Werder taumelt zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von wegen Europa-Träume, Werder hat einen glatten Fehlstart hingelegt. Besonders eklatant dabei ist die Standard-Schwäche. Aber Trainer Kohfeldt gibt sich trotzig.

Die enttäuschten Werder-Spieler applaudieren den Fans nach dem Spiel.
Quo vadis, Werder? Nach zwei Niederlagen und sechs Gegentoren sind die Bremer von den eigenen Ansprüchen weit entfernt. Bild: Imago | Nordphoto

Am Ende sanken sie der Reihe nach auf dem Rasen nieder, fassungslos und tief enttäuscht. Dann rappelten sich die Werder-Spieler wieder auf und gingen in Richtung ihrer mitgereisten Fans. Spaß macht das nach einer Niederlage nie, das bittere 2:3 gegen Hoffenheim war da keine Ausnahme.

Doch der Bremer Anhang blieb gnädig, böse Pfiffe gab es nicht. Vielmehr schienen die Fans ebenso ratlos über das, was sie da mitangesehen hatten, wie die Spieler selbst. Die zweite Niederlage der Saison, null Punkte und sechs Gegentore – Werders Bilanz ist ernüchternd und ein klarer Fehlstart. Die Bremer hatten wieder Europa als Ziel ausgegeben, aber nun findet sich die Elf von Florian Kohfeldt erst einmal auf dem 15. Tabellenplatz wieder.

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Schon wieder ein missglückter Saisonstart

Neu ist dieses schale Gefühl zum Beginn der Saison nicht für Werder. Schließlich hatte man zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren die ersten beiden Spiele verloren. Doch dieses Mal schienen die Aussichten eigentlich vielversprechender: Die Mannschaft war fast komplett zusammengeblieben, Automatismen und Laufwege mussten also nicht mehr groß einstudiert werden. Und mit Kohfeldt hat man einen Coach, dessen Konzept überzeugt und der den richtigen Ton trifft. Doch nach den beiden Spielen gegen Düsseldorf und Hoffenheim ist klar, dass die Bremer Mannschaft noch nicht so weit ist wie gedacht.

Kohfeldt hat offensichtlich sich und seine Mannschaft brutal überschätzt. Stand jetzt, geht es um den Klassenerhalt und das wird mit dieser erbärmlichen Defensive und dieser Zuordnung bei Standards eine Megaaufgabe. Was machen die eigentlich im Training?

Lars Knackstedt - 24. August 2019, 17:34 Uhr.

Eklatante Standard-Schwäche

Besonders eklatant dabei: die Schwäche nach Standards. Gegen Düsseldorf kassierten die Bremer ein Tor nach einer Ecke, gegen Hoffenheim sogar zwei. In der 54. Minute ist es Ermin Bicakcic, der Kapitän Niklas Moisander sehr unglücklich aussehen lässt. Pavel Kaderabek hat es dann in der 87. Minute noch leichter – den lassen die Bremer gleich mutterseelenallein im Strafraum stehen. Werder im kollektiven Tiefschlaf, viel brauchten die Hoffenheimer gar nicht machen.

Bei den Standards hat uns die Konzentration gefehlt. Solche Fehler darf man nicht machen. Standards sind eigentlich am einfachsten zu verteidigen.

Werder-Profi Kevin Möhwald

Auch in der Chancenausbeute waren die Kraichgauer sogar noch effektiver als die die Düsseldorfer vor einer Woche: drei Schüsse, drei Treffer. Bei Werder wurde es im Vergleich zur Vorwoche und dem einen Tor bei 25 Schüssen zumindest statistisch besser: fünf Torschüsse, zwei Treffer.

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Neue Handspielregel nervt Werder

Und gäbe es die neue Handspielregel nicht, dann hätte auch Niclas Füllkrugs zweites Tor für Werder gezählt. So aber musste der neue Stürmer konstatieren: "So ein bisschen läuft es momentan gegen uns." Ein schlechter Saisonstart sei es, betonte Füllkrug, und auch Nuri Sahin hielt ihn für alles andere als gelungen. Doch ihr Teamkollege Davy Klaassen wehrte sich: "Von einem Fehlstart würde ich nicht reden."

Werder mühte sich, zumindest verbal die Deutungshoheit zu behalten und das Krisengerede nicht an sich herankommen zu lassen. Wie ein Mantra wiederholten Sahin und Co.: "Wir glauben an unseren Weg." Und den predigte ebenso Kohfeldt, der sich auch dieses Spiel nicht schlecht reden lassen wollte.

Ich sage es nochmal. Unser Weg ist der richtige. Wir haben prinzipiell ein starkes Auswärtsspiel gemacht, aber am Ende bekommen wir zwei Gegentore nach Standards und das darf nicht passieren.

Werder-Coach Florian Kohfeldt

Saisonziel noch korrigieren?

Doch unterm Strich bleibt, dass Werder in einem Spiel, das lange Zeit zerfahren und langatmig war, seine spielerischen Vorteile nicht konsequent umsetzt und nach einer Führung erst einmal verunsichert wirkt. Zudem zu blauäugig und schläfrig in den entscheidenden Situationen – der Fehlstart könnte jedoch ein Weckruf sein. Aber ob Werder seine Saisonziele vielleicht sogar revidieren muss, wird sich erst in einigen Wochen zeigen.

6 Gegentore in 2 Spielen. Was trainiert Kohfeldt? Das wird eine sehr schwere Saison um die Klasse zu halten. Das Gerede von Europapokal ist einfach nur lächerlich Angesichts der Leistungen.

Hermann Wieters - 24. August 2019, 17:58 Uhr.

Kohfeldts Konter zu Krisen-Gerüchten bei Werder

Werder Bremen Cheftrainer Florian Kohfeldt bei der Pressekonferenz vorm Hoffenheim Spiel

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 24. August 2019, 18:45 Uhr