3 Werder-Flops zum Auftakt: Musste das Absage-Chaos sein?

Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Bremen statt Spanien – Werder sagte aufgrund von fünf Corona-Fällen das Trainingslager im letzten Moment ab. Das Bild, das der Klub dabei abgab, war wenig souverän.

1 Werder verließ sich auf Schnelltests

Der Mannschaftsbus zur Abfahrt zum Hamburger Flughafen hatte am Sonntagvormittag bereits vor dem Weser-Stadion gewartet – doch dann wurde Werder eiskalt von fünf positiven Corona-Tests erwischt. Hektik, Absage, Chaos folgten. Doch das hätte nicht sein müssen.

Werder-Sportchef Frank Baumann erklärte, dass Spieler und Mitarbeiter sich an Silvester und Neujahr Zuhause selbst testen sollten. Da habe es nach seiner Aussage keinen Grund zur Beunruhigung gegeben. Doch angesichts der um sich greifenden Omikron-Variante stehen die Schnelltests zunehmend im Fokus. Nicht jede Corona-Infektion wird von ihnen noch erkannt.

Werder hätte demnach vorausschauender planen können und müssen und zumindest an Neujahr mit der PCR-Testung beginnen sollen. Dann hätte es keine Last-Minute-Absage des Trainingslagers gegeben, bei der der Verein nicht das souveränste Bild abgab.

2 Werder setzte auf Eigenverantwortung der Profis

Nationaltorhüter Manuel Neuer hockt nun auf den Malediven in häuslicher Quarantäne und auch unter den Werder-Spielern waren Reiseziele unter Palmen über die Feiertage beliebt. Marco Friedl teilte seine Urlaubsfotos aus Dubai dann auch ganz unbedarft bei Instagram. Nun hat sich der Österreicher erneut mit Corona infiziert, doch Baumann verteidigte die Reiselust seiner Profis.

Urlaub ist auch wichtig. Die wenigen Tage in unserer Branche sollte man nutzen, zu entspannen. Am Strand, in der Sonne, an der frischen Luft. Da ist die Ansteckungsgefahr geringer und die Erholung am besten. Daher ist das in Ordnung.

Werder-Sportchef Frank Baumann am Sonntag

Doch frische Luft hin oder her – auf Urlaubsreisen besteht eben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Werder untersagte seinen Angestellten die Reiserei jedoch nicht, sondern beließ es wieder bei Appellen an die Eigenverantwortung.

Sie seien laut Baumann "sensibilisiert" worden, Kontakte zu reduzieren und dass Urlaubsreisen ein Risiko bergen. Aber erhört wurden die freundlichen Hinweise offenbar weniger. Fünf positive Fälle hat Werder nun, zusätzliche Testergebnisse stehen noch aus. Es könnten also weitere Fälle hinzukommen. Die Vorbereitung auf die Rückrunde, die am 15. Januar für die Bremer beginnt, ist somit erheblich gestört.

3 Werder hatte keinen Plan B

In der Hektik vom Sonntag wurde schnell klar: Wirklich durchgeplant hatte Werder jenes doch nicht unwahrscheinliche Szenario, dass das Trainingslager in Bremen würde stattfinden müssen, offenbar nicht.

Denn Trainer Ole Werner, so betonte Baumann, habe die Entscheidung der Reiseabsage natürlich mitgetragen, aber der Nachsatz des Sportchefs am Sonntag sprach dann doch Bände: "Er hat sich sofort Gedanken gemacht, wie die nächsten Tage in Bremen aussehen können."

Es gab also keinen Plan B in Bremen. Man hätte schließlich auch hier ein Hotel buchen und eine Blase schaffen können, wie Werder sie in Spanien haben wollte. Baumann erklärte, man habe sich nun gegen einen Hotelaufenthalt in Bremen entschieden – um im gleichen Atemzug zu betonen, dass für die Spieler Zuhause durch Familie und private Kontakte das Infektionsrisiko natürlich höher sei.

Man hatte auch keine Testspielgegner aus der Umgebung auf Abruf in der Hinterhand, auf die man im Fall der Absage zurückgreifen könnte. Die Sucherei musste also erst losgehen. Für Mittwoch wurde Drittligist Viktoria Berlin gefunden. Ob es ein zweites Spiel gibt, ist offen. Werder wurde kalt erwischt – eine gewisse Naivität ist dem Verein in dieser Situation aber nicht abzusprechen.

Im Urlaub infiziert? Baumann verteidigt Werder-Profis

Bild: Radio Bremen

Mehr zum Thema:

Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 2. Januar 2022, 18:06 Uhr