Werder-Verteidiger Groß: Das Beste kommt am Schluss

Werders Verletzungspech ist sein Glück: Der 30 Jahre alte Christian Groß erlebt seinen späten Karrierehöhepunkt. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Christian Groß lächelt in einer Interview-Situation in die Kamera
Hat gut lachen: Christian Groß erlebt mit 30 Jahren die beste Zeit seiner Karriere. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

"Leck' mich am Arsch, jetzt gibst Du auch noch Interviews!", sagte Nuri Sahin lachend nach dem knapp gewonnenen Spiel an der Alten Försterei gegen Union Berlin (2:1). Die Worte waren an Werders Verteidiger Christian Groß gerichtet, der Sahins Platz am Mikrofon beim Fernsehsender Sky einnehmen sollte. Was für Sahin reine Routine gewesen wäre, war für Groß Neuland. Aber er nahm es mit Humor und kam lächelnd an den Interviewplatz.

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Lächelnd sieht man Christian Groß momentan häufig, er hat viel Grund zur Freunde. Denn er kommt mit seinen 30 Jahren noch einmal ganz groß raus bei Werder. Erstmals stand er in der Bundesliga gegen Augsburg auf dem Rasen. Nun folgte sogar sein Einsatz in der Startelf in Berlin. Dazu nach dem Spiel Lob von allen Seiten. Und Interviews im nationalen Fernsehen darf er jetzt auch noch geben. "Ich lebe gerade ein bisschen meinen Traum", sagte Groß mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

In der Dritten Liga war bisher Schluss

Christian Groß schaut mit dem Ball am Fuß nach seinen Mitspielern.
Beim VfL Osnabrück war Groß Kapitän und trug als Mittelfeldspieler die Zehn. Bild: Imago | foto2press

Es ist ein Traum, der sich für ihn völlig unverhofft erfüllt. Einer, der schon ausgeträumt schien. Denn schaut man auf die Etappen seiner Fußballerkarriere, dann hat die Geschichte des Christian Groß bis zum Sommer dieses Jahres wenig Stoff für Sensationen geboten. Ein solider Verlauf abseits der ganz großen Bühnen, das schon. Aber den Sprung ins Rampenlicht hat er eben nicht geschafft. Über die Dritte Liga kam Groß nie hinaus.

In der Jugend spielte er in Cloppenburg und Osnabrück, dann ging es zum großen HSV in die U19. Groß schaffte es anschließend in die zweite Mannschaft und 2009 auch in die Bundesligamannschaft. Er schnupperte Bundesligaluft. Spielen durfte er aber nicht. Chance nicht genutzt. Enttäuscht musste er nach der Saison zurück in Nachwuchsteam.

Anführer der jungen Wilden

Es folgten Stationen in Lotte, Babelsberg und Osnabrück. Dann der Wechsel 2018 nach Bremen. Verpflichtet wurde er als Stabilisator für die Nachwuchsmannschaft in der Regionalliga. Groß sollte als erfahrener Kapitän einen Haufen von jungen Talenten anführen. Diese Rolle nahm er an und füllte sie in der vergangenen Saison auch aus. 30 Einsätze in der Regionalliga, neun Tore. Mit dem Kapitel Bundesliga hatte Groß längst abgeschlossen.

Ich habe mir im Traum nicht vorstellen können, für das Bundesliga-Team in Betracht zu kommen.

Christian Groß

Nun aber profitiert er vom Pech der anderen. Von den Verletzungen von Niklas Moisander, Ludwig Augustinsson, Sebastian Langkamp, Milos Veljkovic und Ömer Toprak, Werders Stammkräften in der Verteidigung. Schon in der vergangenen Saison hatte Werder mit verletzten Verteidigern große Sorgen. In dieser Saison ist es aber noch schlimmer. Es gibt einfach kein Personal mehr für die Werder-Defensive – Glück für Groß.

Kohfeldt setzt weiterhin auf Groß

Und Glück war es auch, dass Groß mit Werder die gesamte Vorbereitung absolvieren durfte. Kohfeldt entschied sich dafür, den alten Recken statt eines Nachwuchsspielers in die Trainingslager mitzunehmen. Weil Groß "eine gewissen Trainingsqualität garantiert" und man nicht "irgendeinem Jungspieler Hoffnung" machen wollte. Von dieser Vorbereitung mit der Mannschaft profitiert Groß nun bei seinen Einsätzen als Lückenfüller in der Abwehr. Dadurch hat er die nötige Fitness für die Bundesliga und kennt die Abläufe. Besser konnte es nicht laufen für ihn.

Bis zum Winter wird Groß seinen Bundesliga-Traum definitiv noch weiterleben dürfen. Mindestens. Denn Werder-Trainer Florian Kohfeldt hat angekündigt, weiterhin auf den Verteidiger zu setzen. Auch wenn die derzeit verletzten Defensivspieler mit der Zeit zurückkehren werden. "Christian hat mich im Sommer wirklich überrascht", sagte Kohfeldt. "Und er bleibt jetzt in der Trainingsgruppe."

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  • Bastian Mojen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 15. September, 19:30 Uhr