Werder vor dem BVB-Duell: Optimismus in stürmischen Zeiten

Beim Abschlusstraining am Freitag wehte zwar ein rauer Wind, doch Werder erhielt mehr Fan-Unterstützung als gewöhnlich. Bleibt das auch nach dem Dortmund-Spiel so?

Video vom 21. Februar 2020
Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson scherzen beim Aufwärmen im Training.
Bild: Imago | Nordphoto

Sie sind also doch noch gefragt. Als die Werder-Spieler am Freitagnachmittag gemeinsam den Trainingsplatz verließen, da standen noch einige Duzend große und kleine Fans Spalier. Gut 150 hatten sogar das Abschlusstraining verfolgt, so viele waren es lange nicht. Manche wollten Autogramme auf ihre mitgebrachten Trikots oder Bälle haben, andere lieber Selfies mit Trainer Florian Kohfeldt oder Stürmer Davie Selke. Claudio Pizarro kam wie immer nur schrittweise voran, wieder und wieder grinste der Peruaner fröhlich in jedes Handy, als wäre Werder auf Titelkurs und nicht auf Talfahrt. Und alle Fans blieben mit einem seligen Lächeln zurück.

Theodor Gebre Selassie machte ein kleines Mädchen besonders glücklich, der Familienvater schrieb ausführlich in ihr Freunde-Buch. Was er bei der Rubrik "Berufswunsch" eintrug, lässt sich allerdings nur raten. Vielleicht war es schlicht: "Bundesliga-Profi in der ersten Liga bleiben."

"Bloß nicht aufgeben"

Die Sorge um ihre Mannschaft war bei den Fans spürbar, die trotz trübem, böigem Wetter zum Weser-Stadion gekommen waren. Die Ultra-Gruppe "L'Intesa Verde" hatte ein großes Banner an den Zaun des Trainingsplatzes gehängt mit der Aufschrift: "Für diese Stadt, unseren Verein und euren Trainer". Bei Kohfeldt war die Botschaft angekommen.

Alle Mails, Nachrichten oder Unterhaltungen im Alltag gehen in die Richtung: 'Bloß nicht aufgeben'. Klar mischen sich Fragen darunter und nach Niederlagen ist Enttäuschung da. Aber das Positiv-Bleiben zeichnet dieses Umfeld und die Stadt aus.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Nur Eggestein und Vogt fehlen

Die Stimmung unter den Spielern war fast schon ausgelassen, es wurde geflachst und geneckt beim Aufwärmen. Doch mit der Lockerheit war es beim kurzen Spiel dann vorbei, die Profis gingen konzentriert und engagiert zu Werke. Aber auch hier glückte längst nicht alles, Yuya Osako machte beim verkorksten Abschluss wieder eine unglückliche Figur. Kohfeldt lässt sich nicht grundlos offen, ob der Japaner in der Startelf stehen wird oder nicht. Tendenz eher nicht.

Während die 22 Profis elf gegen elf spielten, musste Maximilian Eggestein nebendran Einzelschichten schieben. Kurze Sprints, Dribblings und dann auch noch Liegestütze – ob das als kleine Strafe für seine fünfte Gelbe Karte zu verstehen war, blieb ebenfalls offen. Eggestein fehlt also, ansonsten kann Kohfeldt aber am Samstagnachmittag gegen Dortmund zumindest annähernd aus dem Vollen schöpfen. Kevin Vogt fällt mit seiner Knieverletzung noch aus, dafür kehrt der schmerzlich vermisste linke Außenverteidiger Ludwig Augustinsson wieder zurück. Als das Abschlusstraining beendet war, zogen dunkle Regenwolken über dem Weser-Stadion auf. Doch in den stürmischen Zeiten hat Werder die Fans an seiner Seite. Bleibt abzuwarten, ob sich die gefühlte Großwetterlage am Samstagabend noch verändert.

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Video vom 20. Februar 2020
Ein Plakat für das Spiel von Werder Bremen gegen den BVB

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 21. Februar 2020, 18:06 Uhr