Braucht Werder für Europa bald ein Fernglas?

Das 1:1 gegen die Hertha fühlt sich für die Bremer an wie eine Niederlage. Das Saisonziel will Florian Kohfeldt aber auf keinen Fall nach unten korrigieren.

Florian Kohfeldt sitzt auf der Bank un schaut in die Ferne
Vom 1:1 gegen Hertha BSC war auch Florian Kohfeldt enttäuscht. Die Bremer laufen Gefahr, die internationalen Plätze aus dem Blick zu verlieren. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Aus seinem Frust machte Maximilian Eggestein nach dem Abpfiff kein Geheimnis. Das Unentschieden gegen Hertha BSC stank ihm deutlich. Schließlich hatten die Bremer mehr vom Spiel und genug Chancen, das 2:0 nachzulegen. Gebracht hat es nichts. Werder ließ vor dem Berliner Tor zu viel liegen. Dodi Lukebakio machte es da besser. Der Belgier traf trocken zum 1:1 und sorgte damit für schmollende Gesichter bei Werder. "Die zwei Punkte werden uns auf jeden Fall sehr fehlen", sagte Eggestein. "Werden?" Nein, sie fehlen schon jetzt. Beim Blick auf die Tabelle schmerzte der verpasste Dreier sofort.

Mit einem Sieg wären die Bremer bis auf drei Punkte an Platz sechs und dem Europapokal dran gewesen. Dieser ist das große Ziel in dieser Saison. Stattdessen stehen die Bremer mit neun Punkten auf Rang elf. Im Niemandsland der Tabelle. Eggestein machte sich deshalb nach dem Berlin-Spiel bereits Sorgen.

Wenn wir unser Saisonziel erreichen wollen, müssen wir solche Spiele einfach gewinnen.

Maximilian Eggestein nach dem 1:1 gegen Hertha BSC

Kohfeldt: "Wenn wir im April in Tuchfühlung sind ..."

Dass seine Mannschaft das Spiel hätte gewinnen müssen, fand auch Florian Kohfeldt. Der Bremer Trainer sprach deutlich von "zwei verlorenen Punkten". Klar sei auch, dass seine Spieler nach diesem Spiel hadern würden und enttäuscht seien. Das Saisonziel möchte er aber auf keinen Fall nach unten korrigieren. Schließlich seien erst acht Spieltage absolviert. 26 weitere blieben also noch. Genügend Zeit, um sich in der Tabelle noch oben heranzupirschen?

Wenn wir im April in Tuchfühlung sind, dann ist Crunchtime. Jetzt ist alles Warm-Up.

Florian Kohfeldt nach dem 1:1 gegen Hertha BSC

Werder muss gegen die Spitzenteams punkten

Auf Tuchfühlung mit den internationalen Plätzen waren die Bremer in der vergangenen Saison im Schlussspurt. Bis zum letzten Spieltag gegen Leipzig durfte vom Europapokal geträumt werden. Allerdings konnte Werder da auch auf einen viel besseren Saisonstart aufbauen. In der vergangenen Saison holten die Bremer aus den ersten acht Spielen 17 Punkte und standen damit auf Rang drei. Dieses Mal hat es nur für etwas mehr als die Hälfte gereicht. "Beim Warm-Up muss man auch dranbleiben", schob Kohfeldt wohl deshalb hinter.

Das Programm dafür ist in den kommenden Wochen aber knüppelhart. Mit Leverkusen (Samstag, 18:30 Uhr), Mönchengladbach (10. November, 13:30 Uhr), Schalke (23. November, 15:30 Uhr) und Wolfsburg (1. Dezember, 18 Uhr) warten in den kommenden fünf Spielen gleich vier Teams, die ebenfalls nach Europa wollen. Dazu kommt das Heimspiel gegen die gut gestarteten Freiburger (2. November, 15:30 Uhr).

Die "Crunchtime" wird daher in dieser Saison wohl vorgezogen. Wenn Werder bis zum Winter nicht noch fleißig punktet, dürfte es im April keine erneute "Crunchtime" geben. Dann müssten die Bremer den Kampf um den Europapokal durch das Fernglas beobachten.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 19. Oktober 2019, 18:45 Uhr