Diese Fußballer laufen noch weniger als Günter Netzer

Fußball im Geh-Modus – geht das überhaupt? Kein Problem. Die Oold Steerns von Werder Bremen machen es vor. Sie spielen Walking Football.

Walking Football Werder Bremen
Nur fünf Vereine bieten in Deutschland Walking Football an. Werder Bremen ist einer davon.

Platz 13 am Bremer Weser-Stadion. Auf dem Kunstrasenplatz wird geflucht, angefeuert und sich darüber beschwert, dass der Ball nicht genau in den Fuß gespielt wurde. Ein ganz normales Fußballspiel? Nicht ganz. Niemand läuft bei diesem Spiel. Wer den Ball hat, muss auf Dribblings verzichten und ihn sofort an einen Mitspieler abgeben. So ist die Regel. Das können Sie sich nicht vorstellen? Dann schauen Sie sich dieses Video an:

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Die Oold Steerns von Werder Bremen spielen Walking Football. Fußballspielen ohne zu laufen – das verwundert auch einige Spaziergänger, die zufällig vorbeikommen. Torhüter Werner Heitmüller hat schon viele erstaunte Gesichter gesehen. "Es wird ein bisschen belächelt, aber jeder der hier schon aktiv mitgemacht hat, weiß dass es hier rauf und runter geht. Dazu braucht man auf jeden Fall eine gute Kondition." Nicht selten legen die Spieler während einer Partie einige Kilometer zurück.

Walking Football Werder Bremen
Spaß, Bewegung und Geselligkeit – das soll beim Walking Football im Vordergrund stehen.

Walking Football wendet sich an die Generation 60Plus. An die Menschen, die in ihrem Leben schon viel Fußball gespielt haben und dann irgendwann aufgrund ihres Alters aufhören mussten. Aber auch Fußball-Laien sind herzlich willkommen, betont Trainer Karl-Heinz-Christiansen: "Wenn man in die Augen der Spieler guckt, die stolz sagen, dass sie gebraucht werden, dann ist das schon toll. Diese Leute versuchen wir mitzunehmen, sonst sind sie weg."

Auch Eberhard Dronia, der im kommenden Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, ist beim Walking Football mit Begeisterung dabei. Er schätzt die Bewegung, aber vor allem auch die Geselligkeit. "Gerade ältere Menschen brauchen Nachbarn, Unterhaltung und vor allem Kommunikation, damit man zu Hause nicht versauert oder vergessen wird", so Dronia.

Walking Football Werder Bremen
Walking Football steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. In England gibt es bereits über 800 lokale Teams.

Walking Football ist angepasst an die Anforderungen des steigenden Alters. Keine Grätschen, wenig Körperkontakt und der Ball darf nur in Hüfthöhe gespielt werden. Mittlerweile stehen auch mehrere Frauen im Team der Oold Steerns von Werder Bremen. Silvia Heitmüller hat sich gemeinsam mit ihrem Mann angemeldet. "Es macht richtig Spaß mit den Jungs hier zu spielen. Ich werde akzeptiert und wir haben uns alle lieb."

Wer zum ersten Mal ein Spiel beim Walking Football gesehen hat, erkennt sofort die Schwierigkeit der neuen Sportart. Wann läuft ein Spieler und wann geht er? Ein Bein muss immer am Boden sein, sonst entscheidet der Schiedsrichter auf Freistoß. Weil das allerdings nur sehr schwer zu erkennen ist, müssen alle im Training pfeifen. So sollen die Spieler ein besseres Gefühl für die kniffligen Situationen entwickeln.

Was in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, ist in Ländern wie England oder den Niederlanden bereits in Ligen organisiert. Tottenham oder Eindhoven haben sogar ehemalige Erstliga-Spieler in ihren Reihen. "Manche Mannschaften spielen unter Profibedingungen. Bayer Leverkusen bringt zum Beispiel seine eigene Massage-Bank mit und nach dem Spiel geht es zur Wasser-Gymnastik. Wir lächeln darüber nur", schmunzelt Hans-Joachim Bohling, "aber eine Massage nach dem Turnier wäre gar nicht so schlecht."

  • Claus Wilkens

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, 6. Juni 2018, 11:20 Uhr