Bricht das Kopfproblem Werder das Genick?

Werder spielt weiter wie vor der Corona-Pause: vorne harmlos, hinten anfällig. Und wiederholt die gleichen Fehler. Dabei hatte man extra Mentaltrainer engagiert.

Enttäuschte Werder-Spieler schauen betreten nach dem Gegentreffer von Leverkusen.
Ratlos und frustriert: Gegen Leverkusen kassierten die Bremer drei Mal auf die gleiche Weise ein Gegentor. Bild: Imago | Poolfoto

Fußball kann so einfach sein. Zumindest, wenn man derzeit gegen Werder Bremen spielt. Flanke, Kopfball, Tor. Flanke, Kopfball, Tor. Flanke, Kopfball, Tor. Das allein reichte Bayer Leverkusen schon, um Werder in die Knie zu zwingen. Ein dummer Abwehrpatzer kann passieren, aber dass Schema F dann gleich drei Mal am Montagabend funktionierte, war erschütternd. Werder spielte, als hätte es die Corona-Pause nie gegeben: vorne harmlos, hinten anfällig. Und immer und immer wieder mit den gleichen Fehlern.

Dass die Bremer nun schon 14 Kopfball-Gegentore kassiert haben, so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr, ist die eine Sache. Aber dass Werder ein ganz offensichtliches Kopfproblem hat, die viel schwerwiegendere. So schwerwiegend, dass es den zweiten Abstieg der Vereinshistorie vielleicht schon besiegelt hat. Denn Leverkusens Trainer Peter Bosz sagte nach dem 4:1-Sieg etwas, das die Bremer regelmäßig in dieser Saison zu hören bekamen und wohl einfach nicht aus dem Kopf kriegen: "Sie sind Tabellen-17. Aber normal gehören sie da nicht hin."

Gemütliche Gartenparty statt Gras fressen

Der Gedanke, man sei doch eigentlich zu gut, um abzusteigen, ist der fatale Trugschluss, der Werder seit Monaten Richtung Abgrund schlittern lässt. Und für den neun verbleibende Partien wohlmöglich zu wenige sind, um ihn noch auszumerzen. Die Spieler beteuern stets, sie hätten nun allesamt verstanden, wie ernst die Lage sei. Doch dann spielen sie so höflich und bereits vor Corona mit gebührender Abstandsregel, als seien sie Gast auf einer gemütlichen Gartenparty.

Gras fressen ist in ihrer Wahrnehmung demnach nur etwas für Kühe, was diese Formel jedoch im Fußball-Abstiegskampf bedeutet, scheinen sie weiterhin nicht zu verstehen. Ein Aufbäumen, ein sich reinbeißen oder zumindest sich mit aller Kraft zu wehren, war auch gegen Leverkusen wieder nicht erkennbar.

Marathon für die neuen Mentaltrainer

Dabei hat Werder in der Pause doch Motivationstrainer Jörg Löhr und Sportpsychologe Mathias Kleine-Möllhoff an Bord geholt, um dieses Kopfproblem endlich zu lösen. Die Zeit, um die Spieler zu erreichen, hatte offensichtlich noch nicht gereicht. Dennoch ist Sportchef Frank Baumann zufrieden mit der Arbeit der beiden Neuzugänge.

Beide haben definitiv schon einen Einfluss gehabt. Was man aber nicht erwarten konnte, ist, dass man sofort durch die ein oder andere Sitzung plötzlich in die Erfolgsspur kommt. Das ist ein Marathonlauf, den wir in den nächsten Wochen zu absolvieren haben, und kein Sprint über 90 Minuten.

Werder-Sportchef Frank Baumann

Baumann bittet um Geduld

Geduld erbittet Baumann also, doch die Zeit arbeitet gnadenlos gegen Werder. Für einen Marathon könnte es schon zu spät sein, die Werder-Profis müssten längst den fünften Gang eingelegt haben und mit Vollgas durchstarten. Stattdessen klingt alles danach, als würden sie immer noch die Betriebsanleitung studieren.

"Wir wollen am 34. Spieltag über dem Strich stehen, darauf ist alles ausgerichtet", betonte Baumann: "Sowohl Mathias als auch Jörg werden einen wichtigen Anteil daran haben. Neun Spiele müssen ausreichen und sie werden ausreichen, um den Klassenerhalt zu schaffen." Nach dem Auftritt gegen Leverkusen sind die Zweifel daran aber gewachsen.

Der Abstieg rückt näher: Werder verliert Geisterspiel gegen Leverkusen

Video vom 19. Mai 2020
Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt während einer Pressekonferenz.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. Mai 2020, 18:06 Uhr