Kohfeldt: "Es gibt kein Netz und keinen doppelten Boden mehr"

Für Werders Trainer Florian Kohfeldt hat die Nachholpartie gegen Eintracht Frankfurt "Finalspielcharakter". Die katastrophale Heimbilanz seiner Mannschaft "wurmt" ihn.

Florian Kohfeldt schaut in die Höhe.
Nach zuletzt sieben Punkten aus drei Spielen hat Werder-Coach Florian Kohfeldt den Klassenerhalt wieder im Blick. Bild: Gumzmedia/Pool/Nordphoto | Andreas Gumz

Am letzten Spieltag der Saison 2015/16 war Bremen im grün-weißen Ausnahmezustand. Werder musste sein Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten Eintracht Frankfurt gewinnen, um in der Bundesliga zu bleiben. Unter dem Motto "Green White Wonderwall" peitschten die Fans das Team von Coach Viktor Skripnik nach vorne. Zwei Minuten vor Abpfiff fiel das erlösende 1:0. Kurz darauf strömten die jubelnden Zuschauer auf den Rasen des Weser-Stadions.

Werders damaliger Co- und jetziger Cheftrainer Florian Kohfeldt hat die "befreienden Glücksgefühle" von damals noch in guter Erinnerung: "Ich war ziemlich jung, ziemlich nervös und hatte eine sehr unruhige Nacht im Hotel hinter mir", erzählte der 37-Jährige bei der Pressekonferenz am Tag vor dem Nachholspiel gegen Frankfurt. Zwar sei die Ausgangssituation eine vollkommen andere als vor vier Jahren. Dennoch habe die Partie am Mittwoch (20.30 Uhr) "Finalspielcharakter".

Morgen ist nichts, was uns endgültig in irgendeiner Form retten kann. Wir sind nach wie vor hinten dran und müssen alles tun, um dieses Spiel zu gewinnen. Natürlich sind wir unter Zugzwang. Aber das sind wir seit mindestens vier Spielen. Es gibt kein Netz und keinen doppelten Boden mehr.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Auch wenn der Vorsprung der Eintracht auf den von Werder ersehnten Relegationsrang 16 nur fünf Zähler beträgt, sind die Frankfurter laut Kohfeldt raus aus dem Kampf um den Klassenerhalt. "Sie haben eine hohe Kaderqualität, ich sehe sie nicht als Konkurrenten." Für das direkte Duell der beiden Teams am Mittwoch erwartet er ein "physisches Spiel", in dem Frankfurt mit "Wucht kommen" und "Stress machen" werde. Eines, das eher mit dem ausgeglichenen Aufeinandertreffen mit Gladbach zu vergleichen sei und weniger mit der ersten Halbzeit auf Schalke, als Werder das Spielgeschehen nach Belieben dominierte.

Wenngleich das Spiel der Grün-Weißen in den vergangenen Partien nicht immer "schön oder berauschend" gewesen sei, brauche es eine ähnliche Leistung wie zuletzt, um auch gegen die Hessen zu bestehen. Defensiv sei seine Mannschaft im Vergleich zu den Spielen vor der Corona-Pause jedenfalls wesentlich mutiger geworden, was zur Folge habe, dass auch das Umschaltspiel besser funktioniere. "Es ist sehr entscheidend für uns, dass wir mal einen Konter mitnehmen können, ohne dass es gleich hinten brennt."

Rashica und Bittencourt sind fit

Beide Siege, die Werder nach dem Neustart der Bundesliga feierte, gelangen auswärts. Was nicht verwundert, schließlich stellen die Bremer ligaweit die schlechtestes Heimmannschaft: Ganze sechs Punkte holten die Grün-Weißen im Weser-Stadion. Der letzte und auch einzige Heimerfolg der Saison – ein 3:2-Sieg gegen Augsburg – liegt inzwischen mehr als neun Monate zurück.

Das wurmt natürlich. Aber wo wir die Punkte holen, ist mir egal. Hauptsache wir holen genug.

Werder-Coach Florian Kohfeldt

Personell kann Werders Trainer – abgesehen von den Langzeitverletzten – so gut wie aus dem Vollen schöpfen. "Alle Spieler, die im Kader für Schalke waren, werden spielen können", erklärte der 37-Jährige. Definitiv mit von der Partie sind somit auch die am vergangenen Wochenende verletzt ausgewechselten Leonardo Bittencourt und Milot Rashica.

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Video vom 27. Mai 2020
Der Himmel hinterm Weserstadion ist gelb. Einige Personen spazieren an der Weser.

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Juni 2020, 18:06 Uhr