Werders Stotterstart – nicht effektiv und gar nicht clever

Das alte und neue Saisonziel der Bremer heißt Europa. Doch wie in der vergangenen Saison ließ Werder gegen ein Team wie Fortuna Düsseldorf wichtige Punkte liegen.

Florian Kohfeldt hält sich an der Seitenlinie frustriert die Hand vor die Augen.
So hatte Florian Kohfeldt das nicht geplant: Werder konnte zuletzt in der Saison 2013/14 zum Bundesliga-Auftakt gewinnen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Gerade waren jene Minuten im Spiel angebrochen, die der Grund dafür sind, dass eigentlich keine Mannschaft gerne im Weser-Stadion antritt. Jene zehn Minuten nämlich vor dem Abpfiff, in denen die 41.000 Bremer Zuschauer aus ihren Sitzen gehen, ihre Mannschaft so nach vorne peitschen, als gäbe es kein morgen. Jene zehn Minuten, in denen der Gegner die geballte Wucht der grün-weißen Wand zu spüren bekommt, in denen das Stadion zu Werders Festung wird. Jene zehn Minuten eben, in denen die Bremer Spieler noch einmal alles auf Sieg drehen wollen, mit vollem Risiko, egal, wie es stehen mag. Und oft waren sie für ihren Schneid belohnt worden.

Doch am Samstagnachmittag gab es diese mitreißenden Werder-Minuten nicht. Niemand auf dem Spielfeld machte für die Bremer den Antreiber, rüttelte sie noch einmal auf. Überzeugte sie, dass das 1:3 noch nicht das Ende wäre. Kein Maximilian Eggestein, kein Niklas Moisander, kein Nuri Sahin und auch kein Claudio Pizarro. Und auf den Rängen standen viele Fans nur deshalb auf, weil sie das Stadion vorzeitig verlassen wollten. Ein seltenes Bild. Es war eine ungewohnte Atmosphäre, untypisch für Werders Heimspiele. In diesem Kalenderjahr hatten die Bremer noch kein Spiel im Weser-Stadion verloren, nun war die Serie mit der 1:3-Niederlage jäh gerissen – und das gegen eine Mannschaft, die zuletzt 1977 in Bremen gewinnen konnte.

Das ist ein scheiß Anfang. Wir hatten gefühlt 20 Chancen, und die machen aus fünf Chancen drei Tore. Das darf nicht passieren.

Werder-Profi Maximilian Eggestein

Fahrlässige Chancenverwertung

Düsseldorfs Torwart Steffen hält einen Schuss der Bremer fest.
Auch er vereitelte einige gute Werder-Chancen: Düsseldorfs Keeper Zac Steffen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nun war er also da, der leidige Dämpfer, der die Euphorie in der Hansestadt von Champions-League-Träumen gleich mal auf Normalmaß zurechtstutzte. Schon in der vergangenen Saison hatte Werder zu oft auf dem Weg nach Europa gegen die vermeintlich schwächeren Mannschaften wichtige Punkte liegen lassen. Diese Anfälligkeit wollten die Bremer im Sommer nachhaltig bekämpfen, genau wie ihre Fahrlässigkeit bei der Chancenverwertung – 25 Torschüsse und nur ein Treffer. Und der Auftritt gegen Düsseldorf sollte dabei die erste, echte Standortbestimmung für Werder sein – doch er offenbarte, dass man noch nicht so weit ist, wie erhofft.

"Wir werden über Effektivität und Cleverness reden müssen", meinte Trainer Florian Kohfeldt, dem beides bei seinen Spielern fehlte, aber der fast trotzig hinterherschob: "Wir werden jetzt nicht an allem zweifeln." Dennoch gab der Coach zu, dass er "sehr enttäuscht" von diesem Ergebnis sei und Fortuna eben "brutal effektiv" gewesen sei. Direkt nach dem Abpfiff hatte Kohfeldt seine Spieler am Mittelkreis zusammengeholt und eindringlich auf sie eingeredet.

Es war eher etwas Motivierendes. Ich wollte ihnen mit auf den Weg geben, dass zwar die Effektivität gefehlt, aber die Grundrichtung trotzdem gestimmt hat. Dass sie daran nicht zweifeln sollen und wir uns nicht nach einem Spiel verrückt machen. Ich kann schon mal laut werden, aber heute war kein Tag, um sie in den Senkel zu stellen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Zu leichte Gegentore

Dass die Gegentore jedoch viel zu leicht fielen, in einer Partie, die Werder in der ersten halben Stunde eigentlich kontrollierte, monierte auch Kapitän Niklas Moisander. "Das darf uns nicht passieren", betonte der finnische Abwehrchef, "wir haben gut begonnen, aber nach dem 0:1 war es plötzlich schwer. Und nach dem 1:2 konnten wir nicht mehr richtig pushen."

Dass sich Moisander erst in wenigen Trainingseinheiten mit seinem neuen Nebenmann Ömer Toprak einspielen konnte und dieser nach einem Zusammenprall in der ersten Halbzeit angeschlagen war, machte die Sache nicht besser. Kohfeldt sprach davon, dass bei 25 Torchancen die Wahrscheinlichkeit höher gewesen sei, dass seine Mannschaft das Spiel gewinnt. Doch wie es sein kann, dass einem Team aus erfahrenen Profis keine cleveren Tricks einfallen, um den Ball irgendwie über die vermaledeite Linie zu drücken, ließ auch Kohfeldt an diesem Tag etwas ratlos zurück. Hinten noch in der Findungsphase und vorne nicht abgezockt genug – in Hoffenheim wird sich am Samstag zeigen, ob sich der stotternde Auftakt doch noch zu einem Fehlstart auswächst.

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Ein Fußball, der in einem Tor liegt.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 17. August 2019, 19:30 Uhr