Werder übt sich in Demut

Trotz steigender Formkurve: Vor dem Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt dämpfen die Bremer die Euphorie. Dabei haben sie mit den Hessen noch eine Rechnung offen.

Werders Spieler schlendern nach dem Aufwärmen vom Platz
Im heimischen Weser-Stadion wartet Werder seit elf Partien auf einen Sieg. Bild: Gumzmedia/Nordphoto/Pool | Andreas Gumz

Mit dem 1:0-Erfolg bei Schalke hat Werder drei Big Points im Kampf um den Klassenerhalt geholt. Die Bremer waren sogar so etwas wie der Gewinner des 29. Spieltags. Denn abgesehen von Frankfurt, das seine Partie ebenfalls gewann, unterlagen alle Teams, die noch in Reichweite der Bremer liegen: Sowohl Augsburg als auch Mainz verloren knapp, Union Berlin und Düsseldorf kassierten jeweils deftige Klatschen. Was für die Grün-Weißen bedeutet, dass sie mit einem Dreier im Nachholspiel zu Hause gegen Frankfurt (Mittwoch, 20:30 Uhr) auf Relegationsrang 16 vorstoßen würden. Zudem wären sie punktgleich mit dem Tabellen-15. aus Mainz. Trotz der nach langer Zeit mal wieder eher rosigen Aussichten üben sich Werders Verantwortliche in Demut.

Das Problem ist: Wir sind immer noch hinten dran. Wir waren in einer dramatischen Ausgangssituation – und in der sind wir immer noch. Deshalb kann ich mir von einem Stimmungsumschwung am Ende nichts kaufen. Ich kann mir nur etwas davon kaufen, wenn wir am Ende in dieser Liga sind.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem 1:0-Sieg auf Schalke

Katastrophale Heimbilanz

Ähnlich sieht es Marco Bode: "Wir haben jetzt noch nichts erreicht, deswegen bin ich auch weit weg davon zu denken, das wird schon", sagte Werders Aufsichtsratsvorsitzender am Samstag bei "Wontorra – der Fußball-Talk". Tatsache ist jedoch: Die Formkurve zeigte zuletzt wieder steil nach oben. Während das Team in den ersten 25 Partien nur 18 Zähler verbuchte, sammelte es in den vergangenen drei Spielen ganze sieben Punkte. Weiterhin sind die Bremer seit 282 Minuten ohne Gegentor. Eine Zu-Null-Serie, die dem Verein letztmals vor sechs Jahren gelang. Eine andere Serie sollten die Grün-Weißen hingegen so schnell wie möglich beenden: Seit elf Spielen ist Werder im Weser-Stadion ohne Sieg. Der letzte Heimerfolg, damals noch vor gefüllten Rängen, liegt bereits mehr als neun Monate zurück. Im September 2019 bezwangen die Bremer den Gast aus Augsburg mit 3:2.

Niklas Füllkrug steigt hoch zum Kopfball
Werders letzter Heimsieg (ein 3:2-Erfolg gegen Augsburg) liegt schon neun Monate zurück. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Obwohl die Regenerationszeit zwischen den Spielen aktuell wesentlich kürzer ausfällt, als es die Mannschaft gewohnt ist, bringen die englischen Wochen auch einen Vorteil für Werder mit sich: Das Team bleibt fokussiert und hält die Anspannung aufrecht. Ist die eine Partie vorbei, steht schon die nächste an. Ablenkung ist nur schwer möglich, was vor allem in einer Phase, in der es läuft, von Vorteil ist. Das Nachholspiel steigt daher zu einem eher günstigen Augenblick. "Es geht darum, im Tunnel zu bleiben und Mittwoch wieder alles rauszuhauen", sagte Kohfeldt.

Umstrittenes 0:2 im Pokal

Beim kommenden Gegner zeigte die Formkurve nach mehreren schwachen Auftritten zuletzt wieder nach oben. Auf ein spektakuläres 3:3-Remis unter der Woche gegen Freiburg folgte am vergangenen Samstag ein 2:1-Sieg gegen Augsburg. Die Hessen reisen also mit breiter Brust an den Osterdeich. Zumal sie den letzten Vergleich mit Werder für sich entschieden haben: Anfang März verloren die Bremer im Viertelfinale des DFB-Pokals in hitziger Atmosphäre auswärts mit 0:2. Für Aufsehen sorgte zum einen ein erst nach Eingreifen des Videoschriedsrichters gegebener Elfmeter für die Einracht. Zum anderen musste Werders Ömer Toprak nach einem so unnötigen wie brutalen Tritt von Filip Kostic in der Nachspielzeit schwer verletzt vom Platz getragen werden. An Motivation sollte es Kohfeldts Schützlingen beim Wiedersehen am Mittwoch also aus mehreren Gründen nicht mangeln.

Frankfurt ist auch noch nicht raus aus dem Abstiegskampf. Uns erwartet ein Gegner, der sehr über die Physis kommt und uns alles abverlangen wird. Wir müssen 100 Prozent geben. Wir haben es selbst wieder in der Hand und können uns eine gute Ausgangsposition für die letzten Spiele erarbeiten.

Werder-Verteidiger Sebastian Langkamp im "Werder Strom Talk"

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Video vom 27. Mai 2020
Der Himmel hinterm Weserstadion ist gelb. Einige Personen spazieren an der Weser.

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 02. Juni 2020, 18:06 Uhr