Diesen Pizarro kann Werder nicht gehen lassen

Gegen Dortmund war Claudio Pizarro der Mann des Spiels. Ob der 40-Jährige bei Werder bleibt, ist unklar – doch Trainer Florian Kohfeldt rutschte der Zeitplan heraus.

Pizarro reckt beim Torjubel martialische die Arme empor.
Furiose 30 Minuten: In seinem 470. Bundesliga-Spiel erzielte Claudio Pizarro seinen 196. Treffer. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Lothar Matthäus ist eigentlich hart im Nehmen, doch die empfindlich kühlen Temperaturen am Samstagabend in Bremen waren dem Rekordnationalspieler dann doch zuviel, und er schlich sich von seinem Co-Kommentatorenplatz immer wieder kurz hinein ins Warme und rieb sich die fröstelnden Hände. Doch in der zweiten Halbzeit im Weser-Stadion, da kam einer rein, der nicht nur Matthäus, sondern allen Zuschauern das Herz erwärmte: Claudio Pizarro.

Er hatte es wieder einmal geschafft, dieser unverwüstliche Tausendsassa, dieses ausgebuffte Schlitzohr – Pizarro kam und die Statik dieses für Werder bis dahin so unerfreulich verlaufenden Spiels änderte sich schlagartig. Keiner hat diese Präsenz, die Pizarro ausstrahlt. Keiner vermag seine Mitspieler und das Publikum so mitzunehmen wie der 40 Jahre alte Peruaner. Und Pizarro traf, zum 2:2-Ausgleich sogar, und rettete Werder damit einen Punkt. 30 Minuten reichten Pizarro, um den Dortmundern im Titelrennen noch ein Bein zu stellen.

"Habe den Jubel einfach auf mich projiziert"

Pizarro bedankt sich nach dem TV-Interview auf dem Rasen bei den Werder-Fans.
Mit "Pizarro"-Sprechchören der Fans auf dem Weg zum Interview: Claudio Pizarro. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Und der oft so kritische TV-Experte Matthäus geriet bei Pizarro so ins Schwärmen wie ein Teenager von seiner Lieblings-Boyband. Am liebsten hätte er Pizarro nach dem Rausch der Schlussphase wohl umarmt, beließ es dann aber bei der sprudelnden Lobhudelei. Pizarro legte Matthäus daraufhin die Hand auf die Schulter, grinste ihn so verschmitzt an, wie es eben nur Pizarro vermag und sagte ganz trocken: "Weißt du, das ist mein Job, Lothar." Der Mann des Abends hatte also auch noch die Pointe des Abends parat.

Als Pizarro nach einer Stunde eingewechselt wurde, lag Werder mit 0:2 hinten und hatte nicht sonderlich gut gespielt. Doch nun kam der Edel-Joker, der Entscheider – und das Weser-Stadion stand Kopf. Kevin Möhwald wurde gemeinsam mit Pizarro eingewechselt und meinte später mit kessem Grinsen: "Das war schön, ich habe den Jubel im Stadion einfach mal auf mich projiziert." Geholfen hatte es, denn Möhwald brachte mit seinem Schuss Keeper Roman Bürki derart in die Bredouille, dass dieser slapstickartig patzte und das 1:2 rein ließ (70. Minute).

"Werden es vor dem letzten Heimspiel wissen"

Nur fünf Minuten später brachte Pizarro dann mit dem Ausgleich das Stadion zum Kochen. Beinahe hätte Werders Evergreen sogar den Siegtreffer erzielt, doch es sollte nicht sein. "Leider haben wir nicht gewonnen", bedauerte Pizarro, "aber mit dem Unentschieden sind wir auch zufrieden, denn am Anfang haben wir nicht gut gespielt." Doch im Grunde brauchte Werder einen Sieg für das Ticket nach Europa, nun fehlen vier Punkte auf Rang sieben. Pizarro bleibt aber Zweckoptimist: "Wir werden weiter kämpfen, um die Europa League zu erreichen. Wir haben noch zwei schwierige Spiele, in Hoffenheim und hier gegen Leipzig. Aber wir werden es versuchen."

Pizarro verteilt Kusshände an die Werder-Fankurve.
Fan-Liebling Nummer eins: Claudio Pizarro. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ob es seine letzten Spiele in der Bundesliga, seine letzten für Werder sind, ist weiter offen. Aber nach der Gala gegen Dortmund steht eigentlich fest: Diesen Pizarro kann Werder nicht gehen lassen. "Ich habe immer noch Lust, Fußball zu spielen", meinte Pizarro: "Ich werde mich vielleicht nächste Woche mit dem Verein zusammensetzen und dann schauen wir, wie es weitergeht." Das deckte sich auch mit Florian Kohfeldts Zeitplan, der dem Trainer wohl etwas unfreiwillig herausrutschte.

Wenn es seine letzte Saison ist, dann werden wir es vor dem letzten Heimspiel wissen. Dann wird er so verabschiedet werden, wie es einer Legende gebührt. Aber es muss nicht sein, es ist noch nicht entschieden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Damit hatte Kohfeldt im Umkehrschluss also durchblicken lassen: Gibt es beim Saisonfinale gegen Leipzig keine Blumen für Pizarro, dann bleibt er. Und dann könnte er seinen Job noch ein Jahr weitermachen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 4. Mai 2019, 19:30 Uhr