Werder hat seine Leichtigkeit verloren

Der gute Saisonstart ist dahin, aus den vergangenen fünf Spielen holte Werder nur einen Punkt. Den Bremern wurden auch von den Bayern die Grenzen aufgezeigt.

Eggestein, Pavlenka, Klaassen und Friedl stehen nach der Niederlage gegen Bayern ratlos beieinander.
Ratlos auf dem Rasen: Die Werder-Spieler hatten gegen die Bayern kein Patentrezept parat. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Als Schiedrichter Christian Dingert am späten Samstagnachmittag die Partie im Weser-Stadion abpfiff, da begann sofort sein persönlicher Anpfiff – denn Werder-Coach Florian Kohfeldt ließ sich kaum beruhigen. Er stürmte auf Dingert zu, bedrängte ihn geradezu und schrie ihn an. "Ich habe ihn nicht beleidigt", erklärte Kohfeldt später, dem Dingert zu Bayern-lastig gepfiffen und das Zeitspiel für seinen Geschmack nicht oft genug geahndet hatte. Für die 1:2-Niederlage sei das nicht "kriegsentscheidend" gewesen, betonte Kohfeldt. Doch der Ärger musste einfach raus. Und Kohfeldt hatte an diesem Nachmittag einen sehr langen Atem.

"Ich bin sauer und unzufrieden"

Trainer Kohfeldt sehr dicht und sehr energisch vor Schiedsrichter Dangert mit erhobenem Zeigefinger.
Anpfiff nach Abpfiff: Florian Kohfeldt (links) machte bei Schiedsrichter Christian Dingert seinem Ärger Luft. Bild: Imago | Nordphoto

"Ich weiß, wie das von außen wirkte", entschuldigte sich der Werder-Coach, "ich habe herum geschrien. Aber ich bin dann noch zu ihm in die Kabine und wir haben lange gesprochen." Irgendwie war wohl alles zusammengekommen, mit dieser dritten Heimspielpleite in Folge für Werder Bremen und dem nächsten Rückschlag auf dem Weg Richtung Europa. "Ich bin sauer und unzufrieden, weil ich gerne mehr gepunktet hätte", betonte Kohfeldt. Nur ein Punkt aus den letzten fünf Spielen, da kann auch der Trainer nur bilanzieren: "Das ist viel zu wenig, da gibt es keine Ausreden. Düsseldorf wird ein ganz wichtiges Spiel für uns – am Freitag müssen wir gewinnen."

Der Aufsteiger ist der vermeintlich leichteste Gegner in Werders heiklem Restprogramm bis Weihnachten (Düsseldorf, Dortmund, Hoffenheim, Leipzig). Niemand hatte einen Sieg gegen die Bayern als Pflicht für Werder eingestuft, Krise hin oder her. Doch die Bremer hatten vor allem gegen direkte Konkurrenten und jene, die sie hinter sich lassen wollen, Punkte liegen lassen. "Mainz, Stuttgart, Nürnberg – das sind die Punkte, die uns fehlen", betonte Kohfeldt. Noch immer sei Rang acht mit 18 Punkten eine recht angenehme Situation, doch "zu oft sagen dürfen wir uns das nicht". Denn auch dem Trainer ist nicht entgangen, dass seiner Mannschaft die Leichtigkeit, die sie in den ersten acht Saisonspielen ausgemacht hatte, in den vergangenen fünf Spielen irgendwie abhanden gekommen ist.

Wir haben nur einen Punkt von 15 möglichen geholt. Da müssen wir uns nicht in die Tasche lügen. Wir müssen uns jetzt zusammenraufen. Wir sind nicht da, wo wir vor ein paar Wochen waren.

Verteidiger Sebastian Langkamp

Werder erst am oberen Limit, jetzt auf Normalmaß

Zum Saisonstart, da hatten die Bremer am "oberen Limit gespielt", fügte Langkamp hinzu: "Das müssen wir uns wohl eingestehen. Wir brauchen jetzt erst einmal nicht von irgendwelchen Zielen zu reden." Spieler wie Davy Klaasen, Maximilian Eggestein oder Niklas Moisander hatten zuletzt ein paar Prozentchen schlechter gespielt, was nicht ungewöhnlich im Verlaufe einer Spielzeit ist – doch im Kollektiv fällt der leichte Leistungsabfall dann eben schwerer ins Gewicht. Auch Sportchef Frank Baumann glaubt: "Zu Anfang der Saison haben wir, was die Punktzahl und die Tabellensituation betrifft, vielleicht ein bisschen überperformed. Dafür haben wir in den letzten fünf Spielen aber, was das Ergebnis betrifft, unsere wahre Qualität nicht umsetzen können."

Kohfeldt hatte immer betont, dass seine Mannschaft ans Limit gehen muss, will sie das ambitionierte Saisonziel Europa tatsächlich erreichen. Momentan spielt Werder jedoch unter dem Limit, quasi auf Normalmaß. Um auf das Level aus Partien wie gegen Hertha BSC oder Wolfsburg zurückzufinden, ist ein Sieg gegen Aufsteiger Düsseldorf Pflicht. Denn sonst droht Werder, bis Weihnachten womöglich ganz aus dem Tritt zu geraten. "Ich bin nicht voller Sorge", sagte Kohfeldt, "wenn wir gegen Düsseldorf gewinnen, sind wir noch im Soll."

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 1. Dezember 2018, 18:45 Uhr