Interview

Kämna zum Start der Tour de France: "Traum, der wahr geworden ist"

Der Fischerhuder startet zum ersten Mal beim wichtigsten Radrennen der Welt. Dabei war er sich im vergangenen Jahr gar nicht mehr sicher, ob er Radprofi sein möchte.

Lennard Kämna beantwortet im Interview Fragen.
Der 22-jährige Lennard Kämna aus Fischerhude startet zum ersten Mal bei der Tour de France. Bild: ARD
Herr Kämna, Sie starten zum ersten Mal bei der Tour de France. Was erwarten Sie?
Ich denke, es werden drei super anstrengende Wochen. Wahrscheinlich auch sehr aufregende und interessante Wochen. Ich hoffe auf eine gute Atmosphäre an der Strecke und hoffentlich gute Beine.
Vom Start bei der Tour de France träumen alle Radprofis. Sie auch?
Mit der Tour de France wächst du auf. Sobald du mit dem Radsport anfängst, hast du immer die Hoffnung: "Hoffentlich fahre ich einmal die Tour de France!" Deshalb ist es natürlich ein Traum, der wahr geworden ist.
Wie haben Sie reagiert, als Sie von Ihrer Nominierung erfahren haben?
Relativ unspektakulär (lacht). Ich war gerade beim Abendessen, als mein Sportlicher Leiter vom Team Sunweb mich angerufen und mir mitgeteilt hat, dass ich die Tour fahre. Dann habe ich erst mal meine Stulle aufgegessen und mich gefreut (lacht).
Zuletzt waren Sie super in Form. Sehen Sie das auch so?
Ich denke auch, dass ich sehr gut in Form bin. Die Tour de Suisse war zuletzt schon ein Volldampf-Wettkampf. Da habe ich mich nirgendwo zurückgehalten. Mit der Form war ich sehr zufrieden. Ich denke, in zwei Wochen sollte da nicht viel passiert sein. Deshalb hoffe ich, dass ich auch während der Tour de France mit einem guten Bein am Start stehe.
Sie sind 22 Jahre alt und bereits seit drei Jahren Profi. Hatten Sie damit gerechnet, bereits jetzt an diesem Punkt in Ihrer Karriere zu stehen?
Nicht unbedingt. Ganz am Anfang vielleicht, zwischenzeitlich nicht mehr unbedingt. In den letzten Monaten dachte ich: "Okay, dieses Jahr wird es wohl eher nichts werden." Die letzten Wochen sind zum Glück aber wieder super gelaufen. Das hat natürlich wieder die Hoffnungen geschürt, bei der Tour starten zu dürfen.
Zwischenzeitlich haben Sie eine Pause eingelegt, um über ihre Laufbahn nachzudenken. Wie lief diese genau ab?
Ich bin sehr jung Profi geworden. Damals war ich noch nicht so richtig überzeugt, ob es der richtige Schritt ist. Ich habe schon so ein, zwei Jahre gebraucht, um damit klarzukommen und zu sagen: "Okay, ich bin Radprofi!" Der mentale Switch fand jetzt so richtig erst in den letzten Monaten statt. Die Pause im letzten Jahr hat mir dabei geholfen, einfach mal den Reset-Button zu drücken. Jetzt bin ich im Kopf wieder frei für ein neues Kapitel.
Wie sah dieser "mentale Switch" aus?
Vielleicht kommt es auch einfach mit dem Alter. Wenn du fünf Stunden mit dem Rad fährst, musst du zu 100 Prozent davon überzeugt sein, dass dies das Richtige ist. Sonst bringst du nicht die Leistung, die du gerne bringen möchtest. Ich saß jetzt nicht den ganzen Tag zu Hause und habe gegrübelt, sondern habe hier und da einfach mal darüber nachgedacht. Dabei ist dann im Kopf wieder aufgekommen: "Ey, das ist doch genau das, was du immer wolltest. Gib das bloß nicht auf, sondern zieh's durch!" Jetzt ist die Freude am Radfahren zurück. Ich freue mich, hier die nächsten Wochen mit Volldampf Rennen fahren zu dürfen.
Woraus besteht für Sie die Faszination des Radsports?
Ganz klar aus der Geschwindigkeit und dem Messen mit den Kontrahenten. Du siehst, wie dein Gegner den Berg hochfährt und versuchst zu erkennen: "Ist er am Anschlag? Ist er nicht am Anschlag? Wann muss ich attackieren? Wann muss ich mich zurückhalten?" Meist hängst du auf Position zehn bis zwölf, bist absolut am Limit und hoffst, dranbleiben zu können. Dann musst du über dich selbst hinauswachsen. Das fasziniert mich.
Und das macht Ihnen Spaß?
Teils ja, teils nein (lacht). Es kommt immer darauf an. Wenn du einen richtig schlechten Tag erwischt hast und auf Platz 80 hängst, macht es natürlich keinen Spaß. Aber wenn es gut läuft oder du ein Teammitglied super unterstützen kannst, macht es richtig Spaß.

Auf dem Weg zur Tour de France?

Radsport Lennard Kämna Teaserbild Video

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Morgen, 9.15 Uhr