Darum will Werder vom Aufstieg träumen – aber nicht sprechen

Bild: Imago | Claus Bergmann

Nur noch ein Punkt fehlt zum Relegationsplatz, doch offiziell soll das Ziel Aufstieg nicht ausgerufen werden. Das vereinbarte Trainer Werner mit dem Mannschaftsrat.

Das ging ja gut los für Werder Bremen, mit dem vierten Sieg im vierten Spiel unter Trainer Ole Werner, einer imposanten Bilanz von 14:3-Toren und dem vorläufig vierten Tabellenplatz.

Die Grün-Weißen mischen zum Start ins neue Jahr also doch noch mit um die ersten drei Ränge, sind mittendrin im Aufstiegskampf. "Sind wir oder was?", fragte Werder-Stürmer Niclas Füllkrug erstmal ungläubig zurück nach dem 3:0-Sieg gegen Düsseldorf: "Wie soll ich das wissen? Ich gucke doch nicht auf die Tabelle."

"Ich verbiete niemandem den Mund"

Dabei lohnt sich der Blick für die Bremer nach diesem Wochenende, nur ein Punkt fehlt ihnen auf den Relegationsplatz und fünf beziehungsweise vier Zähler trennen sie vom ersten und zweiten Platz. Die Aufstiegschancen sind zuletzt drastisch gestiegen, doch reden wollen sie bei Werder lieber nicht darüber. Noch nicht.

Coach Werner hatte sich mit seinem Mannschaftsrat verständigt, dass der Aufstieg erst einmal nicht öffentlich als Ziel ausgerufen wird. Träumen ist aber erlaubt und Stürmer Marvin Ducksch sagte auch ganz deutlich nach dem Spiel: "Ich will unbedingt aufsteigen und tue jede Woche alles dafür." Für seinen Trainer sind diese Aussagen gar kein Problem.

Das ist in Ordnung. Es ist nichts, gegen das ich mich verwehre und ich verbiete auch niemandem den Mund. Aber wir können heute nicht den 34. Spieltag und die Endabrechnung beeinflussen. Wir können nur Schritt für Schritt gehen, um dann am Ende etwas zu feiern zu haben.

Werder-Trainer Ole Werner in der ARD

"Wir halten uns erstmal bedeckt"

19 Spieltage hat Werder bisher absolviert, die ersten 15 glichen einer Achterbahnfahrt. Schon deshalb steht auch Füllkrug voll und ganz hinter der Strategie des Trainers. "Wir halten uns jetzt erstmal bedeckt", sagte der Doppel-Torschütze in der ARD, "und versuchen unseren Fußball weiter zu spielen." Schließlich sei es eine "turbulente Saison bisher" gewesen, fügte Füllkrug hinzu.

Vorher hatten wir gar keine Konstanz, haben immer wieder gewonnen, verloren, gewonnen. Mal waren es super Spiele, dann wieder grauenvolle Spiele. Jetzt ist für uns erstmal das Wichtigste, das so weiter fortzuführen. Und was dann dabei herauskommt, sehen wir ja.

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug in der ARD

Das richtige Timing ist alles

Oftmals kann es vor allem im Profisport ein Ansporn sein, sich ein großes Ziel zu setzen. Mitunter kann das aber auch kontraproduktiv sein, wenn die hohen Erwartungen manchen Spieler eher hemmen als beflügeln. Das richtige Timing ist daher wichtig, wann man das Ziel ausgibt.

Uns geht es nicht darum, ein Ziel auszusprechen, das einige Spieler vielleicht ablenkt oder zu sehr unter Druck setzt. Wir müssen erst noch ein paar Punkte mehr sammeln, dass wir das Ziel realistisch ausrufen können.

Werder-Stürmer Niclas Füllkrug in der ARD

Noch sind 15 Spiele zu spielen, ein langer Zeitraum. Und Werner ist pragmatisch durch und durch und weiß, dass die Siegesserie nicht von endloser Dauer sein wird. Und dass trotz der Erfolge noch längst nicht alles rund läuft bei Werders Auftritten.

Lieber Jäger als Gejagter

Umso klüger ist seine Strategie, lieber noch zu warten, bis man die Aufstiegsambitionen in Bremen ausruft. Und zu schauen, wie die Mannschaft mit Rückschlägen umgehen kann und wie gefestigt sie wirklich schon ist.

Die Rolle des Jägers ist für die gerade wiedererstarkten Bremer jedenfalls im Moment die geschicktere Ausgangslage und schiebt den Druck auf die Gejagten. "Es ist immer besser, mehr Mannschaften hinter sich, als vor sich zu haben", sagt Werner. Die ersten Schritte der Aufholjagd hat Werder geschafft.

Füllkrugs Werder-Comeback nach Corona: "War ein Kraftakt für mich"

Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 17. Januar 2022, 19:30 Uhr