Kohfeldt will keine billigen Ausreden mehr

17 mickrige Punkte, 51 Gegentore und 696 Minuten ohne selbstgeschossenes Tor – der Werder-Coach glaubt vor dem Duell mit Dortmund trotzdem noch an die Wende.

Florian Kohfeldt nachdenklich inmitten seiner Spieler auf dem Weg zum Trainingsplatz.
Gegen Leipzig setzte es für Werder-Trainer Florian Kohfeldt (Mitte) die achte Niederlage im neunten Bundesliga-Spiel. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Florian Kohfeldt schaute einen Moment lang irritiert, dann legte er die Stirn in Falten und meinte: "Moment, das kann doch nicht sein – ich rechne das mal eben nach ..." Doch der Werder-Coach hatte nur die Frage nicht ganz richtig verstanden. Ja, Werder hat in der Rückrunde zwar zwei Tore auf dem Konto, aber das waren geschenkte Eigentore von Düsseldorf und Augsburg. Die Bremer warten tatsächlich bereits seit 696 Minuten auf ein selbstgeschossenes Tor – kein Rechenfehler.

Überhaupt lesen sich Werders Zahlen Woche für Woche schlimmer als die Börsenkurse nach einem Crash. Nur 17 Punkte nach 22 Spieltagen ist Vereinsnegativrekord, mit 51 Gegentoren ist man die Schießbude der Liga und hat dabei schon 15 Treffer bei Standards kassiert. Kohfeldt moderiert diese schwarze Statistik immer noch eloquent und erstaunlich locker weg, doch wirklich hören kann der Coach die ständig wiederkehrenden Fragen auch nicht mehr. Vor allem aber will Kohfeldt vor dem Heimspiel am Samstag gegen Borussia Dortmund (15:30 Uhr) seinen Spielern keine Alibis mehr geben.

Ich habe den Spielern gesagt, dass es für mich eine billige Ausrede ist, zu sagen, es ist ein Kopfproblem. Wir können über Kopfprobleme reden, wenn wir irgendwie verkrampfen würden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Werder ist einfach zu schlafmützig

Auf dem Trainingsplatz erklärt Florian Kohfeldt seinen Spielern etwas, die im Kreis um ihn herumstehen.
Zu schlafmützig? Werder kassierte bereits 15 Gegentore nach Standards. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Doch verkrampft seien seine Spieler eben nicht, ihnen fehle die "Aufmerksamkeit auf die Handlung", wie es Kohfeldt nannte. Er hätte auch schlicht sagen können: Meine Mannschaft ist zu oft im kollektiven Tiefschlaf. Wenn die Reaktionsschnelligkeit fehlt, die letzte Konzentration, dann sind Gegentore eben schnell gefallen. Und mit den eigenen Treffern will es so schlafmützig und ohne echte Konsequenz auch nicht klappen.

Kohfeldt hatte das seinen Spielern unter der Woche "ohne Höflichkeitsfloskeln" mitgegeben, wie er betonte. Obwohl es nichts war, was seine Mannschaft in den vergangenen Monaten nicht schon oft genug erklärt bekommen hätten. So langsam rennt Kohfeldt die Zeit davon. "Wir müssen uns einfach wieder deutlich besser in den Räumen bewegen und die Grundprinzipien unseres Offensivspiels auf den Platz bringen", sagte Kohfeldt. Es sagt sich leicht, seine Spieler tun sich jedoch extrem schwer, die Theorie in die Praxis umzusetzen.

Trotz der vielen Negativerlebnisse, die wir hatten, und trotz der Enttäuschung, die natürlich riesig ist, im Umfeld, aber auch bei uns, ist der Glaube, diese Situation zu bewältigen, bei allen Beteiligten einfach vorhanden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Beendet Selke Werders Torflaute?

Kohfeldt glaubt weiter an die Wende, schließlich habe ihnen das Pokal-Spiel gegen Dortmund "viel Zuversicht" gegeben. Doch der Rausch der Partynacht ist längst zum schalen Katergefühl geworden. Dass Werder wie vor zwei Wochen ein Wunder gegen den BVB schafft, scheint nicht gerade wahrscheinlich. Schon gar nicht, wenn Dortmunds Wunderknabe Erling Haaland weiter Tore wie am Fließband schießt.

Einzig echter Hoffnungsträger für Werder dürfte da Davie Selke sein, der seine Gelb-Sperre abgebrummt hat. Der Rückkehrer hatten das wichtige 1:0 im Pokal gegen Dortmund erzielt und hinterließ in seinen beiden Liga-Einsätzen einen sehr viel wacheren und willigeren Eindruck als so mancher seiner Teamkollegen. "Wir wollen uns zeitnah in der Tabelle vorwärts bewegen", meinte Kohfeldt, schob aber hinterher: "Ob das schon am Samstag möglich ist, müssen wir abwarten." Die Zeit arbeitet gegen Werder.

Werder will gegen Dortmund auch in der Liga überraschen

Video vom 20. Februar 2020
Ein Plakat für das Spiel von Werder Bremen gegen den BVB

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 21. Februar 2020, 18:06 Uhr