ich möchte Claudio heute ein großes Kompliment aussprechen", betonte Kohfeldt: "Für seine Lebensleistung, aber auch dafür, wie er uns immer noch hilft. Er war heute der Schlüssel." Zuletzt war Pizarro mit einer muskulären Verletzung ausgefallen, doch er rackert unermüdlich für seine Fitness und schnelle Genesung. Nichts ist ihm zu beschwerlich, um weiter dabei sein zu können. Um weiter das zu tun, was er liebt. Und um weiter für Werder wertvoll zu sein.

Mir fehlen häufig die Worte für Claudio. Er war zwischendurch drei Wochen verletzt, dann kommt er wieder. Er macht die Mitspieler besser. Er gibt dem ganzen Stadion das Gefühl, jetzt passiert wieder was. Ich bin sehr froh, ihn mindestens dieses Jahr noch bei uns zu haben.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt über Claudio Pizarro

Momentan ist es schwer vorstellbar, dass sich die Wege am Saisonende trennen werden. Pizarro hat bewiesen, dass er trotz seines Methusalem-Alters auf vielen Ebenen schwer verzichtbar für Werder ist. Einen wie Pizarro brauchen sie, vor allem für die besonderen Momente. Die stehen Werder in den kommenden zehn Tagen gleich doppelt bevor – gegen Bayern München. Mit dem Rekordmeister hat Pizarro alles gewonnen, was es im Vereinsfußball zu gewinnen gibt. Doch nun ist sein Herz durch und durch grün-weiß und das Ziel klar: "Jetzt sind wir auf jeden Fall bereit für die beiden Spiele gegen die Bayern", betonte Pizarro: "Wir wollen in der Liga punkten, am besten gewinnen. Und im Pokal wollen wir ins Finale." Die Ausgangslage spricht gegen die Bremer, doch es dem Phänomen Claudio Pizarro geschuldet, dass man ihm einfach glauben möchte.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 13. April 2019, 18:45 Uhr